Unterm Strich: Politik zum Gähnen

Wenn Menschen ihren Mund aufreißen, kommt oft nur heiße Luft. Wenn sie gähnen, passiert das Gegenteil: Das dient der Kühlung des Gehirns und ist weit verbreitet. Armin Laschet war als Wahlkämpfer zum Gähnen. Annalena Baerbock schaut nun in die gähnende Tiefe. Dagegen schienen Olaf Scholz gebratene Tauben nur so in den Mund zu fliegen, obwohl er manchmal den Eindruck erweckte, ihn nur zum Lockern der Kiefer aufgemacht zu haben. Wissenschaftler wissen: Mitfühlende Menschen gähnen schneller solidarisch mit als solche, die sich nur schlecht in andere hineinversetzen können. In einer Studie der Universität Pisa wurde nachgewiesen, dass die emotionale Nähe zum Gähnenden eine entscheidende Rolle für die ansteckende Wirkung spielt. Gerade in der Politik ist die Wirkung ambivalent. Wenn Peter Struck gähnend sein Raubtier-Gebiss zeigte, wirkte das angriffslustig. Dagegen verscherzte sich der SPD-Kandidat Martin Schulz viele Sympathien, als er bei einem SPD-Parteitag einen winzigen Moment nicht aufpasste und beim Gähnen fotografiert wurde. Er vermittelte den Eindruck von Desinteresse und Langeweile. Auch Angela Merkel sah man schon am Ende der Nacht (nach manchem Verhandlungsmarathon) gähnen und dösen. Aber bei ihr schien es von der Bereitschaft zu zeugen, sich bis zur Erschöpfung zu quälen. Das alles sollten Christian Lindner und Robert Habeck im Auge haben, ehe sie in Koalitionsverhandlungen gähnend die Klappe aufreißen. Denn ein eisernes Gesetz in der Politik lautet: „Wenn die Hunde gähnen, ist die Jagd vorüber.“

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