Unterm Strich: Der Friede zu Lyon

Der Nahost-Konflikt ist zwar noch immer ungelöst. Aber eben deshalb freuen wir uns über ziemlich jede Form von Entmilitarisierung. Etwa die zwischen der Starkoch-Legende Paul Bocuse einerseits; andererseits Wolfram Siebeck, der „Königin von Saba“ der deutschen Gastro-Kritik, der bis heute so manchem Starkoch die Kutteln geputzt hat. Blicken wir zurück ins Jahr 1985. Bei einem Empfang in Paris geht Bocuse beinah mit Fäusten auf Siebeck los und pöbelt ihn vor aller Ohren mit allerhand Ungezogenheiten zusammen. Nicht etwa aus Versehen: Siebeck hatte im Jahr zuvor nicht ohne Häme über den Küchengott und dessen Tempel in Lyon geschrieben: „Als Wirt einer Fernfahrerkneipe wäre Bocuse sicher der beste Kneipenwirt der Welt.“ Nun, beinahe 30 Jahre nach jenem denkwürdigen Eklat, aß der 84-jährige Siebeck im Auftrag der „Zeit“ wieder einmal beim nunmehr 87-jährigen Küchengott in Lyon. Man vertrug sich, tauschte sich höflich über die Malaisen des Alters aus, während das mehrgängige Menu sahneschwer und – wie man hinterher zwischen den Zeilen las – mit der gravitätischen Wucht einer Ouvertüre des Kritikers Verdauungstrakt durchrumpelte. Alles in allem hätte man durchaus fürchten müssen, dass der Friedensschluss nach solch langer Zeit ins allzu sentimentale Fraternisieren entarten könnte. Zum Glück aber schießt Siebeck auch weiterhin nicht mit Platzpatronen. Anschließend schrieb er über die Kochkünste des einstigen Kontrahenten: „Die sind nicht einmal so schlecht, wie sie von seinen Kritikern (auch von mir) im Laufe der Jahre beurteilt wurden.“

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Wolfram Siebeck
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