Retzbach

Neues Prinzenpaar liebt Fasching und Tanzen

So lange sie dem närrischen Treiben von oben zuschauen konnten hatten Bürgermeister und Gemeinderäte noch gut lachen und reden.
Foto: Jürgen Kamm | So lange sie dem närrischen Treiben von oben zuschauen konnten hatten Bürgermeister und Gemeinderäte noch gut lachen und reden.

Nicht im Bahnhof sondern offenbar vor dem alten Rathaus liegt in Retzbach das Gleis Neundreiviertel. Passend zum neuen Sessionmotto "Express nach Hogwarts" des Retzbacher Carneval Clubs war beim Rathaussturm diesmal Magie im Spiel. Das neue Prinzenpaar Florian I. und Verena I. fuhr in einem dumpf stampfenden Lanz-Bulldog vor.

"Wir wollen das Rathaus stürmen und ihr wollt sehen, ob wir das auch schaffen", begrüßte Sitzungspräsident Jörg Brimer närrische Gäste aus Mühlbach, Thüngersheim, Himmelstadt, Thüngen, Zellingen und die einheimischen Schaulustigen. Auch in einem Dorf sei so viel Interesse an einem Rathaussturm nicht mehr selbstverständlich.

Wie immer waren die Narren unter Führung des Retzbacher Spielmannszuges mit Elferrat, jungen Elfern, Garden und Tanzmariechen vor das Rathaus gezogen. Als "Sturmtrupp" waren diesmal unerschrockene Hexen dabei.

Bürgermeister und Gemeinderäte verschanzen sich im Rathaus

Eine Gnadenfrist blieb Bürgermeister und Gemeinderäten noch, die sich im Rathaus verschanzt hatten und das Treiben von oben beobachteten. Zunächst blickte das Kinderprinzenpaar Noah I und Marie I auf ihre Session zurück. "In den Sitzungen musste ich mich öfter umziehen als ein Topmodell", verriet Marie: Prinzessin-Garde-Prinzessin-Garde-Prinzessin.

Das "große Prinzenpaar" der Jubiläumssession hatte wertvolle Geschenke und Tipps für ihre Nachfolge mitgebracht: Einen Köcher damit dem Prinzen nicht immer die Federn seines Kopfschmuckes brechen sowie ein "Kasperschloss" damit ihn niemand das Zepter klaut. Und für die Prinzessin ein (erstaunlich dünnes) Büchlein mit den gesammelten Weisheiten der bisherigen 44 Prinzessinnen des RCC.

"Seht das Rathaus, Sinnbild der Bürokratie und Verordnungssucht, der Unterdrückung der Narren, Heimat der Spaßbremsen und Spielverderber", hob Jörg Brimer an und Räten samt Gemeindeoberhaupt Verschwendung von Humor und Tatenlosigkeit im Spaßmachen vor. Er riet dem Bürgermeister, das Rathaus zu räumen. Zudem seien Leute da die Narren zu unterstützen.

Hexen nahmen das Rathaus ein

Doch das beeindruckte das Gemeindeoberhaupt mal wieder wenig: "Du kannst mich gerne bitten. Aber deshalb muss ich noch lange nicht die Türe aufmachen. Noch bestimme ich, wann und wie ich gehe."

Doch da hatte er die Rechnung ohne die Hexen gemacht. Mit Besen, Masken und Hexerei nahmen sie das Rathaus ein. So sicher waren sie ihrer Sache, dass sie ihre Gefangenen nicht einmal fesselten. Um den Schlüssel und die chronisch leere Kasse an sich zu bringen reichte einer der "jungen Elfer".

Fehlte noch das neue Prinzenpaar. Typisch gemächlich bollernd nähere sich da ein Fahrzeug, und ein dunkelgrüner alt-ehrwürdige Lanz-Bulldog fuhr vor. Ihm entstieg ein strahlendes Prinzenpaar. Schon über ein Jahrzehnt sind Florian und Verena Reith aus dem Retzbacher Fasching und insbesondere dem Männerballett nicht wegzudenken.

Bierpipeline in jedes Haus

Prinz Florian I. verbrachte seine Kindheit in Gerbrunn, ehe er mit seiner Mutter, der "Beck´s Brigitte", nach Retzbach zog. Er verdient seine Brötchen als Digital-Berater. Sein Hobbys sind Männerballett, Heimkino und insbesondere das RCC-Männerballett, in dem er seit 14 Jahren tanzt. Verena I. stammt ursprünglich aus Karlstadt, sie ist in Zellingen und Retzbach als Arzthelferin tätig. Bei den Hobbys Tanzen, Zumba und Fasching war es schon fast vorprogrammiert, dass sie 2005 zur Trainerin des Männerballetts wurde. Beide sind Träger der RCC-Ehrenmedaille in Bronze.

Natürlich gab es auch eine vor Lokalkolorit strotzende Proklamation. Da wurden Bürgermeister und Gemeinderat verpflichtet, sich im RCC-Fanshop einzukleiden und bis zum Aschermittwoch so aufzutreten. Wenn in Retzbach schon Straßen aufgerissen werden, solle gleich das für eine Bierpipeline vom Gashaus Durmich in jedes Haus gelegt werden.

Ordensvergabe richtet sich künftig nach einem Punktesystem

Auch die Kirche bekam ihr Fett weg: Da sie keinen gesteigerten Wert mehr auf Pilger lege, werde der RCC mit der Gründung einer eigenen Kirche beauftragt, mit Leni Gehrig als Päpstin. Im beliebten Gesundheitsgarten, solle der Gemeinderat einen Snackautomaten aufstellen, mit leicht zu kauenden gebissfreundlichen Snacks. Der abstiegsbedrohten Fußballelf des TSV Retzbach empfahl das Prinzenpaar, sich im Sondertraining mit Margit Zull die nötige Zweikampfhärte zu holen.

Besonders närrisch fiel der elfte und letzte närrische Paragraph aus: Die Ordensvergabe des RCC richte sich künftig nach einem Punktesystem, analog zum vom Gemeinderat für Bauplätze beschlossenen: Jeder erhält fünf Punkte, wenn er nicht das Recht auf sieben Punkte hat. Aber nur in Anrechnung der Bepunktungsbeimessung, die eine Überpunktung um drei Punkte nicht zwingend ausschließt, wenn elf Punkte nicht überschritten werden. Dem Gemeinderat sei für diese Narretei ein Sonderorden zu verleihen, falls die Punktekriterien erfüllt sind.

Verena I. und Florian I. sind seit Jahren beim Männerballett des Retzbacher Carnevalsclub mit Begeisterung dabei.
Foto: Jürgen Kamm | Verena I. und Florian I. sind seit Jahren beim Männerballett des Retzbacher Carnevalsclub mit Begeisterung dabei.
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