Tiefenthal

Busbenutzer fragen: Warum dauert die Baustelle in Tiefenthal so lange?

Seit 2019 ist die Ortsdurchfahrt in Tiefenthal für den Buslinienverkehr gesperrt. Vor allem Buspendler nach Würzburg  merken das und fühlen sich nicht gut informiert.
Seit 2019 Baustelle: Die Ortsdurchfahrt in Tiefenthal. 
Foto: Lucia Lenzen | Seit 2019 Baustelle: Die Ortsdurchfahrt in Tiefenthal. 

Thomas Steigerwald ist Bus-Pendler. Jeden Morgen fährt er mit der Linie 633 von Marktheidenfeld aus zu seiner Arbeit nach Würzburg und abends wieder zurück. Normalerweise fährt die Linie auf ihrer Route auch durch die Tiefenthaler Ortsmitte. Seit Mitte 2019 ist die Ortsdurchfahrt wegen einer Baustelle gesperrt. Der Bus fährt Tiefenthal trotzdem an. Allerdings kann er den Ort derzeit nur von der B8 kommend ansteuern und muss kurz vor der Ortsmitte wenden.

Weil er die Situation tagtäglich vor Augen hat, hat sich Thomas Steigerwald an die Redaktion gewandt. Ihn beschäftigen zwei Fragen: Zum einen kann er nicht verstehen, warum ein Bauabschnitt von noch nicht einmal einem Kilometer Länge so lange dauert. Zum anderen macht ihm das Wendemanöver, das die Busfahrer jeden Tag mehrmals in Tiefenthal durchführen müssen, Sorge. 

Was die Baumaßnahme angeht kann Markus Krämer, Leiter der Tiefbauabteilung des Landratsamtes, Auskunft geben. Die Straße, für die der Landkreis zuständig ist, wird seit September 2020 generalsaniert. Gleichzeitig werden Glasfaserkabel sowie Stromleitungen verlegt. Dem Vollausbau der Straße gingen allerdings bereits Arbeiten der Gemeinde voraus: Seit Mitte 2019 wurden hier  Anschlüsse für Wasser und Kanal gelegt. 

Dass die Arbeiten derzeit aussetzen, liegt an der Witterung

"Unsere Arbeiten sind im Zeitplan", so Krämer. Es seien bereits 300 von 550 Metern gemacht, also über die Hälfte der Strecke. Dass die Arbeiten derzeit aussetzten, liege an der Witterung. Für die Asphaltarbeiten, die nun anstehen, brauche es mindestens fünf Grad plus und Trockenheit. Sobald die Witterung mitspielt, gehe es weiter. Wenn es dann weiterhin so gut liefe wie bisher, sei ein Ende der Baustelle im Oktober 2021 realistisch, informiert der Leiter Tiefbau. 

Bleibt die Frage nach der zeitlichen Länge der Maßnahme: Hätte es die Sache beschleunigt, wenn die Arbeiten gleichzeitig gemacht worden wären? Nicht unbedingt, so Krämer. Es sei nicht unüblich, dass die Bauabschnitte getrennt voneinander gemacht würden. Und dass ein Vollausbau, auch wenn er nur einen knappen Kilometer umfasst, ein gutes Jahr braucht, sei auch normal. Das könne man nicht vergleichen zum Beispiel mit einer Baumaßnahme, wie es sie kürzlich in der Marktheidenfelder Stadtmitte gab. "Das war ein reiner Asphaltbau und nicht der komplette Straßenausbau. Unsere Maßnahme in Tiefenthal ist eher zu vergleichen mit dem Nordring-Ausbau damals", erklärt Krämer. Hier habe man für rund 800 Meter auch anderthalb Jahre gebraucht. 

Busunternehmer: "Die Situation in Tiefenthal ist miserabel"

Was die Bus-Situation angeht, verweist er auf das Busunternehmen. Betreiber der Linie 633 ist das Busunternehmen Grasmann Reisen mit Sitz in Hafenlohr. Er fährt diese im Auftrag des Landkreises Main-Spessart. Matthias Vornwald-Grasmann ist Geschäftsführer des Unternehmens. Er sagt: "Die Situation in Tiefenthal ist miserabel." Trotzdem wolle und müsse man derzeit nach Tiefenthal fahren, um Fahrgäste dort zu holen und wieder abzuliefern.

Derzeit steuert das Unternehmen den Ort quasi als Sackgasse von der B8 an. Von Würzburg aus kommend, biegen die Busfahrer regulär auf die Hauptstraße nach Tiefenthal ab. Von Marktheidenfeld kommend hat man sich hingegen entschieden, bereits auf der Kuppe Tiefenthaler Höhe auf einen Flurbereinigungsweg abzubiegen, der zum Ort führt. "Wir wollten auf keinen Fall, dass die Busse zum Linksabbiegen in der Senke stehen bleiben müssen. Das wäre zu gefährlich", erklärt Vornwald-Grasmann.

Risiko wurde als tragbar bewertet

Was die Situation unten im Ort angeht, hat sich das Busunternehmen zusammen mit der Polizei die  Verhältnisse vor Baustellen-Beginn angeschaut und entschieden, die Gemeinde mit Wendemanöver anzufahren. "Das Risiko wurde abgeschätzt und wurde als tragbar entschieden", so Vornwald-Grasmann. Wichtig war, dass der Kreuzungsbereich einsehbar ist. Denn hier müssen die Busfahrer ein Stück rückwärts fahren, um zu drehen. Trotzdem ist der Wendeakt heikel. Zwar sind die Busse mittlerweile alle mit Rückfahrkamera ausgestattet. Aber Zurücksetzen im Linienverkehr sei einfach das Schlechteste, so Vornwald-Grasmann. 

Erschwerend kommt hinzu, dass die Kehre auch schon durch parkende Autos blockiert wurde. "Es ist auch schon einmal ein Bus an einer Treppe hängen geblieben", so der Geschäftsführer. Das alles kostet das Unternehmen Zeit und Geld. Zirka zehn Minuten Verspätung hat die Linie derzeit wegen der Baustelle. Und auch die 1,5 Kilometer mehr, die die Linie pro Fahrt derzeit fährt, gehen auf die Dauer ins Geld.  Eine nochmalige Prüfung der Situation mache seiner Meinung nach aber keinen Sinn. "Wir wollen helfen, wir wollen, dass die Leute wegkommen", so der Busunternehmer, "und wenn das Risiko tragbar ist, machen wir das." 

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