Gemünden

Bahnhof Gemünden bekommt neuen Tunnel, alter wird verfüllt

Zwei Jahre wird der Bahnhof barrierefrei umgebaut. Der Gemündener Stadtrat ließ sich die geplanten Maßnahmen erläutern. Sie beschränken sich nicht nur auf Aufzüge.
In diesem Bereich etwa, direkt im Anschluss an den Busbahnhof, wird die neue 50 Meter lange Unterführung zu den Gleisen im Bahnhof Gemünden entstehen.
Foto: Michael Mahr | In diesem Bereich etwa, direkt im Anschluss an den Busbahnhof, wird die neue 50 Meter lange Unterführung zu den Gleisen im Bahnhof Gemünden entstehen.

Darauf warten Reisende und die Stadt Gemünden seit Langem: die Anpassung des Knotenbahnhofs an heutige Erfordernisse. 2024 oder 2025 könnte es so weit sein, erfuhr der Stadtrat am Dienstagabend im Sitzungssaal des Rathauses. Doch trotz der grob geschätzten Baukosten von netto 17,8 Millionen Euro wird sich der Umbau mehr oder weniger auf die Herstellung von Barrierefreiheit beschränken. Weitergehende Verbesserungen für Bahnreisende seien allein Sache der Stadt, machten die Vertreter der Deutsche Bahn Station&Service AG deutlich.

Vorzugsvariante für Gemündener Bahnhof sieht neue Unterführung mit Aufzügen vor

Die Abteilungsleiterin "Planung Nordayern", Johanna Sikorski, der Technische Projektleiter Leander Auer und Diplom-Ingenieur Christian Laue (BPR Dr. Schäpertöns Consult
GmbH & Co. KG, München) stellten dem Stadtrat ihre  Vorzugsvariante vor. Deren wesentliche Bestandteile sind: Neubau einer neuen Unterführung mit Treppenanlagen und vier Aufzügen zu den Gleisen auf Höhe des Busbahnhofs; direkter Zugang vom Busbahnhof aus; Verfüllung der alten Unterführung; Neubau der überdachten Bahnsteige, die verkürzt und auf das Niveau der Züge (Gleis 1 und 2 für die niedrigeren Wagen der Erfurter Bahn, die übrigen für die DB-Züge) angehoben werden.

Die Planer machten deutlich, dass sie aus technischer und wirtschaftlicher Sicht keine Alternativen sehen: Die alte Unterführung umzurüsten, fehle der Platz; Rampen als Zugang zu einer Unterführung würden entweder zu steil (zwölf Prozent statt der vorgeschriebenen sechs Prozent), um barrierefrei zu sein, oder wegen der Oberleitungsmasten zu lang; eine Überführung über die Gleise wäre ebenfalls aufwendig und mute Reisenden längere Wege zu als durch eine Unterführung. Die neuen Treppen erhalten Schieberampen für die Mitnahme von Fahrrädern, dafür entfallen die Koffertransportbänder; Fahrräder passen auch in die Aufzüge. Die Breite einer Unterführung richtet sich nach der Länge, sie muss ein Zehntel betragen: bei den 50 Metern unter den Gleisen folglich fünf Meter.

Planverfahren dauert lang

Das weitere Prozedere: Die Vorplanung soll im Herbst dieses Jahres abgeschlossen werden. Wird sie akzeptiert, geht es in die Entwurfsplanung, in der die Details abgeklärt werden. Schließlich folgt das Planfeststellungsverfahren (Eisenbahnbundesamt), in dem unter anderem Lärm- und andere Umweltbeeinträchtigungen durch die kommende Großbaustelle geprüft werden. Die eigentliche Baumaßnahme werde etwa zwei Jahre dauern. Während dieser Zeit bleibe der Bahnhof dank der alten Unterführung benutzbar.

Ein Gewirr von Leitungen und Gleisen dominiert die Eisenbahnerstadt Gemünden auf diesem Foto, das der passionierte Hobbyfotograf Rainer Knoblach von der Keßlerbrücke aus aufgenommen hat.
Foto: Rainer Knoblach | Ein Gewirr von Leitungen und Gleisen dominiert die Eisenbahnerstadt Gemünden auf diesem Foto, das der passionierte Hobbyfotograf Rainer Knoblach von der Keßlerbrücke aus aufgenommen hat.

Bürgermeister Jürgen Lippert machte deutlich, dass die Bahn nur für den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs zuständig ist, für alles andere aber die Stadt Gemünden. So befinde sich der Busbahnhof, über den künftig alle Bahnreisenden laufen werden, zwar im Eigentum der Deutschen Bahn, die Baulast dafür aber trage die Stadt; das sei vor etwa 40 Jahren so vereinbart worden. Deswegen müsse die Stadtverwaltung parallel zur Planung der Bahn Pläne zur Anpassung und Gestaltung des Bus-Geländes bzw. des Bahnhofvorplatzes erarbeiten. Auf Nachfrage von Stadtrat Günther Felbinger zur geschlossenen Bahnhofstoilette sagte der Bürgermeister: In irgendeiner Weise werden wir uns dessen annehmen, weil die Bahn es nicht tut. Und dann steht noch das Thema Bahngebäude an." 

Verschlimmert sich das "Chaos" am Bahnhof?

Das Ratsmitglied Richard Rauscher beobachtet zu Stoßzeiten am Bahnhof "ein Chaos", etwa wenn die Schüler nach Unterrichtsende auf eine Gruppe Radfahrer treffen. Rauscher befürchtet, dass sich dieser Zustand durch die geplante Verlegung des Zugangs und durch die Aufzüge weiter verschlimmert. Fußgänger und Radfahrer müssten getrennt von einander geführt werden,  lautete seine Forderung. Johanna Sikorski beschied: "Radwege sind nicht unsere Sache." Darauf Richard Rauscher: "Aber Sie wollen doch nicht nur Fußgänger, sondern auch Radfahrer."

Rauscher sprach auch den alten Wunsch an, die (neue) Unterführung bis zum Mainradweg zu verlängern. Dazu Sikorski: "Gerne, wenn Sie die Kosten übernehmen." Die Verlängerung bedeute eine Verdoppelung der Tunnellänge von 50 auf 100 Meter und damit eine Verbreiterung auf der gesamten Länge auf zehn Meter. Auf Wunsch von Matthias Risser wird Bürgermeister Lippert die vermutlich horrenden Kosten für eine Radweg-Anbindung schätzen lassen. Er betonte auch, die Behindertenbeauftragte des Landkreises in alle Planungen einzubeziehen. 

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