Mainbernheim

Ein Schulranzen als Symbol für das Verschwinden

Mainbernheim hatte vor dem Nationalsozialismus eine rege jüdische Gemeinde. Daran erinnert eine Gedenktafel an der ehemaligen Synagoge in der Brunnengasse.
Foto: Susanne Himsel | Mainbernheim hatte vor dem Nationalsozialismus eine rege jüdische Gemeinde. Daran erinnert eine Gedenktafel an der ehemaligen Synagoge in der Brunnengasse.

Die Stadt Mainbernheim prüft eine Beteiligung am Projekt „DenkOrt Aumühle“: An dem ehemaligen Güterbahnhof „Aumühl-Ladehof“ in Würzburg soll als zentrale Gedenkstätte ein „Weg der Erinnerung“ an die Deportation unterfränkischer Juden errichtet werden. In den Jahren 1941 bis 1942 wurden von diesem Ort aus 2068 jüdische Mitbürger deportiert, nur 60 von ihnen überlebten.

Benita Stolz, Koordinatorin der Projektgruppe „Wir wollen uns erinnern“, stellte im Stadtrat am Donnerstag das Projekt vor. Geplant ist, dass alle 109 Kommunen, in denen zu Beginn des Nationalsozialismus noch jüdische Bürger lebten, sinnbildlich ein Gepäckstück für die Gedenkstätte gestalten und ein zweites im eigenen Ort aufstellen.

„Es ist uns wichtig, dass möglichst viele Menschen an diesem Projekt mitwirken“, sagte die Koordinatorin. Am Ladehof in Würzburg ist heute nur noch ein Stück des Aufgangs zu den Gleisen mit originalem Pflaster erhalten, informiert Benita Stolz.

Info-Tafeln

Laut einem Faltblatt der Projektgruppe waren dies für die Menschen die letzten Meter in ihrer Heimat. Entlang dieses Weges sollen die Gepäckstücke auf einer mehrstufige Stahlkonstruktion nach einem Entwurf von Architekt und Künstler Matthias Braun stehen. Bis Ende 2018 soll die Rampe stehen, informiert Benita Stolz. 30 Gemeinden hätten bereits ihre Beteiligung zugesagt. Begleitend werden Informationen an fünf Tafeln entlang der Stationen aufgestellt mit Hinweis auf eine digitale Plattform, ein pädagogisches Begleitprojekt wird erarbeitet.

„Wir hatten eine rege jüdische Gemeinde in Mainbernheim“, sagte Bürgermeister Peter Kraus. Einige der Menschen seien von den Deportationen betroffen gewesen. „Angesichts der rechtsextremen Tendenzen scheint die Beschäftigung mit dem Thema dringender denn je“, sagte Kraus.

Betroffenheit

Stadtführerin Ludmilla Eisenbraun erläuterte ihre Idee, dass das Gepäckstück aus Mainbernheim ein Schulranzen sein könne. Denn hier sei ein Kind direkt aus der Schulklasse geholt und mit den Eltern deportiert worden. Diese Information löste Betroffenheit und Zustimmung bei den Stadträten aus. Das Thema wird in der nächsten Sitzung weitergehend beraten.

Weitere Themen:

Einstimmig befürworteten die Stadträte den Antrag der Grundschule, die zwei Spielgeräte auf der Rasenfläche hinter der Mehrzweckhalle aufbauen lassen möchte. Ein Balancierbalken und eine Hängebrücke sollen künftig das Bewegungsangebot in der Pause verbessern.

Keine Einwände hat das Gremium gegen Pläne für das Baugebiet Schlossgrund in Rödelsee.

Mainbernheim folgt der Empfehlung des bayerischen Gemeindetages und gewährt dem Tierheim Kitzingen einen jährlichen Zuschuss von 70 Cent je Einwohner für die Versorgung von Fundtieren.

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Kitzingen und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Weitere Artikel
Themen & Autoren
Mainbernheim
Benita Stolz
Deportationen
Erinnerungen
Gedenkstätten
Peter Kraus
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (3)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!