Würzburg

Rekordwerte: Gold ist auch in Mainfranken der Renner

Weil die Preise seit Tagen durch die Decke gehen, ist Gold so gefragt wie lange nicht. Händler in Mainfranken merken das – und stellen nebenbei Überraschendes fest.
Gold ist in: Das merkt Ina de la Motte in ihrem Geschäft in Würzburg. Vor allem die Nachfrage nach Ringen sei gestiegen, sagt die Goldschmiedemeisterin - hier beim Löten eines Goldrings.
Foto: Thomas Obermeier | Gold ist in: Das merkt Ina de la Motte in ihrem Geschäft in Würzburg. Vor allem die Nachfrage nach Ringen sei gestiegen, sagt die Goldschmiedemeisterin - hier beim Löten eines Goldrings.

Seit Tagen ist der Preis für Gold auf Rekordkurs. Deutschland sei im Goldrausch, heißt es in den Medien.  In der Tat merken Händler auch in Mainfranken eine blühende Nachfrage, sowohl beim An- als auch beim Verkauf. Dabei zeigt sich stellenweise ein widersprüchliches Bild der Gesellschaft.

Das jedenfalls hat Hakan Türk festgestellt. Der 47-Jährige ist Verkaufsberater im "Edelmetallshop" in Würzburg, einer Adresse für den Handel mit allerlei Gold-Varianten. Vom Zahngold über Münzen und Barren bis Schmuck bringen Kunden Wertvolles in das Geschäft in der Innenstadt - und das in steigendem Maß.

Was Gold mit der sozialen Schere im Land zu tun hat

Dabei hat Türk beobachtet, dass immer mehr Menschen in sein Geschäft kommen, die ganz offensichtlich arm sind und zuhause das Gold regelrecht zusammengekratzt haben, um es gerade jetzt zu Geld zu machen. Die einen brauchen Gold als Geldquelle, die anderen als Bereicherung ihres Vermögens: Dass die soziale Schere im Land auseinander gehe, sei hier klar zu erkennen.

Gleichzeitig spüre er bei Kunden eine steigende Furcht vor den Folgen der Weltpolitik, vor einer Rezession. Daraus resultiere ein Flucht in Sachwerte. "Solche Ängste hört man oft", sagt Türk. Hinzu komme der Niedrigzins.

Die Würzburger Goldhändler Andreas Krämer (links) und Hakan Türk sehen in der starken Nachfrage nach Gold gleich mehrere gesellschaftliche Phänomene.
Foto: Jürgen Haug-Peichl | Die Würzburger Goldhändler Andreas Krämer (links) und Hakan Türk sehen in der starken Nachfrage nach Gold gleich mehrere gesellschaftliche Phänomene.

Auch Goldschmiedemeisterin Ina de la Motte in Würzburg spürt, dass die Wertschätzung von Gold deutlich zugenommen hat. Weder sie noch Türk können das in Zahlen ausdrücken - es bleibt mehr bei einem Gefühl, einer Beobachtung. Aber die sei klar: Kunden kaufen in steigendem Maße Goldschmuck als Geldanlage, die sie dann auch am Körper zeigen wollen, erzählt de la Motte. Die 47-Jährige ist Mitglied im Vorstand der unterfränkischen Innung für Uhrmacher sowie Gold- und Silberschmiede.

Für de la Motte wirkt sich ein weiteres gesellschaftliches Phänomen positiv aus: Heiraten liegt im Trend - und damit Ringe unter anderem aus Gold. Laut Statistischem Bundesamt ist in Deutschland die Zahl der Eheschließungen zwischen 2008 und 2018 um 18 Prozent gestiegen.

In Würzburg ist auf dem Standesamt noch viel mehr los: Nach Auskunft der Stadtverwaltung nahm die Zahl der Hochzeiten allein zwischen 2013 und 2018 um 46 Prozent zu. Zuletzt seien es 763 Eheschließungen im Jahr gewesen, also rechnerisch zwei pro Tag.

"Eine starke Rückbesinnung auf Werte."
Goldschmiedin Ina de la Motte über Gold und Heiraten

Als "starke Rückbesinnung auf Werte" wie eben Heiraten analysiert Goldschmiedin Ina de la Motte solche Zahlen. Im Windschatten sei die Nachfrage nach Eheringen gerade aus Gold gestiegen - und mit ihr die Nachfrage nach etwas, was lange aus der Mode schien: der Verlobungsring. Gerade Männer trügen vermehrt wieder Ringe aus Gold, Hochzeit hin oder her.

Für Goldhändler Türk und seinen Kollegen Andreas Krämer sind die Vorzeichen im Moment eigentlich ungünstig. Denn zu Jahresbeginn sei das Geschäft bisher immer schlecht gelaufen, erzählen sie. Grund: Die Menschen müssten erst mal allerlei turnusmäßige Rechnungen zum Beispiel bei Versicherungen zahlen und hätten kein Geld für Gold.

Anrufe beim Goldhändler haben sich verdoppelt

Dennoch sei derzeit die Kundenfrequenz "ungewöhnlich hoch". Zehn Anrufe pro Tag bekommt Türk zurzeit von Interessenten, die Gold kaufen wollen und sich nach dem Tagespreis erkundigen. "Das hat sich verdoppelt" im Vergleich zu ruhigeren Zeiten.

Wer Edelmetall kauft, wird es sicher lagern wollen. Und so hat Türk noch etwas beobachtet: "Die Nachfrage nach Schließfächern ist enorm gestiegen." Sein Geschäft biete solche Fächer zurzeit nicht an, erwäge aber in dieses Segment einzusteigen.

Welchen Effekt Goldhändler noch sehen

Dass Geld auf der Bank nichts mehr abwirft, ist nach Ansicht von Benjamin Summa vom Münchener Goldhandelshaus Pro Aurum die Ursache schlechthin für die Popularität des Goldes. Die Negativzinsen für Guthaben sorge für "die alles überlagernde Diskussion". Und das nicht erst in diesen Tagen: "Vor dem Jahreswechsel waren wir fast ausverkauft, es gab dramatische Lieferengpässe", beschreibt Summa die Gold-Geschäfte seines Hauses.

Bei der Sparkasse Mainfranken als eine der größten ihrer Art in Bayern ist der Gold-Boom offenbar kein Thema. "Wir können aktuell keine verstärkte Nachfrage beobachten", teilte Sprecher Stefan Hebig auf Anfrage mit. Auf Wunsch könnten die Kunden die Barren oder Münzen gleich mitnehmen. Freie Schließfächer seien vorhanden.

Dass das Edelmetall seit Wochen im Scheinwerferlicht ist, bringt für Händler Hakan Türk in Würzburg im Übrigen einen weiteren Effekt mit sich: "Die meisten unserer Kunden sind sehr gut informiert." Und: Gold als Geschenk, das sei ein Trend dieser Tage.

(Mit Informationen von dpa.)

Gold als Geldanlage
Zwar ging der Wert des Goldes in den vergangenen Jahren oft deutlich hoch und runter, dennoch gilt das Edelmetall als stabile Geldanlage. Gerade in Deutschland: "Gemessen an der Bevölkerung ist Deutschland das goldaffinste Land", sagte kürzlich der Leiter des Edelmetallgeschäfts der BayernLB, Michael Eubel. Pro Jahr kaufen die Deutschen 100 Tonnen Gold. Mit 3300 Tonnen hat die Deutsche Bundesbank weltweit die zweitgrößte Goldreserve. Spitzenreiter sind die USA.
Weil Gold keine Zinsen abwirft, liegt der Profit allein darin, beim Verkauf des Edelmetalls mehr Geld zu erzielen, als man beim Kauf bezahlt hat. Da der Gold-Kurs am Markt in US-Dollar angegeben wird, sollte hierzulande auf jeden Fall der Wechselkurs zum Euro einkalkuliert werden. Denn ist dieser Kurs am Verkaufstag ungünstig, schmälert das den Profit.
Der Preis für eine Unze (31,1 Gramm) Feingold kletterte in den vergangenen Tagen rasant auf Rekordwerte über 1600 US-Dollar, was gut 1500 Euro entspricht. (aug/dpa)
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