Rentweinsdorf

Rentweinsdorf: Wie die Bürger sich am neuen Solarpark beteiligen können

Angrenzend an die Staatsstraße 2274 von Rentweinsdorf nach Salmsdorf soll hier vor dem Wald mit Flurbezeichnung „Herrmannshoffeld Hasenleite“ auf einer Fläche von 42 Hektar der neue Solarpark entstehen.
Foto: Günther Geiling | Angrenzend an die Staatsstraße 2274 von Rentweinsdorf nach Salmsdorf soll hier vor dem Wald mit Flurbezeichnung „Herrmannshoffeld Hasenleite“ auf einer Fläche von 42 Hektar der neue Solarpark entstehen.

Vor zehn Jahren erfolgte der Spatenstich für das mit einer Fläche von 48 Hektar größte Freiflächen-Solarkraftwerk bei Hebendorf. Nun soll in der Marktgemeinde eine neue Freiflächenanlage mit weiteren 43 Hektar entstehen, die 43 Megawatt Peak Leistung hat und 15 910 Haushalte/Jahr versorgen kann. Gesellschafter mit eigenen Modulen sollen dabei der Markt Rentweinsdorf, die Bürgerenergiegenossenschaft und Max von Rotenhan sein.

Auf der Einladung zur Sitzung des Marktgemeinderates stand nur „Antrag auf Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens gemäß Paragraf  2, ABS“. Dahinter stand aber der Aufstellungsbeschluss für einen Solarpark und genau zu diesem bestanden anscheinend im Gremium Fragen, die nicht ausgiebig genug beantwortet waren.

Bürgermeister Stefan Kropp (SPD) teilte mit, dass ein Antrag von GUT und Maximilian von Rotenhan vorliege, eine Solaranlage zu bauen. Grundstückseigentümer Rotenhan habe sich mit der GUT und BEG kompetente Helfer ins Boot geholt. Gleichzeitig gehe es aber auch um die Frage, „ob wir als Gemeinde im Projekt teilnehmen möchten“. Mit dem Beschluss sollen förmlich und rechtlich die ersten Schritte eingeleitet und dafür gesorgt werden, die die Bürger mitdiskutieren könnten. „Für unsere Zukunft ist es wichtig, regenerative Energien zu fördern. Wir könnten damit ein Ausrufezeichen für Rentweinsdorf setzen. Es geht nicht nur um unsere Entscheidung, sondern auch um die der Bürger.“

Bürger zuerst informieren

Wenn dann auch noch wirtschaftlich etwas dabei herausspringe, sei es umso besser. Auch die Bürger können sich beteiligen und können sich einkaufen. Die Wahl für den Anbieter der Solaranlage sei auf die Firma „IBC-Solar“ aus Staffelstein gefallen, die ja in diesem Bereich einen besonderen Namen habe.

Petra Haubner (FW-ÜWG) machte deutlich, dass sie nicht prinzipiell gegen das Projekt sei, „dennoch fühle ich mich zum Teil überfahren und plädiere dafür, den Aufstellungsbeschluss zu vertagen. Wenn wir jetzt schon zustimmen, geht das für mich einen Schritt zu schnell. Es wäre gut, wenn der Bürger zuerst das Wort hat und erst dann hier der Beschluss gefasst wird.“ Die Bürger sollten zuerst informiert werden, was die Gemeinde vorhat. Es sei schließlich ein großes Projekt und ein Einschnitt in die Natur. 

Wie sich das hinsichtlich Gewerbesteuereinnahmen und Schlüsselzuweisungen auswirke, interessierte Kurt Weißheimer (FW-ÜWG). Der Aufstellungsbeschluss sei schon weitreichend und deswegen fragte er auch nach der Reihenfolge des weiteren Vorgehens und der Information der Bürger. Er habe Hebendorf noch im Kopf und da habe er auch kein gutes Gefühl gehabt. Ludwig Bock (FW-ÜWG) wünschte sich ebenso ein Stimmungsbild der Rentweinsdorfer Bevölkerung. „Das Volk hat ein gewisses Mitspracherecht bei solch einer Riesenanlage.“

Kritik an Einladung

Kurt Schorn (RUL) kritisierte die Einladung zu diesem Punkt auf der Tagesordnung, bei der nichts auf eine Solaranlage hinwies. „Unter diesem Punkt konnte sich keiner so etwas vorstellen, sonst wären vielleicht mehr Bürger gekommen.“ Dazu gab ihm der Bürgermeister Recht und Petra Haubner meinte, „dass man auch die Zahlen transparent machen müsse. Wir haben ja zeitlich keinen Druck und deswegen brauchen wir nichts übers Knie zu brechen.“

Bürgermeister Kropp verwies auf die schwierige Corona-Zeit, in der man höchstens eine Online-Veranstaltung anbieten könne. Er werde auf jeden Fall mit der GUT und der Firma eine Präsentation für die Homepage vorbereiten, so dass man in der April-Sitzung die Entscheidung treffen könnte. Mit 8:5 Stimmen beschloss deswegen das Gremium die Vertagung des Tagesordnungspunktes.

Das Projekt mit seinen Eckdaten

Das Vorhaben „Solarpark Rentweinsdorf“ wird getragen durch die „Bürgerenergiegenossenschaft Haßberge (BEG), die Marktgemeinde Rentweinsdorf sowie Max von Rotenhan als Grundstückseigentümer unter der Unterstützung der GUT Hassberge GmbH.
Der Geschäftsführer von GUT Hassberge, Marco Siller, und Max von Rotenhan standen unserer Redaktion nach der Sitzung zu einem Gespräch zur Verfügung und erläuterten die Planung, bei der sich auch bevorzugt Bürger von Rentweinsdorf an der Investition beteiligen können. Dabei geht man derzeit von einem Investitionsvolumen von circa 20 bis 25 Millionen Euro aus. Die Umsetzung und der Bau der Anlage würden durch den regionalen PV-Spezialisten „IBC Solar“ aus Staffelstein durchgeführt.
Die CO2-Einsparung von 27 870 Tonnen pro Jahr entspreche der Einsparung von 3500 Fußballfeldern Wald pro Jahr. Wie Max von Rotenhan betonte, bedeute das auch eine Verbesserung der Ökobilanz in Rentweinsdorf. „Werden PV-Freiflächenanlagen auf ehemaligen Ackerstandorten errichtet, so kommt es aus naturschutzfachlicher Sicht in der Regel zu einer Erhöhung der biologischen Vielfalt.“
Die Projektträger beabsichtigen, das die Rentweinsdorfer Bürger an zwei Tanksäulen ohne Kosten Strom in E-Autos tanken können. Ebenso wolle man die regionale Landwirtschaft fördern, indem man Pflegearbeiten im Solarpark vergebe.
Auch die Gemeinde könne durch ihre Beteiligung Einnahmen generieren, wobei man Gewerbesteuereinnahmen von drei bis fünf Millionen Euro über 25 Jahre schätze.
Zum Planungsstand führten die Verantwortlichen aus, dass man sehr intensiv an dem Projekt arbeite und nun die Bürger informiert würden. Anschließend erfolge der Beschluss mit fortlaufender Einbindung der Öffentlichkeit durch den Gemeinderat und der Baubeginn sei dann circa ein Jahr nach dem Gemeinderatsbeschluss möglich.
(gg)
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