Knetzgau

E-Bike-Training in Knetzgau: Mit Motor ist vieles anders

Ein spezielles Sicherheitsseminar gab es am Samstag auf dem Verkehrsübungsplatz. Dabei konnten auch Fahrer, die schon länger mit Motor unterwegs sind, noch etwas lernen.
Uwe Gräf (links) nahm am E-Bike-Fahrtraining teil. Beim Bremstraining bekam er nützliche Tipps von Bikestore-Inhaber Thilo Klinner.
Foto: René Ruprecht | Uwe Gräf (links) nahm am E-Bike-Fahrtraining teil. Beim Bremstraining bekam er nützliche Tipps von Bikestore-Inhaber Thilo Klinner.

Ein kostenfreies E-Bike/Pedelec-Fahrsicherheitstraining am Samstag auf dem Verkehrsübungsplatz in Knetzgau war mit zehn Teilnehmern ausgebucht. "Unser Appell ist klar: Die höhere Geschwindigkeit darf man keineswegs unterschätzen und das Tragen eines Fahrradhelmes ist unwahrscheinlich wichtig. Ein Sturz bei 25 km/h kann schwerwiegende Kopfverletzungen verursachen", so der Verkehrserzieher Matthias Krapf von der Haßfurter Polizei nach dem zweistündigen Sicherheitsseminar. Gefördert und veranstaltet wurde das Training von der Gesundheitsregion plus Landkreis Haßberge, "Aktionen im Herbst" des Gesundheitsministeriums, dem Bikestore Haßfurt und der Polizeiinspektion Haßfurt.

Mit zehn Teilnehmern war das Seminar ausgebucht.
Foto: René Ruprecht | Mit zehn Teilnehmern war das Seminar ausgebucht.

Krapfs Kollege Dominique Heim bewertet die Entwicklung der persönlichen Sicherheit mehr als positiv: "Die Erfahrungen auf dem Mainradweg und im Straßenverkehr beweisen, dass immer mehr E-Bike-Fahrer sehr gut ausgestattet unterwegs sind. Besonders das Tragen des Fahrradhelmes ohne Helmpflicht zeigt, dass die persönliche Sicherheit sehr groß geschrieben wird."

Kein Kauf im Internet

Der Beamte empfiehlt, ein motorisiertes Fahrrad nicht im Internet zu kaufen: "E-Bikes sind eine andere Liga als ein normales Fahrrad, das unterschätzen viele Menschen, egal ob jung oder alt. Natürlich ist es schnell online bestellt, aber eine fachkundige Beratung vor Ort ist mehr als sinnvoll. Einfach bestellen, draufsetzen und lösdüsen ist absolut nicht empfehlenswert", so der Verkehrsexperte.

Thilo Klinner, Inhaber des Bikestore Haßfurt, unterrichtete nach dem theoretischen Teil der Beamten den praktischen Part, unter anderem mit Slalom- und Kurvefahren sowie einem Bremstraining. Er und spricht aus Erfahrung: "Bei uns im Geschäft wird immer eine persönliche Übergabe gemacht, bei der wir auch auf die Eigenheiten und -schaften der jeweiligen E-Bikes eingehen. Aber das ist immer noch etwas theoretisches, nach den ersten zwei Wochen kommen dann die ersten Fragen, weil man mit der Realität auf der Straße konfrontiert wird."

Thilo Klinner erklärte den Teilnehmern, worauf sie bei mit dem E-Bike achten müssen.
Foto: René Ruprecht | Thilo Klinner erklärte den Teilnehmern, worauf sie bei mit dem E-Bike achten müssen.

Im Vorfeld könne man auf die Gewichtsverlagerung eingehen, aber erst in der Praxis merke der Radfahrer, dass eine andere Wucht dahintersteckt. "Durch das geringere Gewicht eines nicht motorisierendes Fahrrads kann man einen Fahrfehler leichter ausbügeln. Das schwere E-Bike macht sich dagegen schnell mal selbstständig." Mit Blick auf das Seminar meint er: "Heute konnte man auch klar beim Training sehen, dass die Teilnehmer von Übung zu Übung mehr Sicherheit auf dem E-Bike bekommen haben und dass es alle durch die Bank sehr gut umgesetzt haben."

Ein Geheimtipp für die größere Reichweite

Der ehemalige Pfarrer Volkmar Botsch aus Königsberg ist 72 Jahre alt und fährt seit gut zwei Jahren E-Bike. Das Bremstraining war für den Allrounder "zum normalen Fahrrad und Rennrad kein großer Unterschied." Mit dem E-Bike sind die gefahrenen Kilometer mit Hilfe des Tachos "überschaubar, nämlich genau 1493 Kilometer, mit dem Rennrad um einiges mehr", sagt er. "Den Elektroantriebe brauche ich nicht ständig. Ich bin es gewohnt, selber zu treten, inzwischen – altersmäßig – freue ich mich, wenn ich am Berg etwas Unterstützung habe. Es ist super, dass man den elektrischen Antrieb ein und ausschalten kann. Man hat zwar ein etwas schwereres Fahrrad, aber zum Glück sind die Scheibenbremsen besser als früher." Einen Geheimtipp hatte der Königsberger noch: "Die Reichweite lässt sich durch einen Fahrradträger am Auto mächtig erhöhen", so der ehemalige Pfarrer lachend.

Der ehemalige Pfarrer Volkmar Botsch aus Königsberg trägt beim Radfahren auffällige Farben: 'Sonst war schwarz meine Lieblingsfarbe. Aber jetzt steht die Sicherheit im Vordergrund.'
Foto: René Ruprecht | Der ehemalige Pfarrer Volkmar Botsch aus Königsberg trägt beim Radfahren auffällige Farben: "Sonst war schwarz meine Lieblingsfarbe. Aber jetzt steht die Sicherheit im Vordergrund."

Das zukünftige Ehepaar Elfriede Schneider (61) und Uwe Gräf (64) aus Gleisenau hat sich "coronabedingt" im August E-Bikes angeschafft. "Erstens ist der Urlaub flachgefallen, und zweitens wollten wir uns weiter als mit dem Spazierengehen bewegen. Aber auch nach zwei Monaten fehlt uns immer noch die volle Praxis, weil ein E-Bike schon eine andere Klasse ist", sagt Elfriede Schneider. "Ich bin ganz dankbar, dass wir dieses kompetente Sicherheitstraining miterleben durften, mit all den Tipps und Tricks, die goldwert sind. Solch ein Angebot ist total wichtig für den Straßenverkehr."

Ihr künftiger Ehemann dachte, wie viele E-Bike-Anfänger, "dass man einfach losfahren kann wie mit einem normalen Fahrrad. Aber es ist doch eine andere Nummer. Der Antrieb kommt manchmal in die Quere, wo man merkt: Hoppla, das Fahrrad fährt auch von alleine durch die eigen Pedalkraft." Die beiden Gleisenauer können solch ein Sicherheitstraining nur empfehlen. In zwei Wochen geht es aber dennoch mit einem Brautauto zur Trauung, und nicht mit einem motorisierenden Fahrrad.

Bremsen will gelernt sein

Auch Oswald Reis (70) aus Obertheres fand es "sehr interessant, obwohl ich schon einige Zeit Pedelec fahre". Es gebe doch immer Bedarf, die Verkehrsregeln zu verstehen, und die hätten die beiden Polizisten am Samstag gut erklärt. Außerdem finde er gut, dass er Hinweise bekommen habe, wie man sich noch weiter informieren kann. "Die Verkehrsvielfalt und die Regeln sind schon ganz schön kompliziert für uns Radfahrer", meint Reis. "Und das praktische Training war natürlich auch super, da merkt man sehr schnell, wie viel man kann oder nicht kann. Bei der Bremsprobe habe ich noch viel Bedarf dazuzulernen, beide Bremsen richtig zu benutzen, ohne dass die Räder blockieren und das Fahrrad sich hochstellt."

Oswald Reis fährt schon länger Pedelec, trotzdem gab es auch für ihn beim Sicherheitstraining noch einiges zu lernen.
Foto: René Ruprecht | Oswald Reis fährt schon länger Pedelec, trotzdem gab es auch für ihn beim Sicherheitstraining noch einiges zu lernen.

Mit der Unterstützung des Motors komme ein Radfahrer schneller in die Situation, dass er es nicht mehr ganz unter Kontrolle hat - gerade beim Slalom. "Da braucht man viel Übung und natürlich Vorsicht. Ein E-Bike ist doch anders, weil es viel mehr Dynamik entwickelt."

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