Wonfurt

Die St. Andreaskirche in Wonfurt wird 200 Jahre alt

Ein Kirchenraum mit reicher Ausstattung: Links im Altarraum hängt die Figur des der Kirchenpatrons St. Andreas. Der Hochaltar stammt aus der Haßfurter Ritterkapelle, als diese 1889 im neugotischen Stil renoviert wurde. Er ist ein Werk des Hofbildhauers Johann Peter Wagner von 1786.
Foto: Michael Nowak | Ein Kirchenraum mit reicher Ausstattung: Links im Altarraum hängt die Figur des der Kirchenpatrons St. Andreas. Der Hochaltar stammt aus der Haßfurter Ritterkapelle, als diese 1889 im neugotischen Stil renoviert wurde.

200 Jahre St. Andreaskirche in Wonfurt, ein Grund zum Feiern. Dieser Gedanke begleitete den Wonfurter Heimatforscher Raimund Vogt schon einige Jahre. Mit viel Fleiß und Sorgfalt, gepaart mit Fachwissen, hat er seine gesammelten Ergebnisse geordnet und im folgenden Beitrag zusammengefasst.

Der Nürnberger Heimatforscher Dr. Werner Hoppe, den es nach dem Zweiten Weltkrieg als Heimatvertriebenen etliche Jahre nach Wonfurt verschlagen hatte, hat sich in Verbindung mit dem damaligen Pfarrer Karl Rost beim Umbau der Andreaskirche 1971/72 sehr intensiv  mit der Wonfurter Kirchenbaugeschichte befasst. In seinem 17-seitigen Bericht in Schreibmaschinenschrift geht er auch auf „Lage, Patrozinium, klassizistischer Kirchbaustil – Ausdruck des Zeitgeistes“ ein.

Das klassizistische Kirchengebäude bestimmt als Zentralanlage das Dorfbild von Wonfurt. Vor dem Portal begrüßen die überlebensgroßen Statuen St. Benedikt und St. Katharina von Alexandrien aus dem ehemaligen Benediktinerkloster Theres die Kirchenbesucher.
Foto: Albin Schorn | Das klassizistische Kirchengebäude bestimmt als Zentralanlage das Dorfbild von Wonfurt. Vor dem Portal begrüßen die überlebensgroßen Statuen St. Benedikt und St.

Über eine Einweihung der neuen Kirche ist nichts bekannt. Die tatsächliche Bauzeit wird mit 1817 bis 1820 angegeben. Daher wurde auch in den drei Kirchenführern, die zum Kirchenumbau 1972, dann zum 175-jährigen Jubiläum 1995 und schließlich 2018 im zuletzt herausgegebenen Kirchenführer, die Bauzeit der St. Andreaskirche für die Jahre 1817 bis 1820 genannt. Man kann zwar den Baubeginn im Juli 1817 nachweisen. Wann jedoch die neuerbaute Kirche ihren liturgischen Bestimmungen übergeben wurde, dazu ist nichts zu finden. Eine Einweihung dieses außergewöhnlichen Gotteshauses durch einen Bischof oder wann dort erstmals Gottesdienst gefeiert werden konnte, lässt sich bis heute nicht feststellen.

Diese offene Frage beschäftigte den leidenschaftlichen Heimatforscher Vogt schon seit 1995, als in diesem Jahr die Feier zum 175. Jubiläumsjahr der St. Andreaskirche anstand. Sie wurde auch damals mit Weihbischof Helmut Bauer festlich begangen.

Kein konkretes Ergebnis zum Weihedatum

Ein Besuch im Archiv der Diözese Würzburg im Dezember 1994, um den Termin der kirchlichen Weihe des Gotteshauses zu klären, brachte kein konkretes und sicheres Ergebnis. Nur aus dem Realschematismus der Diözese, Seite 220, gedruckt 1897, bei dem es um die Wonfurter Kirche ging, ist zu lesen: „jetzige Kirche 1824 erbaut …“. Gleichzeitig war die Jahreszahl 1824 handschriftlich durchgestrichen. Am äußeren Rand des Schriftstückes ist ebenso handschriftlich vermerkt „benediziert 15.VIII 1821“ .

Auf die Frage, von wem diese handschriftliche Notiz am Rand des amtlichen Schriftstückes stammt und was sie bedeutet, erklärte der damalige Diözesanarchivar Erik Soder: Dies sei nur eine Privatnotiz eines Archivars und zwar von Dr. Franz Bendel. Sie stamme aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg. Das Originalschriftstück dazu sei im Krieg verbrannt. Das habe auch auf viele andere Dokumente des Archivs zugetroffen in der Würzburger Bombennacht am 16. März 1945.

Der Kirchenpatron Andreas, einer der zwölf Apostel, zählte mit seinem Bruder Petrus zu den ersten Jüngern Jesu. In Patras (Griechenland) soll er den Märtyrertod durch Kreuzigung gefunden haben. So ist er meist dargestellt durch ein Kreuz mit schrägen Balken, dem Andreaskreuz.
Foto: Albin Schorn | Der Kirchenpatron Andreas, einer der zwölf Apostel, zählte mit seinem Bruder Petrus zu den ersten Jüngern Jesu. In Patras (Griechenland) soll er den Märtyrertod durch Kreuzigung gefunden haben.

Vogts offene Frage war also immer noch nicht geklärt. Da gab ihm Bürgermeister Holger Baunacher Zugang zum hiesigen Gemeindearchiv. Ernst Vollmuth hatte bis zu seinem Tod die Gemeindeunterlagen betreut, jetzt hatte Vogt Einsicht. So um das Jahr 2015 ließ sich mehr oder weniger zufällig im Gemeindearchiv ein Gutachten des Archivars Dr. Franz Bendel finden. Er hatte dies im Jahr 1921 in Würzburg für die Gemeinde Wonfurt erstellt. Es ging dabei neben eines geschichtlichen Rückblickes vor allem um Rechte und Pflichten der Schlossherrschaft zu kirchlichen und schulischen Belangen. Eine Frage stand auch zur Diskussion, wer denn nach der Profanisierung der alten Kirche 1822 der Eigentümer des Gebäudes sei.

Zweitschrift eines in Würzburg verbrannten Dokuments

Im Nachtrag zu seinem Gutachten schreibt dann Dr. Bendel: „Trotzdem die Gutsherrschaft zum Kirchenbau nichts beigetragen, hatte sie doch in der neuen Kirche, die am 15. August benediziert wurde, sofort ihr Familienwappen aufhängen lassen, erhielt aber 1822 und 1823 vom Landgericht Haßfurt, zuletzt unter Androhung der Exekution den wiederholten Befehl, das Wappen sofort wieder entfernen zu lassen“.

So ist also eine Zweitschrift des Schriftstückes, das in Würzburg 1945 verbrannte, noch in Wonfurt erhalten geblieben. Damit lässt sich schlüssig belegen, dass die Wonfurter St. Andreaskirche erst am 15. August 1821 durch die Weihehandlung zu allen gottesdienstlichen Handlungen genutzt werden konnte. Ob ein Bischof die Weihe oder Segnung vorgenommen hatte, geht leider aus diesen Unterlagen nicht hervor.

Was bedeutet benedizieren (lateinisch: bene + dicere)? Dies zeigt sich am Beispiel der neuerbauten Kirche zu Donnersdorf in den Jahren 1808 bis 1810. Am 13. Mai 1811 benedizierte Dekan Zeiler, Pfarrer in Obereuerheim, dieses Gotteshaus. Am darauffolgenden Sonntag am 14. Mai wurde der erste Gottesdienst gefeiert. Die feierliche Konsekration am 15. September vollzog der Würzburger Weihbischof Gregor Zirkel . Ob auch in Wonfurt eine ähnliche bischöfliche Weihe in der Andreaskirche folgte, ist nicht bekannt.

Bürgerversammlung beschließt Kirchweih an Martini

Aus den Unterlagen der Gemeinde geht weiter hervor, dass ein Jahr nach der Benedizierung der neuen Kirche sich die Wonfurter Bürger mit dem Termin des künftigen Kirchweihfestes befassten. Schleunigst wurde am 4. August 1822 eine Bürgerversammlung einberufen. Laut „Armen-Commissions Protokollbuch“ vom 4. August 1822  wurde einstimmig beschlossen: „Bringen mehrere Ortsnachbarn an, sie wünschten, daß gegenwärtig eine für die Bauern dringende und Geldmangelnde Zeit sey, das Kirchweihfest hier künftig jährlich an Martini, so wie an anderen Orten gehalten werden möge, weil durch diese Kirchweihverlegung dem hiesigen Ort jährlich ein Aufwand von 200 fl. (Gulden) erspart sey.“ Alle Anwesenden stimmten durch ihre Unterschrift der Verlegung des Kirchweihfestes zu. Seitdem wird in Wonfurt die Kirchweih immer am letzten Sonntag vor Beginn der Adventszeit gefeiert.

Als Dorfhistoriker hat sich Raimund Vogt seit Jahrzehnten sehr verdient gemacht um die Aufarbeitung der Geschichte seines Heimatortes und des Landkreises. 
Foto: Albin Schorn | Als Dorfhistoriker hat sich Raimund Vogt seit Jahrzehnten sehr verdient gemacht um die Aufarbeitung der Geschichte seines Heimatortes und des Landkreises. 

"Aus heutiger Sicht lässt sich sagen, dass das 175-jährige Jubiläum der Weihe der Wonfurter St. Andreaskirche im Jahr 1995 mit Festgottesdienst, Festzug und Festzelt im Schlosspark ein Jahr zu früh erfolgte", sagt Dorfhistoriker Vogt.

2021 ein großes Jubiläumsfest in Wonfurt? 200 Jahre St. Andreas  mit einem dorfprägender Kirchenbau im klassizistischen Stil? Gewiss eine herausfordernde Aufgabenstellung in der aktuellen Pandemiezeit für Seelsorgeteam, Pfarrgemeinderäte, Mitglieder und aktive Christen in Wonfurt. Doch zeigen Herausforderungen immer auch neue Wege auf, die gemeinsam gegangen werden können. Das wäre für Raimund Vogt und seine Wonfurter Mitbürger mehr als ein beruhigender Gedanke.

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