Bad Königshofen

Die beste Tischtennis-Mannschaft Europas kommt ins Grabfeld

Borussia Düsseldorf ist frischgebackener Championsleague- und Deutscher Pokalsieger und hat die Shakehands Arena immer gefüllt. Auch dieses Mal fragt man sich: Spielt Boll?
Timo Bolls Antrittsbesuch im vergangenen Jahr wurde garniert mit dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt und ein Erinnerungsfoto von Boll  mit Kurdirektor Werner Angermüller und Bürgermeister Thomas Helbling (rechts).
Foto: Rudi Dümpert | Timo Bolls Antrittsbesuch im vergangenen Jahr wurde garniert mit dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt und ein Erinnerungsfoto von Boll mit Kurdirektor Werner Angermüller und Bürgermeister Thomas Helbling (rechts).

Wenn es am Sonntagnachmittag auf 15 Uhr zugeht, dann werden die Herzen der Stammzuschauer des Tischtennis-Bundesligisten TSV Bad Königshofen bei den einen von Wehmut befallen sein, bei den anderen schneller schlagen. Viele werden sich an die letzten drei Jahre erinnern, in denen die Shakehands-Arena stets bis auf den letzten verfügbaren Platz gefüllt war, weil der FC Bayern des Tischtennissports, weil Borussia Düsseldorf zu Gast war: 30-mal Deutscher Meister, 27-mal Pokalsieger, 16 europäische Titel, innerhalb der letzten vier Wochen Championsleague-Sieger 2020 und DTTB-Pokalsieger 2021.

Mit dem Wohnmobil zum Spiel

Jedes Mal war im Grabfeld die Erwartung auf das "Spiel des Jahres" begleitet von der Frage, ob Timo Boll, der erfolgreichste deutsche Tischtennisspieler aller Zeiten dabei sein wird. Fehlanzeige bei den ersten beiden Malen. Beim dritten Mal hatte er für sein Wohnmobil einen Platz reservieren lassen, verbunden mit der Bitte, dies möglichst nicht an die große Glocke zu hängen. Er wollte ein paar Tage zusammen mit seiner Frau, seiner Tochter und seinem Hund, von dem er erst jüngst Abschied nehmen musste, die Ruhe und Idylle im Grabfeld genießen. Dem wurde auch voll umfänglich entsprochen. Was er sich in China nicht leisten könnte, inkognito auf dem Stellplatz, in der Therme oder über den Marktplatz zu schlendern. Kurdirektor Werner Angermüller hatte dafür gesorgt. Als Gegenleistung existiert ein einziges Erinnerungsfoto mit Timo Boll, dem Kurdirektor und Bürgermeister Helbling.

Jochen Breyer vom Aktuellen Sportstudio war Gast-Hallensprecher beim  letzten Besuch von Borussia Düsseldorf.
Foto: Rudi Dümpert | Jochen Breyer vom Aktuellen Sportstudio war Gast-Hallensprecher beim letzten Besuch von Borussia Düsseldorf.

Obwohl das Rätsel, kommt Boll oder nicht, ungelöst war, füllte sich die Halle so frühzeitig wie nie zuvor. Am Mikrofon wurde er nicht nur vom Hallensprecher Jürgen Halbig, sondern auch von Jochen Breyer, Moderator des ZDF-Sportstudios als „Gast-Hallensprecher“ begrüßt. Und schon vor dem Spiel frenetisch gefeiert. Eine gewiss sehr seltsame Situation, dass ein Publikum einem Gästespieler solche Ehrerbietung erweist. Das Spiel selber sollte zur Revanche für die zwei Heimspielniederlagen werden, die die große Borussia zuvor in ihrer ARAG-Arena gegen den Underdog aus dem Grabfeld in den ersten zwei TTBL-Spielzeiten bezogen hatte.

Timo Boll spielte erst gegen Bastian Steger und nach seinem Sieg mit der Zuneigung des Publikums.
Foto: Rudi Dümpert | Timo Boll spielte erst gegen Bastian Steger und nach seinem Sieg mit der Zuneigung des Publikums.

Sie gelang. Timo Boll trug zwei Einzelsiege bei. Bad Königshofen musste ohne Kilian Ort und ohne Mizuki Oikawa antreten und verlor mit 1:3. Boll (39) besorgte den dritten Punkt mit 3:1 Sätzen gegen seinen Nationalmannschaftskollegen Bastian Steger, der elf Tage jünger ist. Was nach dem letzten Ballwechsel um 17:43 Uhr los war, dürfte einzigartig in der Bundesliga gewesen sein. Die Halle war aus dem Häuschen. Boll hatte soeben den Lokalmatador geschlagen, damit die Gastgeber-Mannschaft besiegt und dennoch feierte ihn das Publikum mit stehenden Ovationen.

Sprechchöre für den Tischtennis-Star

Dazu der ZDF-Mann Jochen Breyer, den der mit ihm gut bekannte Oliver Haschke zu diesem Besuch animiert hatte, in einem Kommentar: „Bad Königshofen ist der Beweis, dass 1000 Fans so laut sein  können, als seien 10.000 in der Halle – mindestens. Ich bin ja vor allem in großen Fußball-Arenen unterwegs, aber dennoch hat mich die Atmosphäre im ´kleinen` Bad Königshofen wirklich gepackt. Genau so wie der Sportsgeist der Königshofener. Es gab Sprechchöre für Timo Boll, den Star der gegnerischen Mannschaft, er wurde minutenlang gefeiert. Toll! Dazu noch das Gefühl, einem Familienfest beizuwohnen, weil sich fast alle kennen und viele mit anpacken. Diese Mischung aus hochklassigem Sport und familiärer Atmosphäre macht die Heimspiele von Bad Königshofen zu einem ganz besonderen Erlebnis.“

Timo Boll, er wird am 8. März 40, muss, eigenen Aussagen zufolge, mit seinem Körper und seiner Gesundheit nach 23 Profi-Jahren sorgsam umgehen und seine Einsätze entsprechend dosieren. Ob er am Sonntag mit von der Partie sein wird, entscheidet er wie immer selber und er geht bekanntlich sehr sorgsam damit um. Sein vielleicht letztes großes Ziel sind die Olympischen Spiele kommenden Sommer in Tokio, wo er nach seinen drei Medaillen mit dem Team allzu gern auch eine Einzelmedaille  gewinnen möchte. Ein Ziel ist aber auch der 31. deutsche Meister-Titel seiner Borussia, den aktuellen Tabellenführer mit 20:2-Punkten. Mit ihm wird ein Gästesieg wahrscheinlicher, ohne ihn nur unbedeutend weniger. Er würde ersetzt durch einen anderen Nationalspieler, Ricardo Walther.

Das Spiel, das ohne Zuschauer stattfinden muss, wird vom Internet-Fernsehsender sportdeutschland.tv Tischtennis im Livestream ab 14.55 Uhr übertragen.

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