Haßfurt

Fränkisch versteht die NSA nicht

Tobias Steppan
| Tobias Steppan

Papstwahl, Jahrhundertflut, Abhörskandal, „Groko“, „Triple“, neues Tierheim im Landkreis, die anhaltende Diskussion um den Nationalpark Steigerwald, Windpark WK 88 und vieles mehr. Keine Frage: Auch 2013 hatte wieder allerhand Diskussionsstoff zu bieten. Positiven ebenso wie Negativen. Auf lokaler oder überregionaler Ebene. Wichtigen und belanglosen. Die Menschen in den Haßbergen, im Maintal und im Steigerwald hatten jedenfalls wieder viel zum Nachdenken und zum Bilden eigener Meinungen.

Elfriede Storch aus Hainert war mit dem abgelaufenen Jahr und seinen vielen Ereignissen und Themen „im Großen und Ganzen“ zufrieden. Sorgen bereiten der Kinderpflegerin aber weniger die viel diskutierten Themen. Sie machte sich vor allem Gedanken über den Zustand mancher Vereine, gerade in den kleineren Gemeinden und Dörfern. „Viele sind leider vom Aussterben bedroht“, zeigt sich die 58-Jährige enttäuscht über die fortschreitende Negativentwicklung. Für sie liegt das Dilemma aber nicht am schlechten Willen oder an der Gleichgültigkeit der Leute. „Ich glaube einfach, dass die meisten beruflich bedingt, etwa durch Schichtarbeit oder flexible Arbeitszeiten, auch am Wochenende, sowie durch zu viel Zeitdruck überlastet sind.“ Regelmäßige Termine wie Chorproben oder Training seien deshalb oftmals nicht mehr möglich. Deshalb richtet sie auch ganz gezielt einen Wunsch an die Politik: „Sie sollen sich wirklich ernsthaft mit diesem Thema beschäftigen.“ Storch meint damit auch die langen und flexiblen Öffnungszeiten. „Ich weiß nicht, ob der Umsatz tatsächlich so viel größer ist, wenn Geschäfte, gerade in der Stadt, teilweise bis Mitternacht oder sogar länger geöffnet sind. Die Menschen können doch nur das ausgeben, was sie haben.“ Sie hält die Arbeitszeiten gerade für Mütter „keinesfalls ideal“ und „so extrem, dass die Familie darunter leidet.“

Auch die Themen „Leiharbeit“ und „befristete Arbeitsverhältnisse“ schwirren Elfriede Storch immer wieder im Kopf herum. „Die jungen Leute sollten lieber gleich einen Dauerarbeitsplatz erhalten.“ Sie hält es für einen krassen Widerspruch, dass einerseits über Geburtenmangel geklagt wird und auf der anderen Seite mehr Familien gegründet werden sollen. „Mit dieser Arbeitsplatzpolitik wird den Jungen doch die Perspektive genommen, frühzeitig eine Familie zu planen, weil sie eben keine festen Arbeitsplätze und somit keine wirkliche Sicherheit haben.“ Gerade diejenigen, die sich Gedanken um ihre Zukunft machen, würden auf diesen Punkt „sehr großen Wert“ legen. „Die werden doch bestraft, weil sie eine Familie wollen, aber aus finanzieller Unsicherheit nicht können.“ Geldleistungen, wie etwa das umstrittene Betreuungsfeld, bezeichnet sie als „nicht wichtig. Ausschlaggebend ist eine sichere Zukunft, wenn es jemand wirklich ernst meint. Die Leute wollen sich selbst versorgen können. 100 Euro vom Staat nutzen da nicht viel.“ Ob 2014 wenigstens einige ihrer „Wünsche“ das richtige Gehör finden?

Ihr Gesamturteil ist durchwachsen. „Wir hatten alle einen Job und sind gesund geblieben. Das war sehr positiv. Ich wünsche mir auch für 2014 Gesundheit und Zufriedenheit.“

Was hat die Bürger im Landkreis sonst noch bewegt? Einige andere Stimmen:

Ulrike Großkunze-Vogel (51) aus Augsfeld: „Mir gefällt sehr gut, dass es endlich den Mindestlohn von 8,50 Euro geben soll, auch wenn dies flächendeckend erst ab 2017 gelten soll. Als Eishockeyanhängerin fand ich den Aufstieg des ESC Haßfurt in die Bayernliga toll. Ich wünsche mir sehr, dass die Mannschaft den Klassenerhalt schafft, auch wenn es derzeit nicht gut ausschaut.“ Insgesamt war das Jahr für sie in Ordnung.

Manfred Licha (67) aus Haßfurt: „Die Entscheidung mit der Mütterrente ist in Ordnung. Ich erhoffe mir für 2014, dass so schnell wie möglich ein Tierheim gebaut wird. Es passiert ja nichts. Das Landratsamt soll jetzt endlich aktiv werden. Schön ist auch, dass es beim FC Haßfurt wieder aufwärts geht. Das gefällt mir sehr gut.“ Er bezeichnete das Jahr als durchwachsen.

Niklas May (11) aus Haßfurt: „Ich hoffe natürlich, dass ich mit meiner Fußballmannschaft beim TV nicht absteige. In der Schule bin ich mittelmäßig, es wäre schön, wenn das ein bisschen besser werden würde. Das wünsche ich mir für 2014.“ Für ihn verlief 2013 positiv.

Karin Durst (50) aus Knetzgau: „2013 war für mich der selbstlose Einsatz der vielen Bürger, die den Menschen in den Überschwemmungsgebieten buchstäblich unter die Arme gegriffen haben, sehr beeindruckend. Bedrückend dagegen empfand ich die offensichtliche Verschwendung von Steuergeldern bei utopisch hohen Kosten verschiedener Bauwerke. Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass die Verantwortlichen ein höheres Pflichtbewusstsein im Umgang mit der Natur und den verfügbaren finanziellen Mitteln an den Tag legen und diese besser auf die Bedürfnisse der allgemeinen Bevölkerung ausrichten und sinnvoller einsetzen. Persönlich steht für mich der Wunsch, gesund zu bleiben und mehr Zeit mit der Familie und den Freunden verbringen zu können, an erste Stelle.“ Ihr Daumen geht nach oben.

Bettina Surkamp (35) aus Eltmann: „Mein persönliches Highlight des Jahres 2013 ist der Wiedereinstieg in das Berufsleben. Da ich mich in den vergangenen Jahren vornehmlich meiner Familie und dem Studium gewidmet habe, kann ich mich nun in einer verantwortungsvollen Aufgabe verwirklichen. Bei der Vereinbarkeit meines Berufs- und Familienlebens hilft mir dabei zum einen die sehr gute Infrastruktur und Kinderbetreuung in Eltmann und zum anderen die Tatsache, dass wir gemeinsam mit unserer Oma in einem Haus leben und uns jederzeit gegenseitig unterstützen.“ Sie war mit dem Jahr hochzufrieden.

Jasmin Schalk (16) aus Obertheres: „Gut war an dem Jahr, dass in Obertheres dank des neuen Bürgermeisters viele Jugendliche mitreden konnten und dass ein Jugendraum errichtet wurde, den die Jugendlichen selbst mit aufbauen und gestalten. Ich wünsche mir, dass es 2014 genauso läuft und dass sich andere Gemeinden vielleicht auch daran ein Beispiel nehmen. Es soll so weitergehen, dass im Landkreis die Jugend mehr mitreden kann.“ Sie war jedenfalls sehr zufrieden.

Alexandra Mahr (42) aus Sand: „Ich als Verkäuferin in einer Bäckerei finde es sehr bedenklich, dass immer mehr große Betriebe die kleinen aufkaufen und sprichwörtlich ,schlucken’. Das hat mich 2013 schon sehr nachdenklich gemacht. Ich bin der Meinung, dass wir auch die kleinen Handwerksbetriebe brauchen. Viele werden sie wahrscheinlich aber erst dann vermissen, wenn es sie nicht mehr gibt. Für 2014 wünsche ich mir, dass die Regierung ihr Wort hält, die Steuern nicht zu erhöhen. Es wäre sicher nicht das Schlechteste gewesen, wenn die Besserverdienenden etwas mehr zum Allgemeinwohl beitragen würden. Ich denke, einem Wohlhabenden fällt es leichter, ein paar Euro mehr zu zahlen, als einem Gehringverdiener. Außerdem sollte eine Umweltkonferenz endlich Fakten liefern und das ewige Diskutieren lassen. So ist es deprimierend. Ich wünsche mir einfach eine bessere Welt.“ Für sie war 21013 durchschnittlich.

Sebastian Noll (28) aus Zeil: „Als Bayernfan fand ich natürlich die ,Triple-Saison’ hervorragend. Positiv überrascht hat mich auch die Bundestagswahl. Ich habe eigentlich nicht damit gerechnet, dass die CDU/CSU so weit vorne liegt. Mit der schwarz-roten Regierung habe ich dann schon gerechnet. Persönlich war das Jahr in Ordnung, nicht zuletzt durch den Heiratsantrag, den ich meiner Freundin gestellt habe. Also 2014 steht dann ein größeres Fest an. Ich wünsche mir Gesundheit und weitere positive Ereignisse.“ Für ihn geht der Daumen ganz klar nach oben.

Holger Endres (41) aus Humprechtshausen: „Endlich wurde der Bau des Kreisverkehrs in Hofheim begonnen und damit ein Knotenpunkt entschärft. Für die Verkehrsberuhigung ein ganz großer Vorteil. Zufrieden mit Rot-Schwarz kann man wohl nicht sein. Man muss es halt so hinnehmen, wie es derzeit ist. Ich persönlich hoffe auf Gesundheit und dass die Unruhen auf aller Welt beendet werden.“ Er bezeichnet 2013 als durchwachsen.

Lisa Gollbach (18) aus Hofheim: „Die Klimakonferenz in Polen hat mir gar nicht gefallen. Da ist leider wieder nichts herausgekommen. Man sieht es ja leider an verschiedenen Naturkatastrophen wie etwa auf den Philippinen, dass sich nichts ändert und passiert. Gerade aber dies sollte den Menschen doch sehr wichtig sein. Ich finde es schade, dass nichts passiert. Dafür wird Geld ausgegeben für Dinge, die ich für sinnlos halte. Sehr gut fand ich, dass sich beim Jugendrotkreuz viel entwickelt hat und ich eine Jugendgruppe eröffnen viel bewegen konnte. Ich wünsche mir, dass es noch weiter vorangeht und wir noch viel Zuwachs bekommen.“ Insgesamt stellt sie 2013 ein mittelprächtiges Zeugnis aus.

Bastian Schubert (11) aus Königsberg: „Ein Höhepunkt war mein Eishockeysportcamp in Marienbad, was einfach ganz toll war. Ich würde es nächstes Jahr ganz gerne wieder machen. Das ist mein großer Wunsch. 2013 war für mich ein gutes Jahr. Es hat mir alles gefallen. Ich wünsche mir für 2014 das gleiche Jahr wieder.“ Ganz klar: Seine Gesamtnote ist eine glatte 1.

Susanne Zweier (49) aus Trossenfurt: „Sehr beeindruckt war ich 2013 von der Zivilcourage des Edward Snowden. Ich würde mir wünschen, dass Frau Merkel ihm doch Asyl gewährt. Auch wenn sie damit dem großen Bruder USA ein bisschen ärgert. Ich fände es jedenfalls gut. Privat hat sich mein Mann selbstständig gemacht, was natürlich ein Abenteuer ist. Es ist aber recht gut angelaufen. Ich hoffe natürlich, dass es sich weiterhin gut entwickelt. Das Internet in Trossenfurt ist noch sehr lahm. Da würde ich mir schon etwas Beschleunigung wünschen. Meine Tochter beginnt 2014 ihr Studium, mein Sohn macht Gesellenprüfung. Es soll sich alles gut entwickeln, dann wäre ich glücklich.“ Für sie war 2013 zufriedenstellend.

Tobias Steppan (28) aus Stettfeld: „Als Berufssoldat und somit Angestellter der Bundeswehr hat mich zum einen mein Auslandseinsatz im Kosovo bewegt. Es war mein erster Einsatz. Und genau während meines Aufenthaltes ist mein Sohn zur Welt gekommen. Mir wurde es deshalb genehmigt, zwei Wochen nach Hause zu meiner Frau und meinem Baby zu fahren. Ich habe gemerkt, dass mein Dienstherr hinter den Soldaten steht, was ich wirklich klasse fand. Die Rückkehr in den Kosovo war dann natürlich etwas schwierig. Aber ich habe gewusst, dass der Auftrag im Kosovo wichtig war und ist, auch wenn dem viele kritisch gegenüberstehen. Jetzt habe ich erst einmal Elternzeit bis zum 20. Januar. Ich war in Ellwangen stationiert und mein Verband wird jetzt aufgelöst. Vielleicht komme ich ja wieder etwas näher an meinen Heimatort Stettfeld und vor allem an meine Familie heran. Es war für mich insgesamt sehr spannend, mit vielen Höhen, aber auch einigen Tiefen.“ Aufgrund der Geburt seines Sohnes geht der Daumen „ganz klar“ nach oben.

Daniela Beck (41) aus Ebelsbach: „Für den SV Ebelsbach, in dem ich Übungsleiterin bin, war es ein gelungenes Jubiläumsjahr. Wir hatten verschiedene Veranstaltungen wie Gymnastiktreff, Sport und Spielfest, Seniorengymnastiktreff und einen Ehrenabend. Und alle sind aufgrund der guten Zusammenarbeit aller Abteilungen sehr gelungen. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Privat und beruflich läuft es auch sehr gut und somit war es für mich ein angenehmes und entspanntes Jahr 2013. 2014 kann ruhig so weitergehen.“ Ihr Gesamturteil fällt demnach äußerst positiv aus.

Michael Markert (32) aus Steinbach: „Ohne ins Detail zu gehen: manche Leute sollten sich erst einmal Gedanken machen darüber, warum und vor allem was sie über andere Leute hinter deren Rücken reden und Gerüchte verbreiten. Der Abhörskandal war erschreckend. Man konnte sich zwar so etwas denken, dass es aber soweit geht, dass sogar die Kanzlerin belauscht wird, ist bedenklich. Mich berührt es nicht. Was wollen die bei mir abhören? Fränkisch verstehen sie eh nicht.“ Er wünscht sich ein ähnliches 2014 zeigt mit dem Daumen nach oben.

Susanne Zweier
| Susanne Zweier
Sebastian Noll
| Sebastian Noll
Niklas May
| Niklas May
Michael Markert
| Michael Markert
Manfred Licha
| Manfred Licha
Lisa Gollbach
| Lisa Gollbach
Karin Durst
| Karin Durst
Jasmin Schalk
| Jasmin Schalk
Holger Endres
| Holger Endres
Elfriede Storch
| Elfriede Storch
Daniela Beck
| Daniela Beck
Bettina Suhrkamp
| Bettina Suhrkamp
Bastian Schubert
| Bastian Schubert
Alexandra Mahr
| Alexandra Mahr
Ulrike Großkunze-Vogel
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