Hofheim

Hofheim: Alexander Sperling aus Sibirien ist es noch viel zu warm

Mit dem Schneemann per Du: Für Alexander Sperling waren winterliche minus 50 Grad Celsius nichts Ungewöhnliches. Und auch mehrere Meter hoher Schnee nicht.
Der Hofheimer Alexander Sperling stammt aus Sibirien und liebt den Schnee.
Foto: Martin Schweiger | Der Hofheimer Alexander Sperling stammt aus Sibirien und liebt den Schnee.

Mit dem Schneemann per Du – Hofheimer Alexander Sperling stammt aus Sibirien und freut sich über die Minusgrade

Der Winter hat Deutschland fest im Griff. Manch ein kälteempfindlicher Zeitgenosse stöhnt derzeit, weil sein Zug nicht fährt, das Auto nicht anspringt, er den Gehsteig von 20 Zentimeter hohem Schnee befreien muss und dabei bei Minustemperaturen von 15 Grad bibbern muss. Darüber kann Alexander Sperling aus Hofheim nur schmunzeln.

"15 Grad minus ist warm", meint er und lacht dabei. Der 69-Jährige stammt aus der Stadt Yurga in Sibirien, 150 Kilometer östlich der Stadt Novosibirsk in Russland, und hat schon ganz andere Winterkapriolen erlebt. In seiner ehemaligen Heimat sind Temperaturen bis zu minus 50 Grad nichts Ungewöhnliches im Winter. "Manchmal, wenn ich früh zur Arbeit wollte, bin ich nicht zur Haustür raus gekommen, weil ich eingeschneit war. Dann musste ich auf den Räumdienst warten, der uns freigeschaufelt hat", erzählt der ehemalige Bauleiter. Bis zu fünf Meter hoch türmten sich die Schneemassen auf und die Gehwege glichen Schützengräben.

"Als Kinder sind wir von den Hausdächern in den Schnee gesprungen und sind bis zur Brust eingesunken. Und darunter war noch mehr Schnee" erinnert er sich. Schnee lag von Oktober bis in den Mai hinein. Trotzdem wurde den ganzen Winter hindurch bis zu einer Außentemperatur von minus 40 Grad auf dem Bau gearbeitet. Auch Baugruben wurden ausgehoben. Dafür gab es eine Spezialkohle, die die Hitze nach unten abgibt. Nach drei Tagen war der Boden aufgetaut und konnte ausgegraben werden. In den Zement wurde ein Spezialsalz beigemischt, sodass dieser nicht auffrieren konnte.

Im Auto eingeschneit, bis das Militär kam

Rutschpartien mit dem Auto waren im Winter vorprogrammiert. Die Straßen wurden nicht vom Schnee geräumt. Der Schnee wurde nur festgefahren. Winterreifen gab es nicht zu kaufen und die Sommerreifen waren meist abgefahren. Sperling erinnert sich an eine Fahrt mit seinem Vater in die Stadt Kemerowo. Im Schneesturm blieb das Auto stecken. Nach einer halben Stunde hatte sich bereits ein Meter hoch Schnee angehäuft. Glücklicherweise kamen Soldaten zu Hilfe und zogen den Wagen auf sicheres Terrain.

Wintersport ist Pflichtprogramm an den Schulen

Trotz der vielen Widrigkeiten – die Russen lieben den Winter. Am Wochenende fahren viele Familien in den nahegelegenen Wald, um mit Skifahren den ganzen Tag im Freien zu verbringen, bei Temperaturen, die ein Mitteleuropäer wohl nicht mal seinem Hund zumuten würde. Für die Kinder werden in der 100 000-Einwohner-Stadt Yurga im Winter Eislaufbahnen angelegt, wo sie Eishockey spielen oder Schlittschuh fahren können. Alle Schulen haben Langlaufski vorrätig – Wintersport ist Pflichtprogramm.

Zur Zeit habe es in seiner alten Heimat nur "warme" minus fünf Grad – so Sperling. Aber es sei auch schon 45 Grad unter Null kalt gewesen. Wobei sich minus 25 Grad in Russland wie minus zehn Grad in Deutschland anfühlten, meint er. Das liege an der trockenen, sibirischen Luft. 

 'Als Kinder sind wir von den Hausdächern in den Schnee gesprungen und sind bis zur Brust eingesunken. Und darunter war noch mehr Schnee.' Alexander Sperling erzählt von seiner Kindheit in Sibirien.
Foto: Martin Schweiger |  "Als Kinder sind wir von den Hausdächern in den Schnee gesprungen und sind bis zur Brust eingesunken. Und darunter war noch mehr Schnee." Alexander Sperling erzählt von seiner Kindheit in Sibirien.
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