Zeil

Streiflicht: In Zeil in den Zug? Dann doch lieber das Auto!

Wenn die Bahn die kleinen Bahnhöfe und Haltestellen nicht attraktiver macht, wird sie keinen entscheidenden Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leisten können.
'Potemkinscher Bahnhof': Das einst so stolze Gebäude in Zeil hat mit dem Eisenbahnverkehr so gut wie nichts mehr zu tun. Allzu viel Komfort für Fahrgäste soll es hier schon lange nicht mehr geben.
Foto: René Ruprecht | "Potemkinscher Bahnhof": Das einst so stolze Gebäude in Zeil hat mit dem Eisenbahnverkehr so gut wie nichts mehr zu tun. Allzu viel Komfort für Fahrgäste soll es hier schon lange nicht mehr geben.

Was waren das doch für gute alte Eisenbahnzeiten, in denen es sich die Fahrgäste an Bahnhöfen wie dem Zeiler oder Ebelsbach-Eltmanner in richtigen Wartesälen bequem machen konnten, obwohl die Züge damals vermutlich nicht unpünktlicher waren als heute. Die Stadt Zeil berichtet auf ihrer Homepage, dass Anfang des vorvergangenen Jahrhunderts umgerechnet 350 Reisende pro Tag hier ein- und ausstiegen. Die Eisenbahn war Fortschritt und brachte Zukunft. Wer hätte damals gedacht, dass es für Zeil einmal ein Glück sein würde, nur zur Haltestelle degradiert und nicht ganz aus dem Fahrplan gestrichen zu werden.

Klimawandel und Verkehrswende: Im Kleinen zeigt sich, ob das Große gelingen wird

Dabei könnten doch auch die kleinen Bahnhöfe jetzt eine Renaissance erleben. An ihnen müsste sich vollziehen, was im Großen gefordert wird: Dass der Schienenverkehr einen entscheidenden Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leistet; und im gleichen Kontext dazu beiträgt, die Verkehrswende zum Erfolg zu führen - weil Individualverkehr in den heutigen und für morgen prognostizierten Massen Städte ersticken und Straßen verklumpen lässt. 

Egal ob es von Zeil aus Richtung Schweinfurt oder Bamberg geht: Bahnreisende müssen durch die Unterführung. Immerhin hat es hier der Fahrkartenautomat unter das Vordach geschafft.
Foto: René Ruprecht | Egal ob es von Zeil aus Richtung Schweinfurt oder Bamberg geht: Bahnreisende müssen durch die Unterführung. Immerhin hat es hier der Fahrkartenautomat unter das Vordach geschafft.

Es geht nicht um die 1. Klasse, sondern das Jedermann-Abteil

Aber Fortschritt in Sachen Eisenbahn besteht nicht zuvorderst darin, dass es für Geschäftsreisende noch komfortabel wird, im Intercity von München nach Hamburg zu reisen, oder hier die letzte Minute herauszuholen. Die Schiene trägt dann entscheidend zum Wohlergehen des Landes bei, wenn sie für die breite Masse attraktiver wird.

Das kann man an den Haltestellen Zeil und Ebelsbach einfach erklären: Die Bahn lässt hier ihre Kunden bei schlechtem Wetter buchstäblich im Regen stehen, wenn sie nicht in den Unterführungen ausharren wollen, die ihrerseits den Charme der Berliner Mauer in der Vorwendezeit versprühen. Autofahrer tun sich mit der Parkplatzsuche schwer, Radfahrer finden keinen sicheren Platz zum Abstellen ihrer Bikes, die Bahnhöfe und ihr Umfeld wirken schmuddelig. Und für Menschen, die schlecht zu Fuß sind, ist es teilweise unmöglich, zum Bahnsteig zu gelangen. 

Man traut es sich gar nicht zu sagen: Aber der moderne Mensch will Wohlfühlatmosphäre. Davon sind die Haltestellen weiter entfernt als Proxima Centauri, der uns nach der Sonne nächstgelegene Stern.

Welchen Preis darf die Mobilität auf der Schiene haben?

In der Summe heißt das, dass es für den Einzelnen viele Gründe gibt, ins Auto zu steigen und nicht in den Zug. Nur der Bahn die Schuld dafür zu geben, wäre aber verkürzt gedacht. Unsere Gesellschaft muss entscheiden, ob das Staatsunternehmen unbedingt Gewinn machen muss. Oder ob es seinen Preis haben darf, wenn auch in Sachen Mobilität überall im Lande annähernd gleichwertige Lebensverhältnisse herrschen, wie sie das Grundgesetz fordert.

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