Scheurings Wort zum Samstag: Alles wird gut

Alles wird gut“ lautete der Satz, den einst die Moderatorin Nina Ruge immer am Ende ihrer Sendung „Leute heute“ aufsagte. „Alles wird gut“ ist auch der Titel zahlloser Bücher oder Lieder, mit denen Sangeskünstler wie G. G. Anderson oder der Qualitätslyriker und Feingeist Bushido die Welt beschenkten. Offenbar zeitigten diese Beschwörungsformeln inzwischen den gewünschten Erfolg. Wenn man vielen Leuten heute zuhört, drängt sich die Vermutung auf, dass wirklich alles gut ist. Denn sie antworten auf nahezu jede Frage: „Alles gut!“ Ich denke dann immer: Jetzt ist aber gut! Noch irritierender als die Feststellung, alles sei gut, ist die sicher gut gemeinte, aber letztlich an einer ehrlichen Antwort nicht interessierte Frage: „Alles gut?“ Sie wird ständig und nahezu überall gestellt: am Arbeitsplatz, bei privaten Treffen oder zufälligen Begegnungen auf der Straße. Die Leserin Frau W. schrieb mir: „Handelt es sich eventuell um eine neuartige Pandemie? Wie kann man sich schützen, dass einen diese Wörter nicht krank machen?“ Liebe Frau W., das weiß ich leider auch nicht. Eigentlich müsste auch in den Köpfen jener mit der Gabe der Realitätsverleugnung überreich gesegneten Menschen in einer halbwegs zurechnungsfähigen Minute die Ahnung heraufdämmern, dass nie alles gut ist. Aber vielleicht haben sie eine höhere Bewusstseinsstufe erreicht – gemäß der Erkenntnis des Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz, dass wir in der besten aller möglichen Welten leben. Oder aber die Alles-gut-Sager nehmen alle sehr gute Medikamente, die ihre Stimmung aufhellen. Kann ich die bitte auch haben?

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