Retzbach

Ohne Plan rund um die Welt

Abenteuerliche Auszeit: Stefanie Pröstler-Meckl und ihr Mann Maximilian haben für eineinhalb Jahre ihr durchgetaktetes Leben verlassen. Nun machen sie anderen Menschen Mut, auch etwas zu wagen.
Stefanie Pröstler-Meckel hoch über der peruanischen Inkastadt Macchu Pichu in den Anden.
| Stefanie Pröstler-Meckel hoch über der peruanischen Inkastadt Macchu Pichu in den Anden.

Eine ganze Weile sind sie nun schon auf der Straße durch die Teeplantagen Sri Lankas unterwegs. Die Anordnung der Büsche links und rechts des Wegs erinnert Stefanie Pröstler-Meckl, Winzertochter aus Retzbach, und ihren Mann Maximilian an die heimischen Weinberge. Bald fangen die Füße an wehzutun und die Einsicht dämmert, dass es doch besser gewesen wäre, für die 17 Kilometer zur Lipton-Plantage eines der kleinen dreirädrigen „TukTuk“-Taxis zu nehmen. Aber da passiert das Wunder: Ein kleines Auto hält.

Der Fahrer und seine junge Beifahrerin fragen, ob Steffi und Max mitfahren wollen. Man müsse nur kurz das Brautkleid in den Kofferraum räumen, schließlich seien es die Flitterwochen und das Kleid reise mit. Auch Steffi und Max sind noch nicht lange verheiratet. Und so hat man sofort ein Gesprächsthema. Schnell wird es sehr persönlich und man lernt sich kennen. Am Ziel wollen sich die Deutschen erkenntlich zeigen und die Fahrt bezahlen. Doch das junge Paar aus Sri Lanka lehnt ab und lädt stattdessen sogar zum Tee ein.

Bis heute ist der Kontakt zwischen den Paaren nicht abgebrochen und man schreibt sich regelmäßig E-Mails. „Ihre Gastfreundlichkeit und Offenheit beeindruckt mich bis heute“, sagt Stefanie Meckl, die mit ihrem frisch angetrauten Ehemann Maximilian 15 Monate in der Welt unterwegs war.

Was sie da in Sri Lanka erlebt haben, war nicht das einzige Ereignis dieser Art. Stefanie schwärmt nach ihrer Reise von der ursprünglichen Gastfreundschaft der Menschen, von deren offener und ehrlicher Art, die sie in vielen Ländern der Erde angetroffen haben.

Was veranlasst eine junge Frau, frisch verheiratet, mit einem Traumjob beim Fernsehen und einer tollen Stadtwohnung in Berlin, alles bisher Erreichte hinter sich zu lassen und „ohne Plan um die Welt zu reisen“? Die Retzbacherin hat dazu eine lapidare Antwort: Weil „Hätte ich mal . . .“ der traurigste Satz der Welt ist!

Sie und ihr Mann Maximilian hatten ein geregeltes Leben mit viel Arbeit beim Fernsehen sowie als Fotograf und wenig Zeit füreinander. „So viel Job und so wenig anderes, da muss doch noch mehr sein!“, dachte sich Max. So reifte langsam der Wunsch, mal zu erkunden, was die Welt so bereithält. Eine Weltreise sollte es sein, keine klassisch durchorganisierte, sondern eine mit Rucksack und One-Way-Ticket. Steffi und Max wollten „reisen ohne Plan“, Erlebnisse sammeln und vor allem die Welt auf sich wirken lassen. Und genau jetzt ist der richtige Moment dafür, waren die beiden überzeugt. Sie wollten ihre Träume nicht ständig verschieben. Also vertauschten sie ihre gemütliche Wohnung gegen zwei Rucksäcke, die High Heels und Lederschuhe gegen Flipflops und Sneekers, die Komfortzone gegen die Welt.

Was Max und Steffi in den fast eineinhalb Jahren in der Welt erlebt haben, kann man leicht, informativ und unterhaltsam auf ihrem Blog evaexplora.com nachlesen oder sich auf dem gleichnamigen Instagramaccount von hunderten Bildern inspirieren lassen. Die Ziele in Indien, Indonesien, Japan, Kambodscha, Kuba, Malaysia, Mexico, Philippinen, Taiwan, Thailand und Vietnam hatten es allerdings in sich. So haben die Meckls traumhafte Erinnerungen an das unvergessliche Taj Mahal, Machu Picchu oder die vielen Wasserfälle Indonesiens.

Die Frage für alle Daheimgebliebenen stellt sich aber doch deutlich: Was bleibt nach einer solchen Tour? Ein Knäuel von touristischen Attraktionen, gleich einer Trophäensammlung? Ganz offensichtlich ist das bei Steffi und Max doch viel differenzierter und ganzheitlicher. Die Vielzahl unvergesslicher Eindrücke und Erlebnisse hat sich bei ihnen verdichtet: „Angkor-Effekt“ nennen sie dies in Erinnerung an die ersten Momente, als sie vor der „so unglaublich schönen Tempelanlage“ in Kambodscha standen und eine ganze Weile jedes Gefühl für Zeit verloren. Dieselben Emotionen in Indien beim Taj Mahal, dem „Großen Zeichen der Liebe“, bei dessen Anblick die jungen Leute die übrigen 15 000 Touristen vor Ort völlig vergaßen. Zuletzt Machu Picchu in Peru. „Wir haben die ganze Schönheit dieser Stadt nicht nur gesehen, sondern mit jeder Phase erlebt“, schwärmt Maximilian. Die Majestät, die Erhabenheit, als sich diese alte Ruinenstadt aus dem Morgennebel der Anden erhob, werden sie nie im Leben mehr vergessen.

Für die Meckls bleibt eine ganz besondere Einsicht, die anscheinend vielen unserer nörgelnden und unzufriedenen Landsleuten verdächtig erscheinen mag: „Die Welt ist ein wunderschöner Ort – trotz aller negativer Seiten“, sagt Max. Und Steffi: „Reisen macht demütig!“ Sie wollen mit diesem Gedanken auf die unglaublich vielen Chancen hinweisen, die uns hier in Deutschland geboten werden: die soziale und politische Sicherheit, die weitgehend realisierte Gleichstellung der Menschen. „Wer so viel von der Welt gesehen hat, weiß zu schätzen, was wir an Deutschland haben, diesem wunderschönen Land, das überall in der Welt hochgeachtet ist!“

Und ein besonderer Glücksfall für die beiden ist, dass sie nach diesen eineinhalb Jahren wieder in ihre Berufe zurückkehren können. Stefanie und Maximilian wollen mit ihren Geschichten den Menschen Mut machen, etwas zu wagen, denn: „Unsere Zeit ist definitiv irgendwann vorbei. Warum also aufschieben? Lass uns leben! Nicht später, nicht nächste Woche. Nicht morgen. Jetzt. Sofort!“

Selbstporträt der jungen Weltenbummler Maximilian Meckl und Stefanie Pröstler-Meckl in Peru auf den Anden-Gipfeln.
Foto: Maximilian Meckl | Selbstporträt der jungen Weltenbummler Maximilian Meckl und Stefanie Pröstler-Meckl in Peru auf den Anden-Gipfeln.
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