WÜRZBURG

Wohin mit dem Geld?

Umfrage: Girokonto wird oft zum Sparen genutzt       -  Anleger sollten bei ihrem Vermögensaufbau nicht nur auf eine Geldanlage vertrauen, sondern ihr Geld auf mehrere Kapitalanlagen verteilen.
Foto: Christin Klose, dpa | Anleger sollten bei ihrem Vermögensaufbau nicht nur auf eine Geldanlage vertrauen, sondern ihr Geld auf mehrere Kapitalanlagen verteilen.

Obwohl die Zinsen auf klassische Geldanlagen wie Sparbuch, Fest- und Tagesgeld seit Jahren am Tiefpunkt sind, gehören sie noch immer zu den beliebtesten Kapitalanlagen. Eine vernünftige Rendite können Anleger damit jedoch nicht erwirtschaften. Um ihr Geld gewinnbringend anzulegen, gibt es bessere Geldanlagen.

Aus einer fälligen Lebensversicherung erhalte ich einen größeren Geldbetrag. Ich weiß nicht recht, wohin damit, wo es doch keine Zinsen mehr gibt. Soll ich in Fonds anlegen?

Für den Teil des Geldes, den Sie langfristig anlegen können, kommen Investmentfonds in Betracht; zum Beispiel gemischte Fonds. Je nach persönlicher Risikobereitschaft mit einem kleineren oder größeren Aktienanteil. Dabei gilt: Je größer der Aktienanteil, desto größer sind die Renditechancen, desto stärker können aber auch Schwankungen sein.

Muss ich bei „nachhaltig“ anlegenden Fonds mit einer geringeren Rendite rechnen als bei „klassischen“ Fonds?

Nein, Nachhaltigkeitsfonds weisen durchaus nicht automatisch eine schlechtere Wertentwicklung auf. Langfristig dürften sich nachhaltig wirtschaftende Unternehmen sogar eher am Markt behaupten und durchsetzen.

Der Goldpreis ist in letzter Zeit

gefallen. Lohnt sich ein Einstieg?

Der Goldpreis ist zwar gefallen, aber im Zeitvergleich immer noch relativ hoch. Gold bietet weder Zinsen noch Dividenden, wohl aber Kosten für eine sichere Verwahrung zum Beispiel in einem Schließfach. Die Wertentwicklung hängt einzig und allein von der Goldpreisentwicklung ab. Mein Vorschlag wäre, wenn Sie Affinität zu Gold haben: Denken Sie über eine Anlage in Goldminenfonds nach, d.h. in Firmen, die in der Goldproduktion tätig sind. Hier gibt es Ausschüttungen und eine Risikostreuung über verschiedene Unternehmen. Noch besser wäre die Risikostreuung bei einem Investment in Rohstofffonds. Insgesamt sollten nicht mehr als etwa zehn bis maximal 15 Prozent im Goldbereich angelegt werden.

Was halten Sie von einer Anlage in die Nahrungsmittelproduktion? Gibt es spezielle Fonds dafür?

So eine Investition kann sinnvoll sein; die Branche ist weniger abhängig vom Auf und Ab der sonstigen Wirtschaft. Branchenfonds gibt es für viele Bereiche. Schauen Sie dazu mal im Internet auf die BVI-Seite (www.bvi.de). Dort finden Sie weitere Informationen. Grundsätzlich würde ich aber nicht mehr als etwa zehn Prozent in diesen speziellen Bereich investieren.

Aus einer Erbschaft habe ich (45 Jahre) 30 000 Euro anzulegen, gedacht ist das Geld für meine spätere Altersvorsorge. Mein Bankberater empfahl weltweit anlegende Aktienfonds. Ich bin aber verunsichert, da die Kurse in letzter Zeit stark gestiegen sind. Was meinen Sie?

Grundsätzlich eignen sich weltweit anlegende Aktienfonds sehr gut für die zusätzliche Altersvorsorge, da sie eine sehr breite Risikostreuung und langfristig gute Renditechancen haben. Wegen der hohen Kurse sollten Sie den Betrag nicht insgesamt auf einmal anlegen, sondern besser zeitlich versetzt über ein bis zwei Jahre hinweg Teilbeträge investieren. So vermeiden Sie, zu einem ungünstigen Zeitpunkt einzusteigen.

Ich bin 55 Jahre alt, habe stets in Tages- und Festgeld angelegt, da ich keine großen Risiken eingehen möchte. Nun drohen Strafzinsen. Sollte ich in Fonds einsteigen?

Bei der heutigen Zinssituation ist ohne Bereitschaft zu einem gewissen Risiko praktisch keine Rendite mehr zu erzielen. Wertschwankungen gehören bei Fonds dazu. Allerdings sind sie unterschiedlich je nach Fondstyp. In der Regel sind Schwankungen am geringsten bei offenen Immobilienfonds, am stärksten bei Aktienfonds. Dazwischen liegen Mischfonds. Besprechen Sie mit Ihrem Bankberater, was am besten zu Ihnen passt. Wichtig ist: Fonds sind langfristige Anlagen, damit Wertschwankungen ausgeglichen werden können. Der Anlagehorizont sollte mindestens fünf Jahre, besser zehn Jahre betragen. Geld für Notfälle sollten Sie auf dem Tagesgeldkonto belassen.

Durch Erbschaft und Hausverkauf habe ich 200 000 Euro anzulegen. Was halten Sie von Mischfonds?

Grundsätzlich eine gute Wahl, weil Mischfonds breit gestreut anlegen, sowohl in Aktien wie auch in anderen Wertpapieren. Je nach Aktienanteil unterscheidet man Mischfonds in „dynamisch, ausgewogen, defensiv“, so dass eigentlich für jeden Anlegertyp das Passende zu finden ist. Was konkret am besten zu Ihnen passt, sollten Sie in einem ausführlichen Gespräch mit Ihrem Berater abklären. Dabei werden Ihre Anlageziele, Ihr Anlagehorizont und Ihre Risikobereitschaft berücksichtigt.

Ich möchte für alle Fälle so anlegen, dass ich vor Inflation geschützt bin. Machen Investmentfonds Sinn?

Ja, Aktienfonds und offene Immobilienfonds bieten als Sachwerte Schutz vor Inflation. In beiden Fällen sollten Sie einen Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren haben. Offene Immobilienfonds sind schwankungsarm. Aktienfonds schwanken stärker, bieten langfristig aber auch die besseren Renditechancen.

Eine Riesterrente mit Fonds, ist das sinnvoll?

Private Altersvorsorge ist grundsätzlich wichtig. Hierzu gehört auch die Riesterrente, die aufgrund staatlicher Zulagen und steuerlicher Förderung Vorteile bietet. Bei Rentenbeginn sind zudem Einzahlungen und Zulagen garantiert.

Was ist der Unterschied zwischen ETFs und normalen Fonds?

ETF ist die Abkürzung für Exchange Traded Funds. ETFs sind an der Börse gehandelte Fonds, die einen Börsenindex wie beispielsweise den DAX nachbilden. Bei ETFs muss sich demzufolge das Fondsmanagement keine Gedanken um die „richtige“ Auswahl aussichtsreicher Aktien machen, so dass die Kosten bei einem ETF niedriger sind als bei einem Aktienfonds mit aktivem Fondsmanagement. Bei einem „normalen“ Fonds kann das Fondsmanagement dagegen eigene Ideen und Vorstellungen umsetzen. Zu bedenken ist: Ein ETF kann nicht schlechter, aber auch nicht besser abschneiden als der Index. Gute Fondsmanager können dagegen den Index übertreffen.

Machen Zertifikate als Beimischung zu Aktienfonds und Immobilienfonds Sinn?

Überlegen Sie, ob das Ihren Anlagezielen entspricht. Fonds sind Sondervermögen und dadurch bei Konkurs oder Pleiten geschützt. Bei Zertifikaten besteht dagegen grundsätzlich ein Emittentenrisiko, das heißt ein Ausfallrisiko für den Anleger, wenn der Herausgeber des Wertpapiers zahlungsunfähig wird.

Welche Art von Investmentfonds ist bei einem Anlagehorizont von zwölf Monaten ratsam? Dann benötigen wir das Geld für einen Hauskauf…

In diesem Fall ist Tagesgeld empfehlenswert, keine Fonds. Für Fonds sollte der Anlagehorizont in der Regel wenigstens fünf Jahre betragen.

Ist eine Anlage in offenen Immobilienfonds eine Alternative zu Rentenfonds?

Zu bedenken ist, dass es sich hierbei um sehr verschiedene Anlageformen handelt: Rentenfonds investieren in festverzinsliche Wertpapiere, offene Immobilienfonds in Immobilien. Die Aussichten für Rentenfonds sind durch die anhaltende Nullzinspolitik deutlich beeinträchtigt. Immobilienfonds sind schwankungsarm, die durchschnittliche Wertentwicklung in den vergangenen fünf bis 15 Jahren betrug im Schnitt etwa drei Prozent jährlich.

Lohnt es sich für mich, ich bin 35 Jahre alt, monatlich 100 Euro in Fonds anzulegen, um Vermögen fürs Alter aufzubauen?

Ja, denn durch regelmäßiges Sparen mit Fonds können Sie langfristig beachtliches Vermögen bilden. Zum Beispiel wären in den vergangenen 30 Jahren aus monatlich 100 Euro in Aktienfonds global angelegt – insgesamt eingezahlt also 36 000 Euro – bis heute im Schnitt gut 10000 000 Euro geworden. Das entspricht einer jährlichen Rendite von im Schnitt gut sechs Prozent. (afk)

 

Die Telefonaktion wurde in Zusammenarbeit mit dem Fondsverband BVI veranstaltet. 

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