Auch Bundesverkehrsminister sollten zu Verantwortung gezogen werden

Zu Artikeln über die Eröffnung des Hauptstadtflughafens in Berlin:

Die Geschichte des Flughafens Berlin Brandenburg ist bekannter Weise durch Pech, Pleiten und Pannen berühmt geworden. Umso mehr wäre es wichtig gewesen, für den Bericht über die Eröffnung des neuen Flughafens sorgfältig zu recherchieren. Dies ist hier leider nicht geschehen. Schon die ersten beiden Sätze des Artikels lassen den Leser staunen: „Hoch und runter ist das Geschäft eines Flughafens. Flieger starten, Flieger landen. In Berlin konnte sie viele Jahre lang beides nicht.“ Weiß der Autor nichts von dem Flughafen Berlin Tegel, der bis zum 8.11.2020 noch in Betrieb ist? Oder waren ihm zwei knallige Einführungssätze wichtiger als die Realität? Der Autor weist zudem ausführlich auf das Versagen der Politiker im Aufsichtsrat hin. Aber auch hier nimmt er nicht zur Kenntnis, dass im Aufsichtsrat die Länder Berlin, Brandenburg und die Bundesrepublik Deutschland vertreten sind. Im Raumordnungsverfahrens zur Errichtung eines internationalen Verkehrsflughafens mit einer Kapazität von 60 Millionen Passagieren pro Jahr und vier Start- und Landebahnen hatte das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Raumordnung des Landes Brandenburg die Standortalternativen Sperenberg, Jüterbog-Ost und – auf politischen Druck hin – Schönefeld-Süd vorgeschlagen. Der Betrieb eines Flughafens Berlin Brandenburg war demnach unter raumplanerischen Gesichtspunkten in Jüterbog-Ost und in Sperenberg möglich, nicht jedoch am Standort Schönefeld-Süd. Bundesverkehrsminister Wissmann (CDU) und Berlins Bürgermeister Diepgen (CDU) befürworteten aus Kostengründen dennoch Schönefeld. Aufgrund einer sich verschlechternden Finanzlage des Landes Brandenburg – das Sperenberg favorisiert hatte – einigten sich Wissmann, Diepgen und Ministerpräsident Stolpe am 28. Mai 1996 auf einem Spitzengespräch in Berlin schließlich auf den Standort Schönefeld. Der Verfasser möchte aber trotz dieser wechselnden Einflussnahme der Politik auf die Entwicklung und den Bau des Flughafens lediglich den ehemaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin Wowereit und den ehemaligen Ministerpräsidenten von Brandenburg Patzeck wie auch den Vorsitzenden der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH Mehdorn vor einen Richter stellen. Mehdorn war im Frühjahr 2013 auf Anstoß von Platzeck, Wowereit und Ramsauer eingesetzten worden. Dass also die Verkehrsminister des Bundes irgendetwas mit dem neuen Flughafen Berlin zu tun haben könnten – oder gar zur Verantwortung gezogen werden sollten – darüber schweigt der Verfasser des Artikels. Wer sich über die „großkopferten Baupfuscher“ und die „organisierte Verantwortungslosigkeit“ zu Recht aufregen will, der sollte als Journalist aber auf jeden Fall schlampige Recherchen vermeiden.

Toni Gernert, 97199 Ochsenfurt

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