Würzburg

Wie Axel Hacke laut über das gelungene Leben nachdenkt

Der Autor Axel Hacke sinnierte bei MainLit im ausverkauften Gut Wöllried in bewährter Manier über dies und das. Seine besondere Gabe: dort weiterdenken, wo andere aufhören.
Im ausverkauften Gut Wöllried las Axel Hacke aus seinem neuen Buch 'Wozu wir da sind'. Die Veranstaltung fand im Rahmen des MainLit Festivals statt.
Foto: Thomas Obermeier | Im ausverkauften Gut Wöllried las Axel Hacke aus seinem neuen Buch "Wozu wir da sind". Die Veranstaltung fand im Rahmen des MainLit Festivals statt.

Axel Hacke ist der Popstar unter den Schriftstellern. Dem Kolumnisten der Süddeutschen Zeitung genügt ein Stuhl und ein Tischchen mit einem Stapel seiner Bücher, um dem Publikum im ausverkauften Saal des Gutes Wöllried in Rottendorf einen launigen und lustigen Montagabend zu bescheren (auch der Dienstagabend ist ausverkauft). Lesungen sind sein Metier, kein Abend ist wie der andere. Meist entscheidet der Autor spontan, was er liest. Manchmal liest er noch nicht mal, sondern spricht über das Leben, erzählt von seiner Arbeit und hat fast alles dabei, was er im Leben geschrieben hat – und das ist viel: etliche dicke und dünne Bände, mehr als 1000 Kolumnen aus dem Magazin der Süddeutschen Zeitung und natürlich sein aktuelles Buch "Wozu wir da sind: Walter Wemuts Handreichungen für ein gelungenes Leben".

Ausverkauft: Über 300 Menschen wollten den Autor Axel Hacke im Rahmen des MainLit Festivals aus seinem Buch 'Wozu wir da sind' lesen hören. Die umgebaute Scheune von Gut Wöllried in Rottendorf in der Nähe von Würzburg war der perfekte Veranstaltungsort.
Foto: Thomas Obermeier | Ausverkauft: Über 300 Menschen wollten den Autor Axel Hacke im Rahmen des MainLit Festivals aus seinem Buch "Wozu wir da sind" lesen hören.

Warum ein Truppenübungsplatz glücklich machen kann 

Das Buch ist ein Monolog des hauptberuflichen Nachruf-Autors Walter Wemut. Es gehe dabei nicht um Arztbesuche und Hüftoperationen, so Hacke, sondern "um die großen Fragen unserer Existenz, eben um das gelungene Leben". Doch im Prinzip, das wird schnell klar, denkt der Protagonist einfach nur laut nach. Über den Tod, über Stärken und Schwächen eines Menschen und über das Glück im Leben, das für manche Menschen ein Truppenübungsplatz im Morgengrauen sein kann. Hacke liest vor, hält inne und lässt sich treiben. Immer wieder bringt der 64-Jährige das Publikum zum Schmunzeln und Lachen. Zum Beispiel, als er Wemut erklären lässt, warum dieser in seiner Rubrik "Die Toten der Woche" keinen Nachruf auf Modeschöpfer Karl Lagerfeld verfasst hat: "Wir waren uns beide ein bisschen schnurz."

Hacke hebt die Trennung von ernst und unterhaltsam auf. In diesem Abend ist alles drin, das Heitere, das Philosophische und das Komische. Hacke sinniert über Smartphones, Müßiggang, Müdigkeit und macht immer wieder Gedankenspiele: "Was wäre, wenn wir alle 82 Jahre alt werden würden?" Als er den Hit "Da sprach der alte Häuptling der Indianer", der Gus Backus 1972 berühmt machte, anstimmt, summen einige aus dem Publikum gleich mit. Der Gag sitzt, auch wenn der Text doof ist: "Wild ist der Westen, schwer ist der Beruf. Uff".

'Wenn ich das Gefühl habe, das ist lustig, dann ist es das auch. Daran messe ich auch die Qualität des Publikums', sagt Axel Hacke.
Foto: Thomas Obermeier | "Wenn ich das Gefühl habe, das ist lustig, dann ist es das auch. Daran messe ich auch die Qualität des Publikums", sagt Axel Hacke.

Talk mit dem Kukturredakteur

Nach der Pause stellt sich Axel Hacke den Fragen von Main-Post-Kulturredakteur Mathias Wiedemann. Es geht um Kleist, unser Dasein, aber auch darum, welche Art von Humor Axel Hacke mag. "Wenn ich das Gefühl habe, das ist lustig, dann ist es das auch. Daran messe ich auch die Qualität des Publikums", sagt Hacke und schmuzelt.

Im zweiten Teil liest Hacke aus seinen bekannten Kolumnen des SZ-Magazins über Ehefrau Paola, den kleinen Luis und Bosch, den Kühlschrank. Höhepunkt ist die Geschichte, als der Erzähler im Wartezimmer beim Hautarzt anfängt, per Smartphone Wörter mit zusammenhängenden Ketten von möglichst vielen Konsonanten oder möglichst vielen Es zu sammeln. Hacke nennt so viele Beispiele (Rekord ist ein Wort mit 18 Es), dass einem fast der Kopf raucht.

Der Autor hat die Gabe, dort weiterzudenken, wo andere aufhören. Seine Kolumne "Das beste aus aller Welt", so versichert er am Ende, wird immer erscheinen – "auch am Freitag nach dem Weltuntergang“. Die Themen gehen ihm nicht aus: "Es gibt immer etwas sehr Interessantes zu erzählen." Stimmt.

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