Bad Königshofen

Ein Sommer-Monat für die Regenschirme

Noch halten sich die Ausuferungen an der Saale in Bad Königshofen in Grenzen. Sollte es aber weiter so regnen, drohen großflächigere Überschwemmungen.
Foto: Michael Petzold | Noch halten sich die Ausuferungen an der Saale in Bad Königshofen in Grenzen. Sollte es aber weiter so regnen, drohen großflächigere Überschwemmungen.

Der Juli des vergangenen Jahres hat gute Chancen in die Wetterhistorie der Stadt einzugehen. Die Regenmenge war rekordverdächtig.

Bei der Recherche staunte auch Wetterbeobachter Hilmar Mauer. Der Merkershäuser ist seit immerhin 27 Jahren ehrenamtlich für den Deutschen Wetterdienst tätig und erfasst alljährlich die Niederschlagsmengen. Denn der vergangene Juli war nicht nur 2017 der mit 180,5 Litern auf den Quadratmeter Abstand regenreichste Monat, auch in den bis 1903 zurückgehenden Aufzeichnungen finden sich nur zwei Julis, in denen mehr Wasser vom Himmel fiel. 1926 regnete es im siebten Monat des Jahres 215 Liter, 1956 waren es 181,4 Liter.

Das erste Mal seit 2010 wieder über dem Mittelwert

Natürlich ist der Juli 2017 auch hauptsächlich dafür verantwortlich, dass die Jahresniederschlagsmenge mit 708,4 Litern zum ersten Mal seit 2010 wieder über dem langjährigen Mittelwert von 619, 6 Litern lag. Das langjährige Mittel errechnet sich übrigens aus den Monats- und Jahresdaten der Jahre 1981 bis 2010.

Der Durchschnittswert für einen Juli liegt bei 70,9 Litern, was angesichts der tatsächlich gefallenen 180,5 Liter eine Steigerung um 109,6 Liter oder 154,6 Prozent ausmacht. Im Vergleich zum Jahr 2016, als nur gut 50 Liter Regen gemessen wurden, waren es sogar fast dreieinhalb Mal soviel.

Das Jahr 2017 hatte mit viel Trockenheit begonnen

Dabei hatte es Anfang des Jahres ganz danach ausgesehen, als ob auch 2017 ein eher trockenes Jahr werden würde. Bis Mai hatte es nur rund 87 Liter geregnet, gerade einmal etwas mehr als die Hälfte der bis zu diesem Zeitpunkt normalen 165 Liter. Angesichts der stark abgefallenen Pegel in den Brunnen zogen die Bad Königshöfer Zweckverbände für die Trinkwasserversorgung die Notbremse. Sie beschlossen umfangreiche Einschränkungen. Kein Rasen durfte mehr bewässert, kein Auto mehr zu Hause gewaschen werden, von der Befüllung von Swimmingpools ganz abgesehen.

Mit dem Wonnemonat kam die Niederschlagswende

Mit dem Mai kam dann die Wende. Bis zum Jahresende lagen die Niederschläge bis auf den Oktober und Dezember immer über dem Soll. Auch der August mit 85,4 Litern – normal wären 59,7 Liter gewesen – trug deutlich zur Entspannung der Lage bei. Zusammen mit dem Juli fielen allein in diesen beiden Hochsommermonaten über 266 Liter, mehr als ein Drittel der Jahresmenge. Und das ausgerechnet in der Zeit, in der die Bauern die Ernte einfahren wollten, während es im Frühjahr, in dem Regen willkommen ist, viel zu trocken war.

Ein wetterhistorisch interessantes Jahr

Die 708,4 Liter Jahresniederschlagsmenge sind auch wetterhistorisch für für Bad Königshofen interessant. Denn es gab seit 1903 nur 13 Jahre, in denen mehr Niederschlag gemessen wurde. Das geht aus den Aufzeichnungen hervor, die im Besitz von Hilmar Mauer sind. Das Rekordjahr war 1966 mit 902 Litern. Noch gut in Erinnerung ist Mauer aber der 9. August 1988, als es an der Wetterstation in Merkershausen an einem Tag 126,8 Liter geregnet hatte. Viel mehr kam damals im August aber nicht mehr runter, im gesamten Monat waren es 149 Liter.

Im Vergleich zu anderen Gemeinden ist das alles immer noch nicht spektakulär. Balderschwang im Oberallgäu gilt als der regenreichste Ort in ganz Deutschland. Die rund 2600 Liter Niederschlag 2017 liegen durchaus im Normalbereich, hier hat es auch schon einmal über 3500 Liter im Jahr geregnet.

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