Würzburg

Würzburger Bachtage: Praetorius-Collage "für das Endt der großen Seuch"

Christian Kabitz hatte eine Folge von Kompositionen des Meisters des Frühbarock zusammengestellt, um zu zeigen, wie frisch diese Musik heute noch klingen kann.
Praetorius-Abend der Bachtage in St. Johannis: Christian Kabitz (links) und der Würzburger Bachchor.
Foto: Silvia Gralla | Praetorius-Abend der Bachtage in St. Johannis: Christian Kabitz (links) und der Würzburger Bachchor.

Als Michael Praetorius "im Jahre des Herrn 1621" in Wolfenbüttel starb, hatte er sich auf vielen Gebieten einen hervorragenden Namen gemacht: als herzoglicher Kammerorganist und Hofkapellmeister derer zu Braunschweig-Wolfenbüttel und als Gelehrter, der das Wesen der Musik seiner Zeit, also des Frühbarock, zu beschreiben wusste. Weit bekannter aber ist er der Nachwelt als Komponist einer großen Zahl von Messen, Motetten und Kirchenliedern – Musik, die noch heute Faszination ausstrahlt.

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Zu Ehren dieses schaffensfreudigen Genies hatte Christian Kabitz, bis 2015 Kirchenmusikdirektor an St. Johannis, im Rahmen der 53. Würzburger Bachtage eine Folge von Praetorius-Kompositionen zusammengefügt und sie "DANCKES. MISSA GANTZ TEUDSCH FÜR DAS ENDT DER GROSSEN SEUCH" genannt.

Der Bachchor sang mit großer Hingabe

Rund 150 Zuhörerinnen und Zuhörer erlebten mit dieser Abfolge emotional packender Kirchenmusik einen großartigen Konzertabend, der 400 Jahre alte Musik in lebendiger Frische darbot. Bereits beim Einstieg mit der Invocatio "Gelobt sei der Herr, der Allmächtige" zeigte sich die musikalische Kraft des von Kabitz meisterlich zusammengestellten und geleiteten Ensembles: Sechs Einzelstimmen, der 32-köpfige Bachchor Würzburg und ein mit Solisten besetztes Orchester ergänzten einander und beeindruckten in dem hohen Kirchenraum von St. Johannis mit einer bewegenden Klangfülle.

Oratorium in St. Johannis: Bei den Bachtagen gilt die 2g-Regel.
Foto: Silvia Gralla | Oratorium in St. Johannis: Bei den Bachtagen gilt die 2g-Regel.

So wurde das "Gloria deutsch", von Anna Nesybas hellem Sopran getragen, zu einem nicht enden wollenden Jubelgesang. Das "Gedenken der Opfer der Seuch – Selig sind die Toten", dem Martin Platz mit seiner klaren Tenorstimme besonderen Ausdruck verlieh, mündete  in ein inniges Gebet. Die ausgewogenen Männerstimmen von Christian Heidecker (Tenor) und Michael Albert (Bass) prägten das Bekenntnis "Herr Christ, der einig Gottes Sohn". Immer wieder brachten sich Sopranistin Maria Bernius und Countertenor Jaro Kirchgessner famos ein, und der mit großer Hingabe singende Bachchor schaffte einen strahlenden Klangrahmen.

Die Neue Frankfurter Hofcapelle begeisterte erneut, unter anderem mit Jan Nigges (Blockflöte), Fridjof Smith am Zink, einem historischen Holzblasinstrument, und Alexander von Heißen an Orgel und Cembalo. Der Konzertabend schloss mit der inbrünstigen Bitte "Verleih uns Frieden gnädiglich" – und endlich auch ein "Endt der grossen Seuch"?

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