Bad Neustadt

Rhön-Klinikum: enormer Gewinnsprung im vergangenen Jahr

Die Einigung bei den Betriebskosten des Universitätsklinikums Gießen-Marburg hat jetzt direkte Auswirkungen auf die Rhön-Klinikum-Dividende für 2018.
Rund 15 000 Besucher kamen im Dezember zum Tag der offenen Tür anlässlich der Einweihung des Rhön-Klinikum Campus in Bad Neustadt.
Foto: Stefan Kritzer | Rund 15 000 Besucher kamen im Dezember zum Tag der offenen Tür anlässlich der Einweihung des Rhön-Klinikum Campus in Bad Neustadt.

Jahrelang waren sich Rhön-Klinikum AG und das Land Hessen uneinig über die Betriebskosten für das Uniklinikum Gießen-Marburg. Erst als der jetzige Vorstandsvorsitzende Stephan Holzinger 2017 bei der Rhön-Klinikum AG sein Amt antrat, löste er das Problem mit der sogenannten Trennungsvereinbarung. Die sicherte dem Gesundheitskonzern millionenschwere Betriebskostenzuschüsse für das Uni-Klinikum.  Rücklagen, die im Vorfeld wegen der unsicheren Lage gebildet worden waren, wurden 2018 aufgelöst. Die, so Holzinger in der Bilanzpressekonferenz, waren jetzt der Hauptgrund für einen Gewinnsprung von 39,5 Prozent auf 51,2 Millionen Euro.

Gewinn: 40 Prozent für die Aktionäre

Der Umsatz stieg dagegen nur um 1,8 Prozent auf 1,23 Milliarden Euro. Die Patientenzahl lag mit 850 147 um 1,6 Prozent höher als 2017. Der höhere Gewinn beschert den Anteilseignern eine um 32 Prozent höhere Ausschüttung. Nach 22 Cent im Vorjahr schlagen Vorstand und Aufsichtsrat für 2018 je Aktie 29 Cent als Dividende vor. Damit, so Holzinger, bleibt der Konzern bei seiner Linie, 40 Prozent des Gewinns an die Aktionäre auszuschütten. Den Konzern bezeichnete der Vorstandsvorsitzende als kerngesund und belegte das unter anderem mit der enormen Eigenkapitalquote von 73 Prozent

Zu den Highlights 2018 gehörte die Einweihung des Rhön-Klinikum Campus im Dezember in Bad Neustadt. Holzinger bezeichnet ihn als Flagschiff des Konzerns, bei dem zum ersten Mal das sektorenübergreifende Campus-Konzept idealtypisch umgesetzt worden sei. Neben dem Ausbau von Frankfurt/Oder zum Campus habe man sechs weitere mögliche Campus-Standorte im Blick. Wo die entstehen könnten, dazu wollte Holzinger allerdings noch keine Angaben machen. Sicher sei nur, dass das Konzept ein wichtiger Baustein für die medizinische Versorgung im ländlichen Raum sei.

Zusätzliches Standbein Telemedizin

Dass die Digitalisierung sowohl im medizinischen als auch im Verwaltungsbereich beim Rhön-Klinikum im Vordergrund steht, hat Holzinger stets betont. Das sogenannte Medicasl Cockpit, das die gesamte Patientenhistorie sekundenschnell zusammenführt,  und die Minderheitsbeteiligung an der Tiplu GmbH, deren Tool die Abrechnung effizienter macht, nannte der Vorstandsvorsitzende als Beispiele.

Verstärkt will der Konzern künftig auf Telemedizin setzen. Deshalb die 51-Prozentbeteiligung an Medgate, das genau dieses telemedizinische Angebot bietet. Im ersten Quartal 2019 soll die Zusammenarbeit losgehen. Rund 30 Prozent der Arztkontakte seien heute schon problemlos per Video, Telefon oder Onlineformular möglich. 

Arbeitserleichterung für Pflegekräfte

Zum Thema Pflege sagte Holzinger: "Wir haben kein pauschales Problem mit der Pflege." Für Ihn geht es nicht darum, Pflegekräfte durch exorbitante Abwerbeprämien zu gewinnen. Das sei der falsche Weg. Viel wichtiger sei es, Pflegekräfte zu halten. Das soll durch bessere Arbeitsbedingungen geschehen. Etwa durch den arbeitserleichternden Einsatz von Robotik, oder durch Tablets bei den Patienten, mit denen Pflegekräfte gezielt gerufen werden können. Holzinger spricht aber auch von der Erhöhung der Kindergartenkapazität und es soll sogar möglich sein, Amazonpäckchen an die Arbeitsstelle liefern zu lassen.

Im Ausblick auf 2019 kalkuliert der Rhön-Klinikum-Vorstand mit einem Konzern-Umsatz von 1,3 Milliarden Euro, plus-minus fünf Prozent. Das Ergebnis vor Steuern erwartet er ähnlich wie in diesem Jahr zwischen 117,5 und 127,5 Millionen Euro. 

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