Knetzgau

Ein  Pumptrack für Sport und Abenteuer 

Endlich mal was für Jugendliche tun: Das will die Gemeinde Knetzgau. Beim geplanten Bau einer Skater- und Bikeranlage ist daher die Expertise der Heranwachsenden gefragt.
Hier sind Mut, Geschicklichkeit und Konzentration gefragt: Herausforderungen wie in diesem Skaterpark in Würzburg dürfen in absehbarer Zeit auch Jugendliche in Knetzgau meistern.  
Foto: Thomas Obermeier | Hier sind Mut, Geschicklichkeit und Konzentration gefragt: Herausforderungen wie in diesem Skaterpark in Würzburg dürfen in absehbarer Zeit auch Jugendliche in Knetzgau meistern.  

Das Geld für eine Umzäunung sollte man sich lieber sparen und in eine Halfpipe, in Rampen oder Bowls stecken, findet Oskar Engbert. Der 13-Jährige aus Oberschwappach und sein drei Jahre älterer Bruder Pascal sind erste Ansprechpartner für das Knetzgauer Rathaus, wenn es um ein geplantes Großprojekt für die Jugend geht: Bürgermeister Stefan Paulus und Thomas Zettelmeier, der gemeindliche Beauftragte für Familien, Senioren und die Jugend, wollen auf Gemeindegebiet eine große Skater- und Bikeranlage bauen. Dazu brauchen sie jugendliche Expertise. Am Mittwoch diskutierte das Quartett im Rathaus über diverse Ideen.

Anziehungskraft für ganzen Landkreis

"Es ist allerhöchste Zeit, dass wir etwas für die 15- bis 25-Jährigen tun", meinte da Bürgermeister Paulus. Die Lokalpolitik auf dem Lande habe in der Vergangenheit den Fokus auf Kinderbetreuung und die Belange von Senioren gerichtet und die Jugend dabei aus den Augen verloren. Knetzgau wolle nun ein Zeichen gegen diese Vernachlässigung setzen und einen Sportpark für Skateboarder, Inlineskater Scooter-, BMX- und Mountainbike-Fahrer mit Strahlkraft für den ganzen Landkreis errichten. "Wir wollen richtig klotzen", versprach das Gemeindeoberhaupt. Alibi-Holzrampen, wie sie anderswo lieblos herum stünden, könne man sich schenken.

Seine  jungen Berater Oskar und Pascal sind fest davon überzeugt,  dass ein Skater- und Bikerpark in Knetzgau auf großes Echo stoßen wird. Die Brüder selbst sind mit Stuntscootern auf Spines, Boxen oder Curbs unterwegs, mit Tretrollern, die stabil genug sind, um die verwegenste Akrobatik zu überstehen. Sie wissen aber, dass nicht nur sie, sondern auch alle Skateboarder oder BMX-Radfahrer der Umgebung weite Strecken auf sich nehmen müssen, um zu einer halbwegs vernünftigen Sportanlage zu kommen. Die Haßfurter Rampen seien zu mickrig, die nächsten größeren Skaterparks liegen in Bamberg und Schweinfurt. Da käme ein Pumptrack, ein richtiger Rundkurs mit Wellen, Steilwandkurven und Sprüngen, in Knetzgau gerade recht.

Hoffen auf Fördermittel aus LEADER

Im März hatten Paulus und Zettelmeier  erstmals junge Knetzgauer eingeladen, um Vorschläge für ein Jugendprojekt einzuholen. Schnell habe sich gezeigt, dass eine Anlage für Biker und Skater das Objekt der Begierde schlechthin war. Dass es der Gemeinde ernst mit dem Wunsch ist, beweist die Tatsache, dass sie in ihren Haushalt für kommendes Jahr 150.000 Euro für das Projekt eingestellt hat. Grob überschlagen rechnet der Bürgermeister mit Gesamtkosten von 400.000 Euro. Er setzt auf eine Förderung durch Leader, aus Töpfen der Europäischen Union also, die für die Entwicklung ländlicher Räume ausgeschüttet werden. Bis zu 200.000 Euro könnten das werden, hofft man im Rathaus. Dass die Hauptkriterien zur Unterstützung erfüllt sind, nämlich eine von der Gemeinde selbst angestoßene Initiative und eine überörtliche Strahlkraft, habe die Lokale Aktionsgruppe (LAG) Haßberge als Träger des Leader-Prozesses in der Region schon signalisiert.

Erst wenn die Leader-Mittel sicher sind, wird sich die Gemeinde an die eigentliche Ausgestaltung des Skate- und Bikeparks machen und dazu Angebote von Planungsbüros einholen.  Das soll bis zum Frühjahr geschehen. "Dann müsst ihr alle Biker, Skater, Rollerfahrer, BMX- und Mountainbike-Fahrer zusammentrommeln", sagte Bürgermeister Paulus am Mittwoch zu Oskar und Pascal Engbert und machte damit klar, dass ohne die Heranwachsenden auch in der heißen Planungsphase nichts läuft. Sie sollen nicht nur über Hindernisse oder Beläge mitreden, sondern auch darüber, wie sich die unterschiedlichen Interessen in Einklang bringen lassen.  Ein Mountainbiker hat andere Vorstellungen von einer Skate- und Bikeanlage als jemand, der sie mit dem Stuntscooter befährt. Dass sich die einen eher einen unbefestigten Pumptrack wünschen, die anderen einen aus Beton, ist nur einen von vielen Punkten, die geklärt sein wollen.  

Standortfrage ist geklärt

Eines indes steht schon fest: der Standort der Anlage. Die Gemeinde hat hierzu ein Grundstück  im Gewerbegebiet zwischen dem Edeka-Markt und dem Unternehmen Maincor auserkoren. Bürgermeister Paulus entschuldigt sich fast dafür, dass es mit dem Umfeld der Franz-Hofmann-Halle nichts wird, welches bisher abenteuerlustige Kinder und Jugendliche anzieht: Weil noch nicht gewiss sei, ob und in welcher Form hier das Maininformationszentrum (MIZ) entstehen wird.  Immerhin sei der gewählte Platz ja von den Ortsteilen her gut erreichbar, auch mit dem Fahrrad, findet Paulus. Oskar und Pascal hingegen ist die Lage draußen an der Mainleite gerade recht. "Das ist doch viel praktischer: Hier stört sich niemand am Lärm, da können wir abends viel länger fahren. Und wenn wir Hunger haben, können wir uns etwas zum Essen kaufen", blicken die Brüder nach vorne. Die Brüder versprechen, sich um die Anlage zu kümmern, sie vor Vermüllung und Vandalismus zu schützen. "Aber wir können ja nicht immer aufpassen, da müssen wir noch andere Lösungen finden", machten sie am Mittwoch klar, dass es ihnen mit dem Skater- und Bikerpark mindestens genauso ernst ist wie dem Rathaus.

Hier will die Gemeinde Knetzgau den Skater- und Bikerpark errichten, der Jugendliche aus dem ganzen Landkreis anziehen soll: Auf dem Acker zwischen dem Edeka-Markt (nicht im Bild) und Maincor (links).
Foto: Martin Sage | Hier will die Gemeinde Knetzgau den Skater- und Bikerpark errichten, der Jugendliche aus dem ganzen Landkreis anziehen soll: Auf dem Acker zwischen dem Edeka-Markt (nicht im Bild) und Maincor (links).
Gespräch auf Augenhöhe (von links): Die Brüder Oskar und Pascal Engbert beraten den Familien- und Jugendbeauftragten Thomas Zettelmeier und Bürgermeister Stefan Paulus in Sachen Skaterpark.
Foto: Martin Sage | Gespräch auf Augenhöhe (von links): Die Brüder Oskar und Pascal Engbert beraten den Familien- und Jugendbeauftragten Thomas Zettelmeier und Bürgermeister Stefan Paulus in Sachen Skaterpark.
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