Haßfurt

Kommentar: Warum Corona die Pflege von Angehörigen beflügelt

Gibt es im Landkreis Haßberge zu viel Impfdrängelei? Wie sollen zum Beispiel die Impfzentren überprüfen, ob jemand wirklich als Pfleger oder Retter unabkömmlich ist?
Corona-Impfungen: Manche Bürger sind schon am Ziel, sprich geimpft - oder haben zumindest ihre Termine. Manche müssen noch warten, obwohl sie so gerne an der Reihe wären.
Foto: Martin Sage | Corona-Impfungen: Manche Bürger sind schon am Ziel, sprich geimpft - oder haben zumindest ihre Termine. Manche müssen noch warten, obwohl sie so gerne an der Reihe wären.

Man könnte spotten, dass unser Land bald keine Pflegeheime oder mobile Pflegedienste mehr braucht - denn so viele Bürgerinnen und Bürger kümmern sich plötzlich rührend um ihre Angehörigen. Wer hätte das gedacht!

In Wirklichkeit hat es natürlich etwas Trauriges an sich, wenn sich nun so viele Menschen an ihre Eltern oder die Großeltern erinnern, weil diese ihnen Vorteile bei der Corona-Impfung verschaffen könnten. Wer sich um einen Pflegebedürftigen kümmert, hat gute Aussicht, schneller dran zu kommen. 

Es geht wohl auch um den Sommerurlaub

Es geht ja nicht nur um die eigene Gesundheit, sondern auch um den Sommerurlaub. Nur wer doppelt gepikst ist, hat die Aussicht, unbeschwert zu verreisen. Und so gibt es vermutlich doch viele Versuche zu schummeln. Im Einzelfall muss man natürlich vorsichtig sein, wer weiß schon, ob der Nachbar oder Bekannte nicht wirklich eine ernste Vorerkrankung hat?

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Aber eines ist auch klar: Die Impfzentren selbst können nicht für letzte Gerechtigkeit sorgen. Sie können nur Berechtigungen überprüfen, und auch dabei stoßen die Verantwortlichen an Grenzen. Aus Hofheim und Zeil heißt es, ohne mitgeführte oder im Notfall vor Ort erbrachte Nachweise setzt es keine Spritze.

Aus einem anderen Impfzentrum berichtet dieser Redaktion ein Zeuge: "Die meisten hier geimpften Jungen (ab 20) und Alten hatten gar keine Nachweise mitgenommen. Ausnahme: ich - wollte aber niemand sehen". Mancherorten würde wohl sonst der Impfbetrieb zu sehr ins Stocken geraten. Also lieber weniger Bürokratie und Kontrolle.

Impfzentren können keine Privatdetektive engagieren

Man bräuchte einen totalen Überwachungsstaat, um in jedem Einzelfall zu erkennen, ob ein Bürger oder eine Bürgerin tatsächlich eine bevorzugte Corona-Impfung verdient. Aber wer wollte das schon? Wenn es um Impfgerechtigkeit in einer Pandemie geht, die den Staat ohnehin auf Trab hält, kommt es auf den Einzelnen an: Bin ich wirklich die zu bevorzugende Kontaktperson eines zu pflegenden Menschen? Warum bedränge ich meinen Arzt, mir "Asthma bronchiale" zu diagnostizieren, obwohl ich nur leichten Heuschnupfen habe? Ist es nicht unfair, von meiner Feuerwehr, von meinem Verein, zu verlangen, mich als relevante Person einzustufen, obwohl ich seit Jahren nicht mehr wirklich dabei bin? Und es kommt auf das unmittelbare Umfeld des Einzelnen an, solchem Egoismus Schranken zu setzen. Was soll ein Impfzentrum machen, wenn jemand ein Papier vorlegt, auf dem steht, er sei unabkömmlich in der Jugendhilfe, aber daran kommen gewisse Zweifel auf? Einen Privatdetektiv beauftragen?

Die einzige Lösung: Möglichst schnell jeden Impfwilligen impfen

Schon die Impfpriorisierung war umstritten. Wenn sie fällt, wird das mit dem Impfen nicht gerechter laufen. Weil dann Drängler noch bessere Chancen haben. Bleibt zu hoffen, dass es  ganz schnell ein Impfangebot für jeden Menschen im Haßbergkreis und sonstwo gibt.

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