Ebelsbach

CSU-Vize Dorothee Bär: Laschet ist nicht automatisch Kanzlerkandidat

 Sie hätte mit allen drei Kandidaten als CDU-Chef gut leben können, sagt CSU-Vize Dorothee Bär. Dass Armin Laschet nun auch Kanzlerkandidat der Union wird, sagt sie nicht.
Dorothee Bär ist stellvertretende CSU-Vorsitzende und seit 2018 als Staatsministerin im Bundeskanzleramt die Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung.
Foto: Daniel Biscan | Dorothee Bär ist stellvertretende CSU-Vorsitzende und seit 2018 als Staatsministerin im Bundeskanzleramt die Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung.

In der CSU ist der digitale CDU-Parteitag mit viel Spannung erwartet worden. Viele an der Basis, gerade auch in Unterfranken, hätten sich statt Armin Laschet lieber Friedrich Merz als Vorsitzenden der Schwesterpartei gewünscht. Dorothee Bär, Staatsministerin im Bundeskanzleramt und stellvertretende CSU-Parteichefin aus Ebelsbach (Lkr. Haßberge), gibt sich im Interview da deutlich diplomatischer. Einen Automatismus, dass der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen nun auch gemeinsamer Kanzlerkandidat der beiden Unionsparteien wird, sieht sie aber nicht.

Frage: Die CDU hat Armin Laschet zu ihrem Vorsitzenden gewählt. Hat Sie das Ergebnis überrascht?

Dorothee Bär: Nein, nicht wirklich. Viele haben diesen Ausgang prognostiziert. Mich freut auch, dass es ein beispielhaft fairer politischer Wettstreit von allen und für alle Kandidaten war.

Was war ausschlaggebend?

Bär: Armin Laschet galt ja schon vorher als einer der Favoriten, aber er hat auch eine sehr gute Rede gehalten. Sein Versprechen, die Flügel der Partei zusammenzuführen, hat die Mehrheit der Delegierten überzeugt. Hinzu kommt, dass gerade in diesen Pandemie-Zeiten Politikerinnen und Politiker der Exekutive besonders gefragt sind. Da hatte der Ministerpräsident Laschet einen Vorteil. Das sieht man aber auch an den guten Ergebnissen bei den Präsidiumswahlen für die Ministerpräsidenten Michael Kretschmer und Rainer Haseloff.

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Hätten Sie sich ein anderes Ergebnis gewünscht?

Bär: Wir in der CSU haben immer gesagt, wir mischen uns in diese Personalentscheidung nicht ein. Ich persönlich hätte mit allen drei Kandidaten gut zusammenarbeiten können.

Fragt man die CSU-Basis, auch hier in Unterfranken, hätten viele lieber Friedrich Merz als Vorsitzenden gesehen.

Bär: Ich war da nicht festgelegt. Jeder hat seinen eigenen Stil, das stimmt. Inhaltlich aber sind die Unterschiede gar nicht so groß, schon gar nicht bei den Themen rund um die Digitalisierung. Da habe ich viele Übereinstimmungen festgestellt.

"Ich hätte mit allen drei Kandidaten gut zusammenarbeiten können."
Dorothee Bär, CSU-Vize
Apropos Digitalisierung. Wie fanden Sie das Format? Wahlreden ohne Live-Publikum, das ist schon gewöhnungsbedürftig.

Bär: In der CSU hatten wir vergangenes Jahr schon zwei digitale Parteitage. Aber ohne Personalentscheidungen. Da hat die CDU jetzt ein Benchmark gesetzt. Mir hat das gut gefallen, die große weite Halle, die Kameraführung, die auch technisch professionelle Organisation. Ich denke, das eine oder andere Element sollten wir auch bei künftigen analogen Treffen beibehalten.

Welches zum Beispiel?

Bär: Dass die Kandidaten für Vorstandsämter sich in vorab produzierten einmütigen Videos vorgestellt haben, hat mich sehr überzeugt. Da muss man Dinge kurz und kompakt auf den Punkt bringen, man kann auch den Ablauf dadurch straffer takten.

"Den Kanzler zu stellen, ist der Anspruch der Union."
Dorothee Bär, CSU-Vize
Und jetzt wollen natürlich alle wissen, ob Armin Laschet auch Kanzlerkandidat der Union werden darf?

Bär: Was heißt darf? CDU und CSU müssen die Frage gemeinsam erörtern und dann entscheiden, wer die besten Erfolgsvoraussetzungen mitbringt, um die Bundestagswahlen zu gewinnen. Die nächste Bundesregierung anzuführen und den Kanzler zu stellen, ist der Anspruch der Union. Da brauchen wir die beste Aufstellung.

Hat der neue CDU-Chef den ersten Zugriff?

Bär: Wir haben abgesprochen, dass es keine Automatismen gibt.

Wer entscheidet? Spricht da auch die stellvertretende CSU-Vorsitzende mit?

Bär: Am Ende entscheiden die beiden Parteivorsitzenden. Aber selbstverständlich führt man wie bei jeder Entscheidung Gespräche und berät sich.

Dorothee Bär im November im Deutschen Bundestag.
Foto: Kay Nietfeld, dpa | Dorothee Bär im November im Deutschen Bundestag.
Wann fällt die Entscheidung?

Bär: Wir haben noch Zeit, die Wahl ist erst im Herbst.

Ist es klug, so lange zu warten? Ungelöste Führungsfragen sorgen oft für Unruhe.

Bär: Also, die Frage, wer wird CDU-Vorsitzender, ist ja nun beantwortet. Wir leben in schwierigen Zeiten, jetzt erwarten die Menschen zurecht, dass wir die Pandemie bekämpfen. Auch andere Parteien wie die Grünen wissen noch nicht, wen sie als Spitzenkandidat oder als Spitzenkandidatin nominieren.

"Wir haben noch Zeit, die Wahl ist erst im Herbst."
Dorothee Bär über den Kanzlerkandidaten der Union
Egal, wer letztlich der Kandidat ist, die Union braucht einen Koalitionspartner. Auffällig sind Markus Söders Avancen in Richtung der Grünen. Hat er Sie da an seiner Seite?

Bär: Ich habe schon immer gesagt, dass man nach der Wahl mit allen Parteien außer der AfD und der Linken sprechen muss. Die SPD hat leidvoll erfahren müssen, was passiert, wenn man, wie beim letzten Mal, eine Koalition ausschließt. Aber ich warne davor, einen Koalitionswahlkampf zu führen. Ich kämpfe für ein gutes persönliches Ergebnis im Wahlkreis und für möglichst viele Prozente für die CSU.

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