Würzburg

Grund zum Gründen

Start-ups Dank Hochschulen und Gründerzentren finden junge Kreative in Würzburg optimale Bedingungen, um sich den Traum vom eigenen Unternehmen zu erfüllen.
Christian Heinrich (links) und Gregor Stühler von Scoutbee
| Christian Heinrich (links) und Gregor Stühler von Scoutbee

Kann Würzburg als Gründerstandort wirklich mit Städten wie Berlin oder München mithalten? Laut den Gründern vieler Start-ups aus der Region kann es das auf jeden Fall. „Würzburg bietet eine fantastische Infrastruktur zum Gründen“, sagt Toni Wagner von vAudience, einem Start-up aus dem Gaming Bereich. Das liegt vor allem an den vielen Gründerzentren wie dem IGZ (Innovations- und Gründerzentrum), die viele Seminare zum Thema Gründen anbieten und wertvolle Kontakte vermitteln. Außergewöhnlich ist auch die gute Vernetzung der einzelnen Stellen, die unter der Initiative gründen@würzburg mit Investoren und Politik zusammenarbeiten. Hier sind vier der neuesten Start-ups aus der Region.

Ein digitales schwarzes Brett von Communi

Wer Mitglied einer WhatsApp-Gruppe mit mehr als fünf Leuten ist, weiß wie anstrengend das sein kann. Ständig vibriert das Handy und man liest Nachrichten, die einen eigentlich nicht interessieren. Dieses Problem hatten auch die drei Gründer des Start-ups Communi.

Kennengelernt haben sich Sebastian Ortler, Lukas Dürrbeck und Julian Hilligardt bei der City Church in Würzburg, einer freien evangelischen Gemeinde. Sie ist ein Paradebeispiel für eine große Gruppe, die sich vernetzen möchte, ohne ständig unnötige Informationen zu erhalten und trotzdem offen für neue Mitglieder zu sein. Die drei Jungunternehmer haben deshalb eine App entwickelt, mit der genau das möglich ist.

„Communi funktioniert wie ein digitales schwarzes Brett. Man kann seine Veranstaltungen anpinnen und nur die, die auch wirklich daran teilnehmen, kriegen Benachrichtigungen. Natürlich kann man dort auch ganz normal privat chatten und sich austauschen“, erklärt Sebastian Ortler. Die Kommunikation wird dadurch viel effizienter und reduzierter. Ein guter Ansatz in Zeiten, in denen man von allen Seiten mit Informationen überflutet wird.

Das Start-up bietet dafür die Communi-App, in der Gruppen und Events erstellt werden können. Größere Communities können sich aber auch eine eigene App mit ihrem eigenen Label erstellen lassen. So erhalten sie eine individuelle Kommunikationsplattform für ihre Mitglieder. In der Entwicklungszeit konnte das Team von Communi fast alles selbst machen.

Sebastian hatte bereits Gründungserfahrung und einen wirtschaftlichen Hintergrund, Lukas war als Kommunikationsdesigner für das Layout zuständig, Julian entwickelte die Software dazu. So musste das Trio kaum etwas investieren, abgesehen von seiner Zeit – und davon natürlich eine Menge. „Wir haben das Ganze für die City Church entwickelt und dann gesehen, wie gut es funktioniert. Deshalb haben wir dann gedacht, warum das nicht etwas größer aufziehen und eine eigene Firma gründen“, erklärt Lukas, wie es von der Idee zur Gründung kam. „Jetzt fehlt nur noch die Bekanntheit. Unser Traum ist es, so bekannt wie WhatsApp zu werden.“

Virtuelle Stadien zum Mitfiebern

„Würzburg ist eine tolle Stadt zum Gründen, gerade weil sie etwas kleiner ist und nicht so anonym wie Berlin oder München“, sagt Toni Wagner, einer der Gründer von vAudience. Sein Start-up ist im Bereich Spiele und electronic Sports angesiedelt. Duelle in Computerspielen werden immer beliebter, und viele Fans wollen bei diesen Turnieren zusehen. Bis zu 40 Millionen schalten bei einem solchen Event laut Wagner ein. Wie in der echten Welt macht das aber mehr Spaß, wenn man nicht alleine ist. vAudience hat daher eine Anwendung entwickelt, mit der sich die Fans auch in der virtuellen Welt treffen können. „Bobmob“ haben sie ihr Produkt genannt, mit dem man seinen eigenen Avatar erstellen kann, also eine virtuelle Kunstfigur.

Über sie können die Zuschauer alles machen, was sie auch bei einem normalen Spiel machen würden: sich unterhalten, ihren Freunden zuprosten oder sich mal ein bisschen über den Schiedsrichter aufregen. Bisher ist das nur für Computerspiele möglich. Das Team von Toni ist in Gesprächen mit Bundesligavereinen, um ein ähnliches Produkt auch für Fußballspiele zu entwickeln.

Denn hier biete sich ein riesiger Markt. Ein Großteil der Fans sieht sich die Spiele alleine zu Hause an – eine App, über die man sich in einem sogenannten virtuellen Stadion wie zu einem Live-Event treffen kann, würde den Spaßfaktor erhöhen.

Messgeräte für die Forschung

„Halbleiter sind wie Sahnetorten“, beginnt Caroline von Andrian-Werburg, als sie erklärt, was sie bei Mirell Photonics machen. Denn genau wie bei Sahnetorten weiß man auch bei Halbleitern nicht, wie sie aufgebaut sind, ohne sie aufzuschneiden. Diese Dünnschichtanalyse ist jedoch aufwendig und teuer. Die drei Gründer des Start-ups haben daher ein Messgerät entwickelt, mit dem die Zusammensetzung von Halbleitern und die Dicke der Materialien einfach und schnell analysiert werden können. Das gelingt ihnen über die Messung mit einem speziellen Infrarotlaser. Der Lichtstrahl gelangt von oben auf die Probe und wird mit eigens entwickelten Software-Algorithmen analysiert.

Das Messgerät soll eine Marktlücke schließen. Andres Heger, der Gesellschafter von Mirell Photonics ist, hätte ein solches Gerät bei der Forschung zu seiner Doktorarbeit gut gebrauchen können. So entstand zusammen mit Caroline von Andrian-Werburg und Nikolai Seubert die Idee, eine Lösung für das Problem zu entwickeln. Caroline und Nikolai kommen frisch von der Uni, wollten aber nach ihrem Master nicht promovieren. Ihrer Leidenschaft für die Forschung können sie jetzt jedoch in ihrem eigenen Unternehmen nachgehen. Für das Team war die Unterstützung durch die Gründerzentren in Würzburg besonders wichtig. „Ich habe im letzten Jahr fast jeden Workshop mitgemacht, der hier in Würzburg angeboten wurde und habe dort sehr viel Wichtiges gelernt, besonders auch aus dem wirtschaftlichen Bereich. Auch ohne das Stipendium Exist hätten wir Mirell Photonics nicht gründen können“, erzählt Caroline. Exist ist ein bundesweites Förderprogramm, das Gründungen im Bereich der Wissenschaft unterstützt. Denn hier ist oft besonders viel Hilfe nötig, da Produkte wie Messgeräte sehr teuer in der Entwicklung und Herstellung sind – ganz anders als beispielsweise Software-Lösungen.

Scoutbee: Eine Handelsplattform für die Industrie

Auch wenn sich Würzburg als Gründerstandort in den letzten Jahren sehr gut entwickelt hat, ist es immer noch schwer, private Investoren zu gewinnen. Das Würzburger Start-up Scoutbee wäre deshalb fast in die USA abgewandert. Denn dort sind Investoren wie Sand am Meer zu finden sind, so Christian Heinrich. Zusammen mit Gregor Stühler hat er mit Scoutbee eine Plattform entwickelt, über die sich Industrieunternehmen passende Lieferanten suchen können. Die beiden Ingenieure wissen aus ihren früheren Jobs, wie mühsam diese Suche sein kann. „Im B2B-Bereich, also für die Geschäftsbeziehungen von Unternehmen untereinander, gibt es eine solche Plattform noch gar nicht. Viele Firmengründungen haben sich in den letzten Jahren nur dem Markt der Privatpersonen gewidmet“ so Gregor. Hier gibt es eine fast unüberschaubare Fülle an Plattformen, die Dienstleistungen und Produkte bewerten. So funktioniert auch die Idee von Scoutbee – Daten, die auf Empfehlungen basieren und sich ständig aktualisieren.

IHK Würzburg-Schweinfurt
| IHK Würzburg-Schweinfurt
Toni Wagner von vAudience
Foto: Beate Spinrath | Toni Wagner von vAudience
IGZ BioMed/ZmK       -  Innovations- und Gründerzentrum IGZ in Würzburg
Foto: IGZ, Amling, Sauer, Spinrath | Innovations- und Gründerzentrum IGZ in Würzburg
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