Gräfendorf

In Gräfendorf soll Mischwald entstehen

Der Gräfendorfer Gemeinderat machte sich im Wald ein Bild (von links): Matthias Wallrapp, Jürgen Brönner, Johannes Wagenpfahl,

Markus Söder und Wolfgang Faust.
Foto: Philipp Wagenpfahl | Der Gräfendorfer Gemeinderat machte sich im Wald ein Bild (von links): Matthias Wallrapp, Jürgen Brönner, Johannes Wagenpfahl, Markus Söder und Wolfgang Faust.

Schwerpunkte des Waldbegangs des Gemeinderates waren neben Pflegemaßnahmen die Begutachtung der Schäden durch den Borkenkäfer an den Fichten und durch die Trockenheit der letzten drei heißen Sommer bei den Buchen.

Bei einer Fläche von über 1000 Hektar Wald, davon etwa die Hälfte in der Gemarkung Wolfsmünster, ist für die Gemeinde Gräfendorf das Thema Forstwirtschaft bedeutend. Aktuell wird der Wald kommissarisch von der Stiftung Juliusspital betreut. Da jetzt die Entscheidung ansteht, wer für die Gemeinde künftig dauerhaft die Betriebsleitung und Betriebsausführung übernimmt, hatte Bürgermeister Johannes Wagenpfahl die Gemeinderäte zum Waldbegang im Forst von Wolfsmünster eingeladen.

80 Prozent Laubholz

Mit von der Partie waren auch der Bürgermeister der Gemeinde Karsbach, Martin Göbel, der Jagdpächter Wolfgang Faust sowie der Betriebsleiter Forstbetrieb Juliusspital, Matthias Wallrapp, und Förster Markus Söder. Zu Beginn gab Wallrapp den Gemeinderäten einige grundlegende Informationen zur aktuellen Waldsituation. Rund 80 Prozent des Waldes sind Laubholz, vornehmlich Eiche und Buche. Der Nadelholzanteil, fast ausschließlich Fichte und Kiefer, hat sich in den letzten Jahren weiter verringert und liegt derzeit nur noch bei etwa 18 bis 20 Prozent mit Schwerpunkt in Wolfsmünster. Der Anteil klimatoleranter Nadelhölzer wie Douglasie und Tanne ist weiterhin verschwindend gering.

Alte Bestände haben sich weiter erhöht, was aus naturschutzfachlicher Sicht sehr zu begrüßen ist. Alte Bäume sind jedoch weniger anpassungsfähig als junge Bäume und somit den klimatischen Veränderungen stärker ausgesetzt. Die Qualität der Bestände sei aus den genannten Gründen und trotz fortgesetzter Pflege in großen Bereichen immer noch als unterdurchschnittlich, in manchen Bereichen als katastrophal schlecht einzuschätzen. Die Vorausverjüngungsanteile in den Altbeständen sind gestiegen, aber immer noch zu gering, der Umbau von Fichten- und Kiefernbeständen sei angesichts der fortschreitenden klimatischen Entwicklung deutlich ausbaufähig.

Die Pflegerückstände wurden seit der Forsteinrichtung in Angriff genommen, auch hier zwinge die klimatische Entwicklung zu einem schnelleren Vorgehen, um durch Pflege Stabilität zu erreichen. Die Wildbestände wurden seither in der gesamten Region reduziert und erlauben auf größerer Fläche einen Aufwuchs der Buche. Die Mischbaumarten müssen weiterhin mit Schutzmaßnahmen eingebracht werden.

Pflanzziel nicht erreicht

Das von der Forsteinrichtung geplante Pflanzziel von drei Hektar (rund 15 000 Pflanzen, vorwiegend Eiche, Ahorn und Douglasie sowie Buche unter Alt-Fichte) pro Jahr wurde in den letzten Jahren bei Weitem nicht erreicht. Hier müsse zukünftig insbesondere hinsichtlich der rasanten klimatischen Entwicklung deutlich mehr geschehen. Sein Fazit lautet, dass der Klimawandel sich immer deutlicher bemerkbar mache und zusehends das forstliche Handeln bestimme. Fichte und Kiefer hätten unter den aktuellen Verhältnissen auf der größten Fläche keine Zukunft mehr.

Zur wirtschaftlichen Betrachtung dieser Maßnahmen sagte Wallrapp: "Sie müssen das Brot vom harten Ende her essen". Er sensibilisierte die Gemeinderäte mit den künftig höheren Ansprüchen des Waldes an die Ökologie. Der Wald seinicht nur Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Er fungiere auch als Trinkwasserspeicher. In dieser Funktion werde er immer wichtiger.

Ziel der Bewirtschaftung sei es, einen standortgemäßen, gesunden, stabilen und leistungsfähigen Wald zu erhalten. Dieser solle gleichermaßen ökologische, ökonomische und soziale Ansprüche erfüllen und den klimatischen Veränderungen gewachsen sein. Dabei sei absehbar, dass die Wirtschaftlichkeit gegenüber den anderen Faktoren abnehmen wird.

Jährlicher Hiebsatz von 7000 Festmetern

Der jährliche Hiebsatz beläuft sich laut der Forsteinrichtung auf 7000 Festmeter in der Gesamtnutzung. Dieser wurde in der Vergangenheit immer weit unterschritten. Der aktuelle Holzeinschlag beläuft sich auf über 4000 Festmeter, wobei dieser in der Entnahme von durch Trockenheit und dem Borkenkäfer geschädigtem Holz begründet ist. Dies gilt auch für die kommenden Jahre.

Forstbetriebsleiter Wallrapp vom Juliusspital führte aus, dass umfangreiche Pflegemaßnahmen in den nächsten Jahren im Rahmen des Waldumbaus zu erfolgen hätten. Es werde ein Mischwald entstehen, in dem auch die Tanne als Kompromiss zur Fichte und Kiefer gepflanzt wird.

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