Haßfurt

Geldstrafe und Schmerzensgeld für Faustschlag vor der Disco

Nach einer Schreierei ging es handgreiflich zu. Ein 23-Jährige schlug dabei so fest zu, dass das Opfer einen bleibenden Schaden davontrug. Vor Gericht blieb vieles im Dunklen.
Weil er einem 25-Jährigen einen Faustschlag ins Gesicht versetze, stand ein 23 Jahre alter Mann nun vor dem Amtsgericht Haßfurt. 
Foto: Ivana Biscan | Weil er einem 25-Jährigen einen Faustschlag ins Gesicht versetze, stand ein 23 Jahre alter Mann nun vor dem Amtsgericht Haßfurt. 

Beim Amtsgericht in Haßfurt ging es jüngst um eine Körperverletzung. Tatort war eine Diskothek im nördlichen Haßbergkreis. In stark alkoholisiertem Zustand hatte ein Maler (23) einem anderen Gast einen Faustschlag ins Gesicht versetzt. Das bereits rechtskräftig gewordene Urteil kommt dem Angeklagten teuer zu stehen: Er wurde zu einer Geldstrafe von 3500 und zu Schmerzensgeld von 1150 Euro verurteilt, zusätzlich muss er sämtliche Gerichts- und Anwaltskosten bezahlen.

Bei dem Prozess ging es darum, was am 1. Dezember 2019 um 3.45 Uhr vor sich ging. Alle Zeugen berichteten von einer lautstarken Schreierei zwischen zwei Männern. An den Auslöser konnte sich vor Gericht keiner der Beteiligten erinnern.

Der Angeklagte räumte seine Tat ein

Von  Strafrichterin Kerstin Leitsch befragt, gab der Beschuldigte zu, seinem Kontrahenten, einem 25-jährigen Ingenieur, mit der Faust ins Gesicht geschlagen zu haben. Die zentrale Frage in der Verhandlung drehte sich allerdings darum, ob es sich dabei um vorsätzliche oder gefährliche Körperverletzung handelte.

Was für juristische Laien ähnlich klingt, macht nach deutschem Strafrecht einen Riesenunterschied. Vereinfachend gesagt, liegt eine "normale" vorsätzliche Körperverletzung immer dann vor, wenn jemand einen anderen mit Händen, Füßen oder der Faust körperlich misshandelt oder dessen Gesundheit schädigt. Dabei kommt es meistens zu sichtbaren, äußeren Verletzungen wie etwa Wunden, Kratzern, Blutergüssen oder gebrochenen Knochen. Eine gefährliche Körperverletzung nehmen die Juristen dann an, wenn die Verletzung durch eine Waffe oder ein Werkzeug herbeigeführt wurde. Während eine einfache Körperverletzung auch mit einer Geldstrafe geahndet werden kann, kommt bei einer gefährlichen Körperverletzung nur eine Freiheitsstrafe in Betracht.

Bleibender Schaden nach der Attacke

Im vorliegenden Fall wurde der Geschlagene vom Rettungsdienst in das nahe gelegene Krankenhaus in Ebern eingeliefert. Dort wurde eine etwa drei Zentimeter lange Platzwunde auf dem Kopf genäht. An dieser Stelle bildete sich eine Narbe und es wachsen hier keine Haare mehr nach. Der behandelnde Arzt schrieb in seinem Attest, dass die vorliegende Kopfverletzung keinesfalls nur die Folge eines bloßen Faustschlags sein könne, sondern entweder durch einen stumpfen Gegenstand oder durch einen Sturz entstanden sein müsse.

Ein vom Gericht nachträglich in Auftrag gegebenes rechtsmedizinisches Gutachten der Universität Würzburg bestätigte die Auffassung des Klinikarztes. Deshalb stand während der zweistündigen Verhandlung der Verdacht im Raum, dass der Maler vielleicht einen Stein, ein Feuerzeug oder ähnliches in der Faust gehalten haben könnte.

Das Opfer hatte 2,9 Promille

Doch keiner der drei Zeugen und auch das Opfer, das damals einen Wert von 2,9 Promille Alkohol im Blut hatte, konnten sich an einen Gegenstand in der Hand des Beschuldigten erinnern. Und der damals vor Ort eingesetzte Polizist erklärte, dass er nach dem Vorfall an den Tatort zurückgefahren sei, um nach verwertbaren Spuren zu suchen. Dabei habe er jedoch nichts finden können.

Wichtig für das Strafmaß ist in solchen Fällen stets das, was im Bundeszentralregister als Vorstrafe vermerkt ist. In dieser Hinsicht gab es nur einen Eintrag aus dem Jahr 2015 wegen Verstosses gegen das Waffengesetz. Dies fiel nicht weiter ins Gewicht.

Im Gegensatz zur Anklageschrift plädierte auch der Staatsanwalt nach Abschluss der Beweisaufnahme "nur" auf eine einfache Körperverletzung. Er forderte eine Geldstrafe von 4500 Euro. Der von allen Beteiligten akzeptierte Richterspruch lautete auf 70 Tagessätze zu je 50 Euro, was die bereits genannten 3500 Euro ergibt.

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