Unterm Strich: Shitstorm im Wald

Ein Mann hat ein allzu menschliches Bedürfnis und kackt in den Wald. Das wäre in normalen Zeiten noch keine Notiz in einer seriösen Tageszeitung wert. Aber die Zeiten sind eben nicht normal, und so hat es der Mann, vor kurzem im Ostallgäu zu einer Klettertour aufgebrochen – man muss es so sagen – einfach verkackt. Mit ziemlicher Sicherheit wäre die Sache nicht ruchbar geworden, sondern Gras darüber gewachsen, hätte er – nachdem das Geschäft verrichtet war – eine Handvoll Erde über das Häufchen geworfen und sich rasch vom Acker gemacht. Den Rest hätte die Natur erledigt. Doch dann plagte ihn offenbar das Gewissen. Womöglich wollte er auch nur alle Spuren, nun ja, verwischen. Man hat schon von Bürgermeistern gehört, die liegen gelassenen Hundekot einem DNA-Test unterzogen, um so des Verursachers habhaft zu werden. Der Wanderer also, ein ähnliches Szenario vor Augen, zückte sein Feuerzeug und setzte den Haufen in Brand. Hatte er die Gefahr verkannt? War er benebelt von all der Frisch- und Höhenluft? Oder einfach nur in Panik? Man hätte es gerne gewusst, aber im Polizeibericht sind diese Details leider ausgespart. Da ist nur von einem „fatalen Fehler“ die Rede. Wind kam auf, und dieser Shitstorm fackelte den Waldboden auf einer Fläche von 50 mal 60 Meter ruckzuck ab. Der Mann rief die Feuerwehr, immerhin. Doch bis die im unwegsamen Gelände vorankam, war die Kacke schon so richtig am Dampfen. Da fällt uns ein Zweizeiler des leider viel zu früh verstorbenen deutschen Poeten Robert Gernhardt ein: „Seht sie an, die Meise. Trinkt sie, baut sie Scheiße.“

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Eike Lenz
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