Karlstadt

Karlstadt: Eine Flut von Ideen für den Radverkehr

Als Problempunkte kristallisierten sich die Übergänge von Bahn, Bodelschwinghstraße und Main heraus. Die Arbeitsgruppe tagte in neuer Besetzung. "Karscht macht mobil" ist dabei.
Nur Mutige fahren mit dem Rad von der Stadt aus auf der Fahrbahn die Südbrücke hinauf, was wie hier zu heiklen Situationen führen kann. Viele Radler weichen auf den Gehsteig aus.
Foto: Karlheinz Haase | Nur Mutige fahren mit dem Rad von der Stadt aus auf der Fahrbahn die Südbrücke hinauf, was wie hier zu heiklen Situationen führen kann. Viele Radler weichen auf den Gehsteig aus.

Es ist enorm, wie viele Menschen sich im vergangenen Monat Gedanken gemacht haben um mehr Fahrrad- und Fußgängerfreundlichkeit in Karlstadt. Und es ist enorm, welche Menge an Ideen zusammengekommen ist. Neben den hier veröffentlichten Zuschriften zu dem Thema haben die fünf Initiatorinnen der Aktion "Karscht macht mobil"  einige weitere bekommen.

Bei der Sichtung zeigt sich: Einer der Knackpunkte ist die Trennung Karlstadts durch die Bahnlinie. Die beiden Bahnbrücken sind für Radfahrer abschreckend. An den steilen Anstiegen werden die langsamen Radler zu Hindernissen auf den zu schmalen Fahrbahnen und inhalieren vor allem auf der Südbrücke gleichzeitig die Dieselabgase der zahlreichen Lastwagen, die dort unterwegs sind.         

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Um all das zumindest zu entschärfen, lauten die eingegangenen Vorschläge: Auf beiden Brücken je einen Gehsteig als Fahrradstreifen ausweisen, den anderen für Fußgänger. Als Fortsetzung an der Südbrücke die Bordsteine zu Aldi und dm abflachen, an der Nordbrücke die Bordsteine Richtung Lidl und Co. abflachen. Auffahrten ebenfalls abflachen, sodass auch für Rollatoren oder Elektromobile die Barrieren beseitigt sind. Bisher weicht ein Teil der Radfahrenden vor allem bei der Südbrücke auf die Gehsteige aus, was für Erwachsene eigentlich verboten ist.     

Direkter Weg in die Altstadt

Mehrfach kam bei den Zuschriften der Vorschlag, in der Unterführung die Gitter abzubauen. Sie behindern das Durchkommen mit Kinderanhängern. Noch besser wäre eine zweite Unterführung in Verlängerung der Alten Bahnhofstraße. Damit würden die Menschen direkt in der nach der Hauptstraße zweitwichtigste Achse der Altstadt geleitet.  

Die Initiatorinnen von "Karscht macht mobil" sehen sich im Einklang mit der Studie ISEK (Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept). Auch dort wurde die Unterführung schon bemängelt. Und das Umfeld des inzwischen im Erdgeschoss leerstehenden Bahnhofs wurde als verbesserungsfähig eingestuft. Die Initiatorinnen schlagen ergänzend vor, am Bahnhof ein Fahrradparkhaus und eine Verleihstation für Räder und Lastenräder einzurichten.

Die Rennstrecke von Karlstadt

Eine kritische Verkehrsachse ist in Karlstadt die Bodelschwinghstraße. Die Schwachpunkte aus Sicht der schwächeren Verkehrsteilnehmer: Es darf teilweise Tempo 50 gefahren werden. Und die Straße ist gerade und zehn Meter breit, wodurch sie automatisch zur "Rennstrecke" wird. Auf beiden Seiten parken Autos. Radler müssen knapp daran vorbeifahren. Gegensteuern ließe sich durch ein Tempolimit von 30 und "Rechts vor Links", so lautet eine Idee. Außerdem wird ein Fahrradstreifen auf der gesamten Länge vorgeschlagen.

Zerschneidet Karlstadt in Nord-Süd-Richtung: die  Bodelschwinghstraße.
Foto: Karlheinz Haase | Zerschneidet Karlstadt in Nord-Süd-Richtung: die  Bodelschwinghstraße.

Fast komplett ausgeblendet wurden Radfahrer und Fußgänger beim Bau des Einkaufszentrums am Hammersteig. Vorgeschlagen wurde in einer Zuschrift ein Fahrradstreifen entlang der Mülldeponiestraße.

Die Umgebung der Altstadt

Im Umfeld der Altstadt wird der Mainparkplatz als Problem gesehen. Fußgänger und Radfahrer könnten ihn nicht sicher passieren, so die Kritik. Der Lösungsvorschlag: Die Parkplätze zum Main hin sind so lang, dass dort jeweils ein Stück abgezwackt werden könnte. Damit wäre Platz für einen Rad- und Fußgängerweg. Die Initiatorinnen von "Karscht macht mobil" verweisen darauf, dass es sich um eine unattraktive Fläche in bester Lage handelt. Schon beim ISEK wird angeregt, sich dafür etwas einfallen zu lassen.

Zum Freibad, Campingplatz, Fußballplatz und den Tennisplätzen gibt es keinen Rad- und keinen Fußweg. Es wird der Weg zum Schwimmbad – am Campingplatz vorbei – kritisiert. Da müsse auf der Straße gelaufen werden, was an heißen Sommertagen mit vielen Schwimmbadbesuchern und entsprechendem Autoverkehr gefährlich sei.

Die alte Siedlung

In der alten Siedlung, also zwischen Bahnlinie und Bodelschwinghstraße, sind die Straßen eng und vollgeparkt. Wo es ausgewiesene Gehsteigparkplätze gibt, sind die Fußwege nicht mehr nutzbar, schon gar nicht mit Kinderwagen oder Rollator. Zu den Vorschlägen gehört eine barrierefreie Gestaltung der Gehsteige. Eine Idee ist, die Grobenstraße zur Einbahnstraße Richtung Stadt zu machen – jeweils mit Fahrradspuren. In der Gegenrichtung könnte die Echter- oder die Zahnstraße Richtung Siedlung eine solche Einbahnstraße mit Radspur werden.

Anbindung der Ortsteile

Wie die Bahnüberführungen, so verfügt auch die Mainbrücke nach Mühlbach über keinen Fahrradstreifen. In einer Zuschrift kam die Idee, einen Gehsteig zum Radweg zu machen. Ein anderer Gedanke geht noch weiter: Platz könnte auch gewonnen werden durch eine Beseitigung von Parkplätzen an der Karlstadter Brückenauffahrt.

In Mühlbach selbst ist es gegenüber vom Schloss so eng, dass Fußgänger auf die Fahrbahn ausweichen müssen, wenn dort Mülltonnen stehen. Eine weitere Engstelle ist an der Ecke Stadelhofer Straße/Martellstraße. Eine Patentlösung hat dafür niemand parat. Bislang verläuft der Mainradweg in Mühlbach ein Stück weit auf der Martellstraße, also der engen Ortsdurchfahrt. In einer Zuschrift heißt es, ideal wäre es, eine durchgehende Radverbindung von Mühlbach bis zur Karlstadter Mainpromenade zu schaffen. 

Kritik gibt es auch zur relativ neuen Karolingerbrücke: Dort fehlt auf einer Seite ein Radweg. Auf der Seite mit Radweg kommt man am Kreisverkehr auf der falschen Seite raus. Alle Kreisverkehre sind ohne Radweg. 

Seit Jahren klagen die Gambacher, dass sie nicht mehr auf kurzem Weg an den Mainradweg angebunden sind. Die Planung des Anwandwegs durch die Weinberge verharrt seit Jahren in der Planung, wird bemängelt. Und überhaupt nicht an den Radverkehr angebunden ist Wiesenfeld.

Arbeitsgruppe hat sich bereits getroffen 

Die Arbeitsgruppe für mehr Fußgänger- und Radfahrfreundlichkeit in Karlstadt war gleich nach den Pfingstferien zusammengetreten – erstmals nun auch mit der Vertreterin von "Karscht macht mobil" als neuem Mitglied. Wie Bürgermeister Michael Hombach auf Nachfrage berichtet, haben sich dort Büros, die für die Erstellung des geplanten Konzepts in Frage kommen, online vorgestellt. Die Arbeitsgruppe hat eine Empfehlung zugunsten eines Büros gegeben, über die der Stadtrat in seiner nächsten Sitzung am 24. Juni abstimmen wird.  

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