Haßfurt

Der Mobilfunk der Zukunft ruckelt noch im Landkreis Haßberge

Im Mobilfunk heißt 5G der Standard der Zukunft, der Deutschland einen großen Schritt in der Digitalisierung voranbringen soll. Aber wie sieht's damit im Landkreis Haßberge aus?
Wie gut ist die neue Mobilfunktechnologie 5G im Landkreis Haßberge verbreitet?
Foto: Wolfgang Sandler | Wie gut ist die neue Mobilfunktechnologie 5G im Landkreis Haßberge verbreitet?

Die nächste Stufe der digitalen Entwicklung zündet auch im Landkreis Haßberge. Das Zauberwort heißt "5G", obwohl ein richtiges Wort ist das ja gar nicht. Aber dafür ist es die neue - und zwar die fünfte - Generation im Mobilfunk. Seit September 2019 ist das 5G-Netz in Deutschland für die Kunden verfügbar. Und der Landkreis Haßberge ist dabei. Die Telekom hat dafür im vergangenen Jahr zwölf Standorte mit 5G erweitert. Insgesamt steht damit mehr Bandbreite zur Verfügung und der Empfang in den Gebäuden wird verbessert. Der magentafarbene Riese hat hier einen Vorsprung im Ausbau, Vodafone will im ersten Halbjahr 2021 zumindest teilweise nachziehen, Telefónica, der Betreiber von O2, hinkt hier noch etwas hinterher.

Telekom deckt rund 91 Prozent der Bevölkerung ab

Die Telekom betreibt im Landkreis Haßberge jetzt 29 Standorte, teilt das Unternehmen mit. Die Bevölkerungsabdeckung liegt bei rund 91 Prozent. Bis 2022 sollen weitere 16 Standorte hinzukommen. Zusätzlich sind im selben Zeitraum an 14 Standorten Erweiterungen mit LTE und 5G geplant. Die Standorte stehen in Ebern, Haßfurt, Knetzgau (3), Königsberg, Maroldsweisach (2), Oberaurach, Sand, Wonfurt und Zeil. Die Standorte in Knetzgau (2), Sand, Wonfurt und Zeil dienen zudem der Versorgung entlang der Autobahn. Der LTE-Ausbau ist deshalb so wichtig, weil alle LTE-Standorte im zukünftigen 5G-Netz genutzt werden.

Sieben Vodafone-Stationen bis Mitte 2021

Mitbewerber Vodafone wird die ersten sieben 5G-Stationen im Kreis innerhalb des ersten Halbjahres 2021 in Betrieb nehmen. Dies geschieht an Mobilfunk-Stationen in Maroldsweisach (3x), Rauhenebrach (2x), Burgpreppach und Ebern. An den weiteren 22 Vodafone-Standorten wird die 5G-Technologie ab dem Sommer 2021 umgerüstet. Mittelfristiges Ziel ist es, möglichst die gesamte Bevölkerung (also alle besiedelten Gebiete) an das 5G-Netz anzubinden, so Volker Petendorf, Konzernsprecher von Vodafone Deutschland, auf Anfrage dieser Redaktion.

Bestehende Infrastruktur wird aufgewertet

"Dabei wird Vodafone zunächst die bereits vorhandene Mobilfunk-Infrastruktur weitgehend mitnutzen und seine 5G-Antennen, wo immer es möglich ist, zunächst an den 29 bestehenden Mobilfunkstationen anbringen - zum Beispiel an Masten, Aussichtstürmen, Kirchtürmen sowie auf den Dächern von Rathäusern, Bürogebäuden und Wohnhäusern", erklärt Petendorf. Aus netzwerktechnischer Sicht sei 5G kein komplett neues Netz, sondern ein „add on“ zum vorhandenen Netz. Die bereits bestehenden 29 Mobilfunkstationen im Kreis Haßberge würden also nach und nach aufgewertet, indem dort zusätzlich 5G-Technologie installiert wird. Dieses geschehe Station für Station im Laufe der nächsten Jahre.

Drei Mobilfunkanbieter - Telekom, Vodafone, Telefónica / o2  - konkurrieren derzeit im Landkreis Haßberge um Kunden für ihre Mobilfunktechnologie 5G. Am besten ausgebaut ist bislang das Netz der Telekom. Von 1&1 Drillisch kommt - laut Informationsportal '4G.de' - frühestens 2022 ein viertes 5G-Netz dazu.
Foto: Wolfgang Sandler | Drei Mobilfunkanbieter - Telekom, Vodafone, Telefónica / o2  - konkurrieren derzeit im Landkreis Haßberge um Kunden für ihre Mobilfunktechnologie 5G. Am besten ausgebaut ist bislang das Netz der Telekom.

Telefónica / o2 hat sein 5G-Netz in den fünf größten deutschen Städten gestartet und seitdem in weiteren Metropolen ausgebaut. "In den kommenden Monaten werden wir 5G in immer mehr Städte und vor allem ländliche Regionen bringen, auch in Bayern", teilt Jörg Borm, der Sprecher von Telefónica Deutschland, auf Anfrage dieser Redaktion mit. "Telefónica Deutschland / o2 wird so bis Ende dieses Jahres mehr als 30 Prozent und bis Ende 2022 bereits etwa die Hälfte der deutschen Bevölkerung mit 5G versorgen."

Aktuelle Netze für die wichtigsten Anwendungen ausreichend

Der Sprecher von o2 weist ergänzend darauf hin, dass 5G zwar eine wichtige Zukunftstechnologie darstelle. "Sie bringt Deutschland einen großen Schritt in der Digitalisierung voran. Doch auch die aktuellen 4G-Netze (=LTE, die Red.) sind sehr leistungsfähig, deren Kapazitäten bieten reichlich Reserven und reichen für die von Millionen Kunden derzeit am stärksten genutzten Anwendungen auf Smartphones und Tablets aus."

"Kreative Köpfe werden künftig noch mehr Möglichkeiten vorfinden, um bei uns zu arbeiten -und zu leben."
Wilhelm Schneider, Landrat

Landrat Wilhelm Schneider sieht es mit Freude, "dass die marktführenden Netzbetreiber ihre Ausbaubemühungen bei uns im ländlichen Raum verstärken und selbst 5G in den Landkreis bringen. Sogar früher als erwartet. Damit wird neben bzw. in Kombination mit dem kabelgebundenen schnellen Internet der ländliche Raum als potenzieller Standort für die Kreativwirtschaft natürlich viel interessanter. Das heißt Homeoffices können noch leichter umgesetzt werden, kreative Köpfe werden künftig noch mehr Möglichkeiten vorfinden, um bei uns zu arbeiten -und zu leben".

Sendemast für den Mobilfunk-Standard 5G für Telefonie und Internet.
Foto: Soeren Stache | Sendemast für den Mobilfunk-Standard 5G für Telefonie und Internet.

Aber was ist 5G eigentlich genau? Zum einen handelt es sich dabei um eine neue Entwicklungsstufe im Mobilfunk. Sie wird vor allem die mobile Datenübertragung durch größere Kapazitäten innerhalb einer Mobilfunkzelle revolutionieren. Die Neuerung von 5G besteht jedoch nicht allein darin, dass Menschen zukünftig noch besser mobile Daten nutzen können. "5G deckt beim mobilen Internet alle Vorteile der mobilen Breitbandtechnologie LTE ab", so der Vodafone-Konzernsprecher, "das allerdings mit deutlich höherer Geschwindigkeit: Die Kunden können im Internet surfen und mobile Datendienste nutzen. So können sie zum Beispiel HD-Filme schnell downloaden, Videos in HD-Qualität genießen und große Events aus Sport und Kultur im Live-Stream verfolgen. Dabei liefert 5G jedoch höhere Geschwindigkeiten als LTE."

Ausbau kommt auch LTE-Geräten zugute

Von dem Ausbau im Landkreis Haßberge, so Markus Jodl, Pressesprecher der Deutschen Telekom, "profitieren auch LTE-Geräte, weil die Antenne  automatisch erkennt, ob sich ein 4G- oder 5G-Handy in seiner Zelle befindet, und versorgt es mit dem jeweiligen Mobilfunk-Standard". Flächendeckend werden also zunächst 4G und 5G-Netze gemeinsam, beziehungsweise parallel betrieben, so dass der Ausbau stufenweise erfolgen kann. Bis allerdings 5G in Deutschland vollständig nutzbar ist, müssten zunächst weitere Voraussetzungen geschaffen werden. Hier komme dem Glasfaserausbau besondere Bedeutung zu, denn ohne eine Anbindung der Mobilfunkstationen an das Glasfasernetz könnten die vielen Vorteile der neuen Technologie nur bedingt genutzt werden.

"Mit 5G kommen wir perspektivisch in der Echtzeit an."
Volker Petendorf, Konzernsprecher von Vodafone Deutschland

Wer 5G sagt, meint aber oft noch mehr als nur einfach ein schnelleres 4G. "5G wird perspektivisch Anwendungen wie zum Beispiel selbstfahrende Autos, die miteinander kommunizieren und sich gegenseitig vor Gefahren warnen, ermöglichen", blickt Vodafone-Sprecher Petendorf nach vorne. "5G kann eine Netzrevolution werden, die auch im Kreis Haßberge für zahlreiche Branchen und Industrien neue Produkte mit sich bringt und unseren Alltag in vielen Bereichen lebenswerter macht", erklärt der Vodafone-Mann ."Mit 5G kommen wir perspektivisch in der Echtzeit an. Diese erst macht beispielsweise autonomes Fahren möglich. Denn nur verzögerungsfreie Informationen ermöglichen eine Welt ohne Ampeln, Staus und Verkehrstote. Genauso auch bei der Telemedizin. Es werden Fernoperationen möglich sein, bei denen der Arzt gar nicht im Operationssaal anwesend sein muss. Mit 5G werden Dienste entstehen, die wir uns jetzt noch nicht ausmalen können – neben Automobilindustrie, Straßenverkehr und Gesundheitswesen auch in Bereichen wie Landwirtschaft, Bildung, Maschinenindustrie, Logistik, Schifffahrt und in vielen weiteren Branchen."

"Der Landkreis Haßberge sollte froh sein, dass er zu einem so frühen Zeitpunkt dabei ist."
Markus Jodl, Pressesprecher der Deutschen Telekom

Dass diese revolutionäre Ausbaustufe aber noch ein bisschen Zukunftsmusik bedeutet und derzeit erst versuchsweise in den großen Metropolen - stellenweise sogar in Bamberg - ausprobiert wird, weiß auch Telekom-Sprecher Jodel: "Wir stehen bei 5G noch ganz am Anfang der Entwicklung. Damit mit 5G in Zukunft Anwendungen wie autonomes Fahren möglich sind, müssen im Core-Netz noch Anpassungen vorgenommen werden.  Jetzt sollte der Landkreis Haßberge froh sein, dass er zu einem so frühen Zeitpunkt dabei ist."

"Weiße" Flecken im Landkreis Haßberge

Ganz dabei ist der Landkreis allerdings doch noch nicht. Denn auf der Netzabdeckungskarte der Telekom für den Landkreis Haßberge - so weit sind Vodafone und O2 ja noch nicht - gibt es durchaus ein paar völlig"weiße" Flecken, darunter die Gemeinden Riedbach, Aidhausen, Bundorf, Ermershausen, Kirchlauter, Breitbrunn und Stettfeld. Dazu Landrat Wilhelm Schneider: "Dass vor allem die Heiligen Länder, auch Teilräume im nördlichen Steigerwald, auf Grund ihrer Topologie nur mit viel Aufwand mit Mobilfunk generell versorgt werden können, liegt auf der Hand. Deswegen ist hier ein Lückenschluss eben um ein Vielfaches aufwändiger als zum Beispiel im Maintal oder im Raum Hofheim. Weil aber in den Heiligen Ländern eine Sprachverbindung möglich zu sein scheint, kommt eine staatliche Förderung derzeit nicht in Betracht. Das heißt die Versorgung dieser Gebiete kann nur durch eigenwirtschaftlichen Ausbau der Netzbetreiber erfolgen – sehr spät, wenn überhaupt. Allerdings will ich mich mit den Netzbetreibern und unseren Abgeordneten zusammensetzen und nach einer möglichst zeitnahen Lösung auch für diese Bereiche suchen."

Erschließung der Gemeinden im Landkreis Haßberge mit 5G

Aidhausen: nur sehr schwach erschlossen
Breitbrunn: kein 5G
Bundorf: kein 5G
Burgpreppach: nahezu komplett erschlossen
Ebelsbach: Kerngemeinde weitgehend, Gemeindeteile zum Teil erschlossen
Ebern: Kernstadt und Stadtteile nahezu komplett erschlossen
Eltmann: Kernstadt weitgehend, Stadtteile zum Teil erschlossen
Ermershausen: kein 5G, aber das Umland ist gut erschlossen
Gädheim: Gädheim zum Teil, Ottendorf nahezu komplett erschlossen
Haßfurt: Kernstadt weitgehend, Stadtteile kaum erschlossen
Hofheim: Kernstadt weitgehend, Stadtteile zum Teil erschlossen
Kirchlauter: kein 5G
Knetzgau: weitgehend erschlossen, Gemeindeteile zum Teil
Königsberg: Kernstadt und "Fränkische" weitgehend erschlossen, Stadtteile nahezu nicht
Maroldsweisach: nahezu komplett erschlossen
Oberaurach: weitgehend erschlossen (Unter- und Neuschleichach kaum)
Pfarrweisach: zum überwiegenden Teil erschlossen
Rauhenebrach: nahezu komplett erschlossen
Rentweinsdorf: zum Teil erschlossen
Riedbach: weitgehend nicht erschlossen
Sand: komplett erschlossen
Stettfeld: fast gar nicht erschlossen
Theres: teilweise erschlossen (Untertheres fast komplett)
Untermerzbach: Kerngemeinde größtenteils erschlossen, Gemeindeteile weitgehend
Wonfurt: nahezu komplett erschlossen
Zeil: Kernstadt und Ziegelanger komplett erschlossen, übrige Stadtteile zum Teil
Quelle: Netzkarte der Deutschen Telekom
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