Haßfurt

Trockenheit darf kein Dauerzustand werden

Vertrocknete Erde       -  Kein gutes Jahr für die Landwirtschaft: Viele Böden sind, so wie dieser, vertrocknet. Die Ernteausfälle sind enorm.
Foto: Daniel Karmann, dpa | Kein gutes Jahr für die Landwirtschaft: Viele Böden sind, so wie dieser, vertrocknet. Die Ernteausfälle sind enorm.

2018 war ein Jahr der Extreme, was das Wetter angeht – zumindest bisher. Seit April war es überdurchschnittlich heiß und trocken. Das hat Auswirkungen auf das Leben von Menschen, Tieren und Pflanzen. Viele Experten sind sich einig: Ein einzelnes Jahr mit solch extremen Verhältnissen wäre keine Katastrophe. Doch die besonderen Temperatur- und Niederschlagswerte des Jahres 2018 seien lediglich Spitzenwerte einer größeren Entwicklung. So macht sich der Klimawandel auch im Landkreis Haßberge bemerkbar.

„Die Trockenheit hat sehr vielfältige Auswirkungen“, sagt Klaus Merkel, Landwirt aus Mariaburghausen und Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes. Laut Schätzungen sei den Bauern in Deutschland durch die Ernteausfälle des Jahres ein Schaden von insgesamt rund 2,5 Millionen Euro entstanden. „Das Futter, das vorhanden ist, wird teurer“, berichtet Merkel. Das liege einerseits an der geringen Ernte, andererseits werde durch die niedrigen Wasserstände der Flüsse, gerade des Rheins, der Transport teurer. „Das kostet uns viel Geld“, fasst es der Landwirt zusammen.

Auf die Böden kommt es an

Auch für den Biobauern Hans Dünninger aus Goßmannsdorf war es kein gutes Ertragsjahr. Im Schnitt sei 2018 bei den meisten Landwirten nur etwa die Hälfte der Ernte eines normalen Jahres zusammengekommen, wobei es abhängig vom Standort noch große Unterschiede gebe. „Wer gute Böden hat, ist mit einem blauen Auge davongekommen“, meint Dünninger. Das sei auch für ihn die große Lehre aus dem schlechten Jahr gewesen: „Für mich war es ein Zeichen, dass ich mehr auf meine Böden achten muss.“ Dabei gehe es vor allem darum, sie aktiv lebendig zu halten.

Dünninger betont außerdem: „Ich merke schon seit Jahren deutliche Veränderungen.“ Zwar sei es in diesem Jahr besonders extrem, der Trend zu wärmeren und trockeneren Sommern sei aber auch allgemein zu erkennen. Das habe auch einen Einfluss auf das Anbauverhalten der Bauern. „Soja-Anbau wird in Deutschland und in Österreich üblich. Das wäre noch vor ein paar Jahren nicht möglich gewesen“, sagt er. Bei vielen Pflanzensorten werde auch die Frage nach der Sorte immer wichtiger. Dabei gehe der Trend zu Sorten, die ursprünglich aus südlicheren Ländern stammen und daher Trockenheit und Hitze besser ertragen als viele heimische Pflanzen.

Und welche Auswirkungen hat das Wetter in diesem Jahr auf die Ernteerträge 2019? „Abschätzen können wir es noch nicht“, meint Pflanzenbauberater Heinz-Dieter Hofmann vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. „Die Saat steht schlecht da, die Bestände sind nicht so, wie sie sein sollten“, meint er. Nun komme es für die bereits ausgesäten Samen im Boden darauf an, wie der Winter wird. „Klar ist: Wenn die Trockenheit so weitergeht, wird die Ernte nächstes Jahr schlecht.“

Bürokratischer Aufwand

Die Politik versucht, auf die Probleme der Bauern zu reagieren. So gibt es vom bayerischen Staat ein Dürreprogramm, das den Kauf von Grundfutter bezuschusst, sowie ein Hilfspaket der Bundesregierung, das Landwirte für Ernteausfälle entschädigen soll. Klaus Merkel beklagt allerdings die seiner Meinung nach mangelhafte Umsetzung dieses Hilfspakets: Obwohl dessen Gesamtumfang mit 340 Millionen Euro weit unter der Höhe der Ernteausfälle liege, geht er davon aus, dass die Hilfen nicht ganz ausgeschöpft werden. „Nicht, weil kein Bedarf da wäre, sondern weil die Hürden so hoch sind“, meint Merkel. Denn um Unterstützung zu bekommen, müssten die Bauern mit einem sehr hohen bürokratischen Aufwand ihren Bedarf nachweisen.

Seiner Ansicht nach wäre eine bessere Lösung die Einführung einer Versicherung gegen Dürreschäden. „Dann müsste man nicht ständig über Hilfen diskutieren.“ In anderen Ländern gäbe es solche Versicherungen bereits, nur Deutschland habe das bisher nicht zustande gebracht. Zwar sei diese Idee in aller Munde, seit Horst Seehofer die Einführung einer solchen Versicherung in seiner Zeit als Agrarminister angekündigt hatte. „Aber seitdem ist nichts passiert“, sagt Merkel.

Einig sind sich Klaus Merkel und Hans Dünninger, dass die Politik mehr in Sachen Klimaschutz unternehmen sollte, um den Klimawandel zu stoppen. Das könne auch den Landwirten helfen. Beide sprechen hier beispielsweise den Ausbau der erneuerbaren Energien an. „Aber die Gewinne der Großbetriebe sind wohl wichtiger als unser Klima“, sagt Merkel.

Keine Lieferengpässe

Wie sich die Trockenheit auf den Grundwasserspiegel ausgewirkt hat, berichtet Wassermeister Jürgen Weisensee vom Stadtwerk Haßfurt. „Wir hatten noch keine Grundwasserprobleme“, sagt er im Gespräch mit dieser Redaktion. Zwar sei der Grundwasserspiegel im Vergleich mit der Situation vor einigen Jahren schon etwas abgesunken, aber nicht in einem Maß, dass es Lieferenpässe für das Leitungswasser gegeben hätte; zumindest in Haßfurt. Die Stadt habe allerdings auch den Vorteil, dass sie an einem Fluss liegt, was das Grundwasser etwas reguliere. In anderen Teilen des Landkreises, die weiter vom Main entfernt sind, könne es etwas schlechter aussehen. Klar sei in jedem Fall: „Es ist nicht so schlimm wie 2003.“ Damals gab es die größte Hitzewelle der vergangenen Jahre.

Über die Auswirkungen der Hitze und Trockenheit auf die Tierwelt berichtet der Biologe Jürgen Thein aus Haßfurt. „Eine Tiergruppe, die mit der Trockenheit große Probleme hat, sind die Amphibien“, sagt er. Denn viele Arten legen ihre Eier in kleinen Gewässern ab, die im Sommer austrocknen. Bis dahin müssen die Kaulquappen das Wasser verlassen haben und an Land atmen können. In diesem Jahr seien viele Tümpel aber so schnell ausgetrocknet, dass den Jungtieren die Zeit dazu fehlte.

Ein Jahr ohne Nachwuchs

Als Beispiel nennt Thein die Gelbbauchunke, die er als „Lebensraumspezialisten“ bezeichnet. Diese Art wählt bewusst solche kleinen Gewässer. Das bietet zwar Vorteile im Konkurrenzkampf mit anderen Arten, macht die Tiere aber auch anfälliger dafür, in besonders trockenen Jahren den gesamten Nachwuchs zu verlieren. Acht bis zehn Wochen dauert die Entwicklung der Kaulquappen. „Das war in diesem Jahr weitgehend unmöglich“, sagt er Biologe.

„Das ist kein Problem, so lange es nicht zur Dauereinrichtung wird“, sagt Thein. Dass bestimmte Tierarten ihren Nachwuchs in Jahren mit für sie schlechten Bedingungen nicht durchbringen, ist in der Natur üblich und stellt keine Bedrohung für das Überleben der Art dar, wenn in absehbarer Zeit wieder mit besseren Verhältnissen zu rechnen ist. Doch die trockenen Sommer werden mittlerweile immer häufiger, berichtet Thein. „Langfristig ist das ein Problem, obwohl sie kurzfristig damit umgehen können.“

Besorgt über die Geschwindigkeit

Für wärmeliebende Tiere wie Schlangen und Eidechsen sei das Jahr dagegen besser gewesen. Dass sich immer mehr besonders wärmeliebende Libellenarten in der Region ansiedeln, während andere Arten Deutschland verlassen, sieht der Biologe als Hinweis auf einen langfristigen Klimawandel.

Grundsätzlich sei auch ein Klimawandel „eine völlig natürliche Geschichte“. Dass Arten kommen und gehen sei „eine langfristige geologische Entwicklung“. Das Problem mit dem menschengemachten Klimawandel sei allerdings, dass dieser für viele Tierarten zu schnell gehe, um sich anzupassen oder einen neuen Lebensraum zu suchen. „Als Biologe bin ich besorgt, vor allem über die Geschwindigkeit“, sagt Jürgen Thein.

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