Würzburg

Lieferengpässe: Es wird knapp in den Fahrradgeschäften

Große Nachfrage, große Engpässe: Der Fahrradhandel in der Region ist heuer trotz des Rad-Booms in einer zwiespältigen Lage. Was Kunden deshalb beachten sollten.
Fahrradtourismus wie hier im Taubertal ist populär – und hat wegen der Corona-Einschränkungen weiter an Fahrt gewonnen. Für die Fahrradhändler ist das ein zweischneidiges Schwert.
Foto: Peter Frischmuth, Tourismusverband Liebliches Taubertal | Fahrradtourismus wie hier im Taubertal ist populär – und hat wegen der Corona-Einschränkungen weiter an Fahrt gewonnen. Für die Fahrradhändler ist das ein zweischneidiges Schwert.

Es könnte heuer wieder eng werden auf den Radwegen in Mainfranken. Schließlich zeichnet sich wie 2020 wegen der corona-bedingten Einschränkungen ab, dass mangels Alternativen für viele Menschen der Urlaub auf dem Rad stattfindet.

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Eng wird es nicht allein auf den Radwegen, sondern jetzt schon in den Fachgeschäften. Der Handel hat ein Problem: Vor allem in China und anderen asiatischen Ländern kommen die Hersteller von Fahrradteilen der Nachfrage hierzulande kaum noch hinterher. Die Teile werden in der Regel in Asien hergestellt, die Räder dann in Europa montiert.

Den Lieferengpass hat zum Beispiel Geschäftsleiterin Anja Schneider vom Radmarkt Schauer in Schweinfurt festgestellt. Es komme zu Wartezeiten im Geschäft. Von den Engpässen seien alle Fahrrad-Typen betroffen, sagte Schneider auf Anfrage.

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Ähnliches hatte vor wenigen Tagen der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) in Bad Soden am Taunus verkündet. "Wir rechnen damit, dass die Warenverfügbarkeit auch 2021 knapp sein wird", so Sprecher David Eisenberger. Nach seinen Worten setzten die Händler 2020 in Deutschland 20 Prozent mehr Fahrräder um als im Vorjahr – vor allem wegen des Zusammenhangs von Freizeit und Corona-Pandemie.

Um 20 Prozent ist 2020 auch der Umsatz im Radmarkt Schauer gestiegen. Wie Geschäftsleiterin Schneider weiter sagte, sei aber "schlecht einzuschätzen", wie das Plus heuer ausfallen wird. Zu groß seien schon jetzt die Lieferengpässe.

Auch Händlerin Jutta Körner in der Würzburger Altstadt macht im Moment diese Erfahrung. Sie hat zudem beobachtet, dass sich der Fahrradmarkt in der Region zunehmend auf große Franchiseketten konzentriere. "Die haben dann oft Internet-Auftritte, die wir uns als kleiner Betrieb gar nicht leisten können." Allenfalls beim Reparaturservice sieht Körner für ihre Werkstatt noch eine Chancengleichheit.

Radmarkt in Schweinfurt: Engpässe auch bei Reparaturen

Doch auch in dieser Hinsicht hakt es, wie Anja Schneider vom Radmarkt Schauer berichtet. Wegen der Lieferprobleme von Ersatzteilen müssten Kunden mitunter wochenlang und trotz Anmeldung auf die Reparatur ihres Rades warten. Für zufällig vorbeikommende Radtouristen im Sommer werde ihr Geschäft immer einen Mitarbeiter in der Werkstatt abstellen. Der könne aber auch nur dann schnelle Hilfe leisten, "wenn die Teile da sind".

Wie sehr das Rad in Deutschland an Bedeutung gewonnen hat, zeigte zuletzt eine ZIV-Marktstudie. Demnach hat die Fahrradbranche ihren Jahresumsatz zwischen 2013 und 2018 um 55 Prozent auf 24,2 Milliarden Euro gesteigert. 66 000 Menschen hatten 2018 einen Job in diesem Bereich. Neuere Zahlen lagen laut ZIV für die Studie nicht vor.

Radtouristen: Unklar, was bei Übernachtungen geht

Trotz des Booms und neben den Lieferengpässen sieht Fahrradhändlerin Körner in Würzburg für dieses Jahr ein weiteres Fragezeichen. Denn unklar sei, wie mit Blick auf die Corona-Regeln Übernachtungen von Touristen erlaubt sein werden. Schon 2020 habe sie die Einschnitte gemerkt. "Unser Geschäft mit Leihrädern war da ziemlich tot."

2019 wurden in Deutschland laut ZIV 4,3 Millionen Fahrräder verkauft, darunter 1,4 Millionen (2018: 0,98) mit Elektroantrieb – Tendenz steigend. "Regelrecht explodiert" sei bei diesen sogenannten E-Bikes das Leasing-Geschäft mit Dienstfahrrädern.

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Das kann Geschäftsleiterin Schneider vom Radmarkt Schauer bestätigen. Das Leasen solcher Räder "hat sich bei uns sehr stark entwickelt". Parallel dazu ziehe der Umsatz mit herkömmlichen Fahrrädern bei einem Preis von bis zu 500 Euro an.

Die Händlerin hat einen Tipp für all diejenigen, die heuer ein Rad kaufen wollen: schnell entscheiden. Denn im Moment bekomme der Kunde "vielleicht noch das, was er will". Ab April werde sich das wohl ändern: "Dann muss er nehmen, was da ist."

Tipps für den Fahrradkauf

Eine Probefahrt sei vor jedem Kauf unbedingt zu empfehlen, rät der Radfahrerclub ADFC. Um das Fahrrad genau kennenzulernen, sollte die Probefahrt über einige Kilometer gehen, also nicht zu kurz sein. Und sie sollte über Strecken führen, die dem späteren Alltagsgebrauch entsprechen.
Sattel: Laut ADFC sollte schon bei der Probefahrt – und später natürlich auch – die Höhe des Sattels passen. Wer das selbst einstellen möchte, dem empfiehlt das Fachportal "Fahrrad & Gesundheit" die sogenannte Fersenmethode als einfachsten Weg: Der Fahrer stellt die Ferse aufs Pedal, das sich am untersten Punkt befindet. Ist das Bein dann durchgestreckt, stimmt die Sattelhöhe. Ist es gebeugt, sitzt der Sattel zu tief.
Vor dem Kauf genau überlegen: Das ist der Tipp des ADFC. Will heißen: Der Kunde sollte sich vor dem Gang ins Geschäft klarmachen, wo und wie er das Rad einsetzen will, wie viel er ausgeben will. Wer sich ein E-Bike anschaffen möchte, der sollte sich dem ADFC zufolge vorher Grundkenntnisse über Pedelecs und die Arten von Elektromotoren aneignen. Eine persönliche Beratung im Fachgeschäft sei unabdingbar.
aug
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