Wechterswinkel

Erstlingswerk der Bad Neustädter Pianistin

Anne Riegler Wechterswinkel       -  Freudestrahlen nach einem gelungenen und umjubelten Konzert. Pianistin Anne Riegler im Festsaal von Kloster Wechterswinkel.
Foto: Stefan Kritzer | Freudestrahlen nach einem gelungenen und umjubelten Konzert. Pianistin Anne Riegler im Festsaal von Kloster Wechterswinkel.

Im vergangenen Jahr hatte sich Anne Riegler ein paar Tage lang in Kunst und Kultur Kloster Wechterswinkel vergraben. Ganz konzentriert hat sie dort ihre erste CD eingespielt. Die Pianistin aus Bad Neustadt, die in St. Petersburg studiert hat und derzeit in New York ihr Masterstudium absolviert, hat nun ihr Erstlingswerk dort vorgestellt, wo sie es produziert hat. Der Komponist Maurice Ravel stand hierbei im Mittelpunkt.

Ein wohlfeiles Konzertprogramm will moderiert sein, dachte sich Anne Riegler und begrüßte ihr Publikum im gut besuchten Festsaal. Schließlich gab es viel zu erzählen: Von ihrer Heimat, ihrem Studium und natürlich von ihrer ersten Solo-CD-Produktion, die sie in heimischen Gefilden einspielen wollte. Auf dem Steinway-Flügel in Wechterswinkel.

Alles dreht sich um Maurice Ravel

„Der Flügel stand damals quer im Raum“, erinnerte sich die Pianistin. Anne Riegler, Tochter des Bad Neustädter Kantorenehepaares Karin und Thomas Riegler, hatte sich für ihre erste CD ein anspruchsvolles Programm ausgesucht, das sich auch im ersten Teil des Vorstellungskonzertes ganz um den französischen Komponisten Maurice Ravel (1875-1937) drehte. Der hatte nämlich „a la maniere“, zu deutsch: in Art und Weise, Werke über eine ganze Reihe zeitgenössischer und früherer Komponisten und deren Werke vertont.

Diese mit den Originalen von Haydn, Chabrier oder Couperin gemeinsam zu präsentieren, war das Anliegen von Anne Riegler.

Das Foto auf dem Programmblatt der Pianistin zeigt sie am Flügel aus dessen Inneren ein Farbbeutel zu explodieren scheint. Genau so nahm das Publikum das Spiel von Anne Riegler wahr. Als eine an Klangfarben reiche wie auch auch reife Interpretation durch eine Fülle an unterschiedlichen Musikstücken. Mit der Sonate von Joseph Haydn in D-Dur eröffnete Anne Riegler den Abend. Sogleich kontrastierte sie das Eröffnungswerk mit Ravels Menuett über den Namen Haydn. Auch die Idylle aus den „Pieces Pittoresques“ von Emmanuel Chabrier stellte die Pianistin ein Stück von Ravel wunderbar gegenüber. Herrlich perlend und spritzig das Scherzo von Alexander Borodin, das nachfolgende Allegretto aus der Serenade jedoch mit viel Tiefgang und Nachdruck versehen. Und auch diesen Komponisten hatte Ravel mit einem eigenen Werk bedacht aus welchem Anne Riegler den Walzer und das Allegro giusto präsentierte.

Francois Couperins „Le Tic-Toc-Choc“ aus dem Jahre 1722 führte das Publikum zurück ins Zeitalter des Barock, das Maurice Ravel mit einer großartigen Hommage bedacht hatte. Diese geriet zum Höhepunkt des ersten Programmteils. Anne Riegler glänzte in beeindruckender Art und Weise und steigerte ihr Spiel vom Prélude über ein Menuett hin zur rasenden Toccata. Das Publikum erhob sich schon zu Beginn der Pause zum Applaudieren von den Plätzen.

Ravel und seine Arten und Weisen ließ Anne Riegler im zweiten Teil des Konzertprogramms außen vor. Stattdessen neue Arbeiten aus ihrem Studium rund um die deutsche Romantik. Von Franz Schubert spielte sie die Sonate a-moll, ein Werk, das der Komponist schwer erkrankt und schon im Anblick des nahen Todes komponierte. „Da war Schubert gerade mal so alt wie ich jetzt!“, bemerkte Anne Riegler nachdenklich.

Die zweifellose Düsternis gab dem Werk den Tiefgang, der die Pianistin aber nicht ganz und gar folgen wollte. Der „Faschingsschwank aus Wien“ von Robert Schumann schließlich das programmatische Gegenteil, ein voller Lebensfreude sprühendes spritziges und im Finale höchst lebhaftes Musikstück.

Wie die Karriere weitergeht

Anne Riegler, die kurz nach dem Konzert wieder zum Studium nach New York an die Mannes School reiste, begeisterte ihr Publikum mit einem ebenso eindrucksvollen wie ausdrucksstarkem Spiel. Man darf ebenso gespannt erwartungsfroh sein, wie die Karriere der jungen Pianistin weitergehen wird. Auf der Leiter kann es aber eigentlich nur nach oben gehen.

Einen Wermutstropfen gab es nach dem Konzert aber trotzdem. Anne Riegler hatte ihre neue CD gar nicht dabei. Die Produktion hatte sich verzögert. Erst in drei Wochen soll die silberne Scheibe lieferbar sein. Das Publikum in Wechterswinkel nahm es gelassen und erhält die CD bei Vorlage der Eintrittskarte trotzdem zum ermäßigten Konzertpreis. Allerdings nicht im Kloster, sondern in der Tourist-Info in der Spörleinstraße, Bad Neustadt. Dort ist die erste CD von Anne Riegler dann dauerhaft erhältlich.

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