Ermershausen

90. Geburtstag: Hilda Oeser hat Folgen des Krieges gespürt

Hilda Oeser feierte ihren 90. Geburtstag.
Foto: Beate Dahinten | Hilda Oeser feierte ihren 90. Geburtstag.

90 Jahre alt zu werden, ist nicht vielen Menschen beschieden. Wer sich zudem in diesem hohen Alter noch selbst versorgen und sogar um den Garten kümmern kann, darf mehr als zufrieden sein. Entsprechend dankbar zeigte sich Hilda Oeser in Ermershausen, die am Mittwoch diesen runden Geburtstag feierte.

12. Dezember 1928 – was waren das für Zeiten, in die Hilda Vey, so ihr Mädchenname, hineingeboren wurde. Und was ist seitdem nicht alles passiert, in Deutschland und in der Welt. Das Leben der waschechten Ermershäuserin spielte sich zwar meist fernab der geschichtlichen Schauplätze ab, war einfach und arbeitsreich. Die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges jedoch bekam auch Hilda Vey zu spüren: Ihr ältester Bruder fiel, sie selbst konnte wegen der vielen Arbeit in der elterlichen Landwirtschaft oft nicht in die Schule gehen, erzählt die Jubilarin.

Vom Wald in die Möbelfirma

Glücklichere Zeiten brachen mit der Hochzeit im Jahr 1947 an. Rudi Oeser, Maurer von Beruf und ebenfalls ein Ermershäuser, holte seine Braut zu sich ins Elternhaus. Auf dem Tanzboden waren sich die beiden näher gekommen. Das Paar bekam vier Kinder. Später arbeitete Hilda Oeser zunächst bei einem Bauern am Ort, gehörte dann zu den sogenannten Kulturfrauen, die Pflanz- und Pflegearbeiten im Wald verrichteten, und war schließlich 13 Jahre bei der damaligen Möbelfirma Interschmidt im benachbarten Sulzdorf tätig.

Ganz nah dran am Geschehen war Hilda Oeser, als es darum ging, sich gegen die Gebietsreform zu wehren. Der Kampf für die Selbstständigkeit von Ermershausen war ihr großes Steckenpferd. Keinen Termin der von Adolf Höhn angeführten Delegationen hat sie ausgelassen. „Ich war in München, ich war in Bamberg“, nennt die Jubilarin zwei der vielen Stationen im Laufe der Verhandlungen. Den Polizeieinsatz am und im Ermershäuser Rathaus vor gut 40 Jahren hat sie natürlich ebenfalls vor Ort miterlebt.

Seit 1990 ist Hilda Oeser Witwe. Zur Familie gehören heute auch zwölf Enkel und 16 Urenkel. Wie beliebt die Jubilarin im Ort ist, zeigt die große Zahl der Gratulanten, die sich am Mittwoch einfanden. Hilda Oeser freut sich darüber. Aber sie weiß auch, dass es ein Geschenk ist, 90 Jahre alt zu werden und noch so rüstig zu sein.

Wie viele Jahre noch hinzukommen, das liegt für sie allein in Gottes Hand „So lange er will“, sagt sie lächelnd. Und: „Ich weiß ja nicht, ob ich den Garten nächstes Jahr noch machen kann.“

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