Bad Neustadt

Fund bei Haussanierung: Zeitung aus dem Jahr 1927

Einen Teil des Würzburger Generalanzeiger aus dem Jahr 1927 wurde bei Arbeiten in der Kolpingstraße gefunden.
Foto: Andreas Sietz | Einen Teil des Würzburger Generalanzeiger aus dem Jahr 1927 wurde bei Arbeiten in der Kolpingstraße gefunden.

Während Studenten  gerade zwischen Salz und Niederlauer auf die spannende Suche nach geschichtlichen Wurzeln der Kaiserpfalz sind, gibt es auch kleine Schätze, die im Privaten geborgen werden wollen.

Der Zufall spielt eine große Rolle. 1926 entstanden die Reihenhäuser in der Kolpingstraße, direkt unter der Stadtmauer und der Mariä Himmelfahrt-Kirche. Eines der einst der Stadt gehörenden Häuser erwarb die Familie Krisch 1982. Nun standen Sanierungsarbeiten im Bodenbereich an.

Abo für 1,50 Mark

Alte Dielen raus, neue rein. Günter Krisch, der Sohn von Hannelore und Helmut Krisch, witzelte bei den Arbeiten noch, als er die alten Holzbalken, mit Sand ausgefugt, als Untergrund sah. „Vielleicht ist ja eine Zeitkapsel versteckt“. Kaum hatte er das gesagt, fand er ein Stück Zeitung von 1927. Aus dem Jahr, in dem wohl die Innenarbeiten an den Reihenhäusern auf dem Plan standen. 1,50 Reichsmark im Monat kostete der Würzburger Generalanzeiger mit süddeutschem Holzverkaufs- und Submissionsanzeiger.

Ein geschichtliches Großereignis, das um die Welt ging. Das Erdbeben in Japan.
Foto: Andreas Sietz | Ein geschichtliches Großereignis, das um die Welt ging. Das Erdbeben in Japan.

Die Ausgabe, die er gefunden hat, stammt vom 9. März 1927. Der erste Weltkrieg ist längst zu Ende und an einen weiteren dachte damals noch niemand. Wilhelm Marx war Reichskanzler, Paul von Hindenburg Reichspräsident, der erste Volvo verließ das Werk auf der Insel Hisingen, amerikanische Autos drängten auf den deutschen Markt, nun ist nicht mehr Melbourne die Hauptstadt Australiens, sondern Canberra, Charles Lindberg fliegt nonstop von New York nach Paris und der Hindenburgdamm, der die Insel Sylt mit dem Festland verbindet, wird feierlich eröffnet.

Ein gespaltenes Land

In Deutschland wird erstmals eine Arbeitslosenversicherung eingeführt. Wirtschaftliche Not bestimmte in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg den Alltag eines Großteils der Deutschen. Aber, die Gesellschaft der Weimarer Republik war gepalten. Dem während der ”Goldenen Zwanziger” grassierenden Elend der am Rande des Existenzminimums lebenden Arbeiterfamilien stand eine Kunst- und Kulturszene mit einem avantgardistischen Lebensstil kaum dagewesener Intensität gegenüber.Georg Gershwins Musical „Funny Face“ feiert Premiere in New York und die Comedian Harmonists werden in Berlin gegründet. Zahlreiche Musicals, Operetten und Opern feiern Premiere und sorgen für stets volle Häuser. Die Berliner Ballsaison glänzt wie nie zuvor. 

In dem außergewöhnlichen Fundstück wird neben „Fränkische Neuste Nachrichten“ vor allem über das schwere Erdbeben in Japan berichtet. In Berlin steht das Volksbegehren gegen die Mieterhöhung im Fokus und aktuell wird aus gegebenen Anlass berichtet, dass man nicht mit Gewehren spielen möge. Vor allem nicht in Coburg, das damals noch mit „K“ geschrieben wurde. Was mit dem Fundstück geschehen soll, steht nach Familie Krisch noch offen. Eines wurde aber deutlich, auch „Sanieren“ kann spannend sein.   

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