Haßfurt

Kommentar: Wenn Politiker im Sandkasten spielen

Von wegen Zusammenhalt: Manche schaffen es nicht einmal in der Krise, sich zusammenzureißen. Das ist schade, denn unserem Land drohen noch andere Gefahren als Corona.
'Der andere hat angefangen!' Manchmal erinnert die Argumentation von Politikern an Spiele im Sandkasten.
Foto: Monika Skolimowska, dpa | "Der andere hat angefangen!" Manchmal erinnert die Argumentation von Politikern an Spiele im Sandkasten.

Welche Reaktionen ein Journalist auf einen Text bekommt, ist oft überraschend. Manchmal denkt man: "Damit habe ich in ein Wespennest gestochen, da werden sicher viele böse Leserbriefe kommen" – und dann passiert nichts. Und dann gibt es andere Texte, die tatsächlich heftige Reaktionen auslösen. Ein solcher erschien bei uns Anfang dieser Woche. Es handelte sich um einen Kommentar, in dem ein SPD-Politiker dafür kritisiert wurde, die Corona-Krise parteipolitisch auszuschlachten, indem er gegen Ministerpräsident Söder (CSU) und die Ausgangsbeschränkungen wetterte.

In den nächsten Tagen kamen dann mehrere E-Mails von SPD-Leuten, die den Kollegen in Schutz nehmen wollten. Zwar betonten alle, natürlich hätten wir im Rahmen der Pressefreiheit das Recht gehabt, diesen Text zu veröffentlichen, trotzdem werde ihr Parteifreund dort zu hart angegriffen. Außerdem wiesen einige auf einen Facebook-Post eines CSU-Mannes aus dem Landkreis hin, der Söder lobte und im gleichen Atemzug über andere Parteien herzog. Zitat: "Die Corona-Krise zeigt mir, dass die Grünen keine Antworten bei der Bewältigung von Krisensituationen haben: wo ist ein Habeck, eine Schulze, eine Claudia Roth? Was macht eigentlich Greta?"

Der Vorwurf an unsere Redaktion: Wir hätten diesen Post aus den Reihen der CSU ignoriert und stattdessen nur den des SPD-lers aufgegriffen, der sogar erst später gepostet wurde. Dazu sind drei Dinge zu sagen. Erstens: Auch wir sehen eben nicht alles, was auf Facebook geteilt wird. Der "rote" Beitrag war der Redaktion bekannt, der "schwarze" nicht. Zweitens: "Der andere hat angefangen" war schon im Sandkasten die schlechteste aller Ausreden. Nur weil ein CSU-ler etwas dummes tut, muss ein SPD-ler darauf nicht mit einer anderen Dummheit reagieren. Drittens: Ja, der Facebook-Beitrag des CSU-Politikers war – gelinde gesagt – völlig daneben, und hätten wir davon gewusst, dann wäre sicher auch er in dem Kommentar über sinnlose Parteipolitik in Krisenzeiten nicht ungeschoren davongekommen.

Keiner der von ihm aufgezählten Politiker hat einen Regierungsposten, damit hätte auch keiner von ihnen die Möglichkeit gehabt, die Entscheidungen zu treffen, die Söder getroffen hat. Der Vorwurf, sie hätten nicht gehandelt, ist also ungefähr so, als würde man einen Firmenchef dafür loben, dass er seine Firma vor dem Ruin gerettet hat, und gleichzeitig der Putzfrau vorzuhalten, dass sie die Firma nicht gerettet hat.

Und was soll eigentlich die an den Haaren herbeigezogene Anspielung auf Greta Thunberg? Was soll eine Klimaaktivistin ohne jegliche Regierungsverantwortung denn bitte in einer Krisensituation tun, die schnelles Handeln von Menschen erfordert, die tatsächlich die Macht haben, Anordnungen auszusprechen?

Markus Söder hat in einer schweren Krisensituation richtig gehandelt. Dass aber seine Anhänger das nun ausschlachten, um gegen andere Parteien zu wettern, ist ein Fehler. Schließlich müssen sie, wenn die Corona-Pandemie überstanden ist, sich auch wieder mit den Demokratiefeinden von der AfD auseinandersetzen. Da wäre doch gerade die Krise jetzt eine gute Gelegenheit, ein Zeichen zu setzen: Wir mögen in vielen Dingen unterschiedlicher Meinung sein, aber wenn es drauf ankommt, stehen wir zusammen!

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