Höchheim

Der Geburtshelfer von über 60 000 Küken lebt in Höchheim

Was man beim Ausbrüten von Gänse-, Enten,-und Hühnereiern alles beachten muss und warum die Vereine für Rassegeflügelzucht mit rückläufigen Mitgliederzahlen zu kämpfen haben.
Horst Tiggemann vor zwei der Brutapparate in seinem wohltemperierten Anbau. Der gebürtige Westfale ist ein Experte, was die Rassegeflügelzucht betrifft 
Foto: Michael Petzold | Horst Tiggemann vor zwei der Brutapparate in seinem wohltemperierten Anbau. Der gebürtige Westfale ist ein Experte, was die Rassegeflügelzucht betrifft 

Dass Osterhasen Eier legen, diesen Bären hat sich Horst Tiggemann schon als Kind nicht aufbinden lassen. Denn Gänse, Enten und Hühner haben ihn sein ganzes bisheriges Leben begleitet. Und das währt jetzt immerhin schon 84 Jahre. Genauer gesagt ist es die Rassegeflügelzucht, wie der gebürtige Westfale konkretisiert. Bevor die Küken zu prächtigen Exemplaren heranwachsen, die ihrem Züchter bei diversen Ausstellungen Lob und Preise einbringen, müssen sie ja erst einmal schlüpfen aus ihrem Gehäuse aus Kalk. Hier wirkt Tiggemann, dessen landsmannschaftliche Herkunft auch nach 60 Jahren im Grabfeld noch in seiner Stimme mitschwingt, gewissermaßen als Geburtshelfer. Verfügt er doch über nicht weniger als fünf Brutapparate für Eier, die in einem eigenen kleinen Anbau Platz gefunden haben.           

Auf die Temperatur kommt es an: Blick in den mit Gänse-, Enten- und Hühnereiern bestückten Brutapparat des Hendunger Kleintierzüchtervereins.
Foto: Michael Petzold | Auf die Temperatur kommt es an: Blick in den mit Gänse-, Enten- und Hühnereiern bestückten Brutapparat des Hendunger Kleintierzüchtervereins.

Bis auf den letzten Platz erschöpft ist die Kapazität von 450 Eiern in dem großen Gerät mit den Sichtfenstern, das dem Kleintierzuchtverein Hendungen gehört. Dort liegen, der Größe nach, Eier von Pommerschen Gänsen, Höckergänsen und Streicherenten. Dazu kommen mehrere Reihen Eier von Zwerghühnern. Derzeit nicht, aber sonst nicht selten am Start sind auch die schokoladenfarbenen Eier der Marans-Hühner und die grünen Kalkgebilde, die von den Araucaner Hühner gelegt werden.   

Die nächsten Küken schlüpfen erst nach Ostern 

Tiggemann könnte noch lange weiter dozieren aus seinen Kenntnissen, die er sich in Jahrzehnte langer Beschäftigung mit dem Thema angeeignet hat. Über Brutdauer, Temperaturen, Luftfeuchtigkeit und was man sonst so alles beachten muss, wenn die Küken kurz vor dem Schlüpfen sind. Das notwendige Wenden der Eier erfolgt in den meisten Fällen automatisch. So kurz vor Ostern tut sich aber in keinem der Eier etwas, erst kommende Woche erwartet Tiggemann wieder Nachwuchs aus dem Apparat.     

Auf die Frage, wie viele Eier unter seiner Kontrolle ausgebrütet wurden, seit er 1977 damit begonnen hat, muss Tiggeman nicht lange überlegen. "Um die 60 000",  antwortet er wie aus der Pistole geschossen. Den Überblick hat er nie verloren, denn jeder Brutvorgang ist akribisch in einem seiner Bücher mit Datum, Herkunft und Anzahl festgehalten. Zwölf Jahre, von 1998 bis 2010, war Tiggemann Bezirkszuchtwart für Unterfranken. 83 Vereine gab es damals, die sich mit Rassegeflügelzucht beschäftigen, heute sind es noch rund 70. Den Rückgang erklärt er sich mit beruflichen Verpflichtungen. "Leute, die auswärts arbeiten, die gehen dann am Wochenende nicht noch in den Hühnerstall."      

Jeden Tag ein Ei - und keine Cholesterin-Probleme

900 Eier hat Tiggemann heuer in den Apparaten, von denen der älteste aus den 50er Jahren stammt, schon versorgt, seit dem Brutbeginn am 17. Januar. Bis Ende Juni/Anfang Juli dauert die Saison, wobei er bislang heuer bei 70 bis 75 Prozent Schlupf eine schlechtere Befruchtung als im Vorjahr festgestellt hat. Wer ständig mit so vielen Eiern zu hat wie er, dem mag es wohl wie dem Konditor ergehen, der außerhalb der Backstube keinen Kuchen mehr sehen kann. Bei Horst  Tiggemann ist das anders: "Ich esse jeden Tag ein Ei", sagt der Mann und betont, bislang keine Probleme mit dem Cholesterinspiegel zu haben.      

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