Gräfendorf

Johannes Sitters Internet-Kauf: Lithographie von Schloss Wolfsmünster

Der frühere Gräfendorfer Bürgermeister will das Bild der Öffentlichkeit zugänglich machen. Seine Recherchen zu Maler Fritz Beckert ergaben einige Erkenntnisse – viele Fragen sind aber noch offen.
Lithographie von Schloss Wolfsmünster hinter Glas nach dem Gemälde von Professor Fritz Beckert in den Händen von Johannes Sitter
Foto: Wolfgang Schelbert | Lithographie von Schloss Wolfsmünster hinter Glas nach dem Gemälde von Professor Fritz Beckert in den Händen von Johannes Sitter

Ein besonderes Bildnis des Schlosses von Wolfsmünster mit dem Wandgemälde eines Ritters hat Johannes Sitter entdeckt. Diese lithografische Rarität, nach dem Gemälde von Professor Fritz Beckert aus dem Jahr 1909, hat der ehemalige Bürgermeister und langjährige Bezirksrat im Internet entdeckt und gekauft.

Angeboten wurde eine Lithografie mit dem Original-Verlagsrahmen. Johannes Sitter, beschreibt seinen Kauf als "ausdrucksstarkes, impressionistisches Bild". Sitter, der im Förderverein der Alten Schutzengelkirche mitarbeitet, wurde nach weiteren Recherchen neugierig. Was machte der in Leipzig geborene Architekturmaler Fritz Beckert um das Jahr 1909 in dem kleinen Dorf Wolfsmünster? Weshalb malte er ein Bild von einem wenig bedeutenden Schloss aus der Thüngenzeit? Wo ist das Original hingekommen?

Was machte Maler Beckert in Gräfendorf?

Johannes Sitter stellte seine Fragen dem Künstlerpaar aus Cuxhaven, das die Lithografie im Internet anbot. Beantworten konnten sie die Fragen nicht, hatten aber einige Infos zu Fritz Beckert. 1877 geboren, studierte Beckert an der Leipziger und Dresdener Kunstakademie und war Meisterschüler des international bedeutenden Dresdner Impressionisten Gotthardt Kuehl. Um die Entstehungszeit des Bildes war Beckert als Privatdozent an der TU Dresden tätig. Seine vielen Reisen führten ihn auch nach Franken.

Enttäuscht war Johannes Sitter als er erfuhr, dass Maler und Professor Fritz Beckert 1932 den Nationalsozialisten beitrat, zu den bekennenden Professoren für Adolf Hitler gehörte und mit dem Dresdener Kunsthistoriker Cornelius Gurlitt in einem freundschaftlichen Verhältnis stand. Was Beckert von den Expressionisten hielt, die später als entartete Kunst verboten wurde, ließ er schon 1924 die Leser seines Buches wissen.

Der Schriftverkehr mit dem Künstlerehepaar machte Heimatforscher Sitter dennoch Mut, das Bild zu erwerben. Es entstand vor dem Ersten Weltkrieg und war auch in der Malerei etwas Neues. Dazu zeigt es seine Heimat. Sitter entschied sich für den Erwerb des Kunstwerks, das die Kunstdruckerei Künstlerbund Karlsruhe und der Leipziger Verlag B.G. Teubner druckte und verlegte.

Eine Rarität

Als er das Bild in Händen hielt, ahnte er nicht, dass er eine Rarität erworben hatte. Offensichtlich gibt es im unterfränkischen Raum seinen Recherchen zufolge nur noch Beckert-Lithographien aus dem Turmzimmer im Schloss Gaibach in Unterfranken, Dekoration des Rokoko und Grüner Salon im Schloss Kleinheubach in Unterfranken sowie eine Zimmeransicht mit Möbeln von Louis XV.

Viele Fragen sind noch offen: Wo ist das Original? Wurde es in der Dresdener Bombennacht 1945 zerstört? Mit wem war Fritz Beckert in Wolfsmünster? Vielleicht mit Eduard Textor, Gründer der Textor-Stiftung, die um diese Zeit im Schloss Wolfsmünster ein Kinderheim für arme Frankfurter Familien betrieb? Sitter sucht zurzeit nach Antworten im Frankfurter Stadtarchiv und an der Bibliothek der TU Dresden.

Schloss Wolfsmünster aktuelle Aufnahme im Herbstnebel
Foto: Wolfgang Schelbert | Schloss Wolfsmünster aktuelle Aufnahme im Herbstnebel

Er plant, das Bild das Bild öffentlich zugänglich zu machen. "Kulturgut gehört selbstverständlich in die Öffentlichkeit", sagt Sitter. Wann und wie dies geschehen soll, will er mit Gräfendorfs Bürgermeister Johannes Wagenpfahl besprechen.

Die Geschichte des Schlosses ist vielfältig. Nach den Recherchen aus dem Buch "Wolfsmünster" von Philipp Seltsam wurde das Schloss im Jahr 1584 von Philipp II. von Thüngen beziehungsweise  dessen Vater Albrecht erbaut. Knapp 120 Jahre später im Jahr 1670 wurde das Gebäude durch die Fräulein von Thüngen an das Juliusspital Würzburg abgetreten. Viele Jahre war im Schloss ein Rentamt untergebracht, das 1887 aufgelöst wurde. Das Gebäude ging in Privatbesitz über. Anfang des 20. Jahrhunderts kaufte es die Stadt Frankfurt und betrieb dort bis 1974 ein Kinderheim, anschließend eine Reha-Einrichtung für Drogenkranke. Um die Jahrtausendwende waren darin Asylanten untergebracht, zurzeit steht es leer.

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