Bad Neustadt

In Rhön-Grabfeld: Ein vierfacher Kampf um das Landratsamt

Gleich vier Kandidaten, die Chef des Landkreises werden wollen - gab es das in Rhön-Grabfeld schon einmal? Und wenn ja, wie oft?
Bei der Kommunalwahl am 15. März 2020 haben die Wähler in Rhön-Grabfeld die Möglichkeit aus vier Kandidaten den neuen Landrat zu bestimmen.
Foto: Daniel Schäfer/dpa | Bei der Kommunalwahl am 15. März 2020 haben die Wähler in Rhön-Grabfeld die Möglichkeit aus vier Kandidaten den neuen Landrat zu bestimmen.

Seit der Gebietsreform im Jahr 1972, als die drei ehemaligen Landkreise Bad Neustadt, Bad Königshofen und Mellrichstadt zu Rhön-Grabfeld zusammengefasst wurden, hatte der neue große Landkreis gerade einmal drei Landräte. Karl Grünewald von den Freien Wählern war es bis 1976, darauf folgte Fritz Steigerwald, der zunächst für die Freien Wähler, danach für die CSU antrat, von 1976 bis 2003. Und seit 2003 ist Thomas Habermann von der CSU Landrat von Rhön-Grabfeld.

Auch 2020 ein Kandidaten-Quartett

Das ist er noch bis zur Kommunalwahl 2020. Dann wird es spannend, denn als dieser Tage auch noch ein Kandidat von Die Grünen/Bündnis90 seinen Hut in dem Ring warf, war ein Kandidaten-Quartett zusammen, das sich bei der Wahl im kommenden Jahr um das Amt des Landrats von Rhön-Grabfeld bewirbt: Amtsinhaber Thomas Habermann (CSU), Thorsten Raschert (SPD), der es schon 2014 als gemeinsamer Kandidat von SPD und Grünen versuchte, Karl Graf Stauffenberg (FDP)  und Yatin Shah (Grüne).

Gleich vier Kandidaten, die auf den Chefsessel des Bad Neusatädter Landratsamtes wollen, das gibt es nicht oft. Zwei oder drei Kandidaten, das kam schon öfters vor. Aber vier Bewerber gab es bisher erst einmal. Und das ist auch schon lange her. 1994 traten Fritz Steigerwald für die CSU, Vilmar Herden für die SPD, Gottfried Fauser für die Grünen und Gerd von Vangerow-Nagel für die Liste Unabhängige Bürger an.

Ungültige Wahl

Allerdings war diese Wahl nicht gültig, wie das Bundesverwaltungsgericht drei Jahre später abschließend urteilte. Gerd von Vangerow-Nagel hatte auf Ungültigkeit der Wahl geklagt, weil damals 37 Bürgermeister von Rhön-Grabfeld in einer Anzeige eine Wahlempfehlung für Steigerwald abgegeben hatten, der dann auch gleich im ersten Wahlgang gewann.

Nach der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts war am 13. Juli 1997 eine erneute Landratswahl nötig. Da traten dann aber nur noch drei Kandidaten an, weil Gerd von Vangerow-Nagel nicht als Kandidat zugelassen wurde. Er hatte nicht die nötigen Unterstützer-Unterschriften für eine Kandidatur zusammengebracht. Auch dagegen klagte er, verlor aber. Steigerwald gewann dann gegen Herden und Fauser mit 69,5 Prozent der Stimmen.

Wahl außer der Reihe

Die Wahlanfechtung und die erneut angesetzte Landratswahl bedeutete für Rhön-Grabfeld, dass sich die künftigen Wahltermine verschoben. Aus der Reihe der normalen Kommunalwahlterminen war er allerdings schon 1976 gefallen, weil in diesem Jahr der damalige Landrat Dr. Karl Grünewald gestorben war. Der Rhön-Grabfelder Landrat wurde von da an immer zwei Jahre vor der regulären Kommunalwahl von den Wählern bestimmt.

Die Anfechtung der 94er-Wahl mit Wiederholung 1997 führte dann zu einer erneuten Verschiebung. Von da an wurde der Landrat immer ein Jahr nach der regulären Komunalwahl gewählt. Das nächste Mal war also 2003, als Thomas Habermann die Nachfolge von Fritz Steigerwald antrat. Erst seit 2008 laufen Kommunalwahl und Landratswahl in Rhön-Grabfeld wieder gleichzeitig, weil Habermann damals auf seine komplette Amtszeit bis 2009 verzichtete und sich bereits 2008 zur Wiederwahl stellte.

Mehr als vier Kandidaten werden es im kommenden Jahr wohl nicht werden, obwohl das rein terminlich natürlich durchaus möglich wäre. Das reguläre Fristende für das Einreichen von Wahlvorschlägen ist erst der 23. Januar 2020. Es könnten theoretisch also sogar noch fünf oder sechs Landratskandidaten werden.

Stichwahl wahrscheinlicher

Und mit jedem Kandidaten mehr wächst die Wahrscheinlichkeit einer Stichwahl. Denn gewählt ist ein Kandidaten erst dann, wenn er mindestens 50 Prozent plus eine Stimme hat, also die absolute Mehrheit. Käme keiner der Kandidaten auf die 50 Prozent plus eins, dann geht es am 29. März in eine zweite Wahlrunde mit den beiden Kandidaten, die in Runde eins die meisten Stimmen bekommen haben.

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