Schweinfurt

Mann wollte Mädchen ins Auto zerren

Am Donnerstagmorgen noch durchkämmten Polizisten der Würzburger Bereitschaft ein Waldstück an der Mellrichstädter Mittelschule, wo es zu einer versuchten Entführung kam. Am Nachmittag konnte dann ein dringend Tatverdächtiger im thüringischen Suhl gefasst werden.
Foto: Gerhard Fischer | Am Donnerstagmorgen noch durchkämmten Polizisten der Würzburger Bereitschaft ein Waldstück an der Mellrichstädter Mittelschule, wo es zu einer versuchten Entführung kam.

Plausibel klingt es für keinen im Gerichtssaal, was der Beschuldigte über den 25. Oktober 2016 berichtet – „im Nachhinein“ nicht einmal für ihn selbst: Er habe sich mit dem Mädchen, das er am Friedhof in Mellrichstadt versuchte, in sein Auto zu zerren, unterhalten wollen, habe einen Gesprächspartner gesucht. „Kinder haben bessere Sichtweisen auf manche Themen“, sagte er in der Hauptverhandlung vor dem Schweinfurter Jugendschöffengericht.

Handy geschnappt

Weil er dem zehnjährigen Mädchen, das sich auf dem Heimweg von der Schule befand, auch gewalttätig das Handy entriss, lautete die Anklage auf Raub – in Kombination mit vorsätzlicher Körperverletzung, versuchter Kindesentziehung, versuchter Freiheitsberaubung und vorsätzlichem Fahren ohne Fahrerlaubnis. Nach seiner Festnahme zwei Tage später fand die Polizei bei dem Mann zudem mehr als 100 kinderpornografische Bilder im Cache-Speicher des Internetbrowsers sowie einschlägige Suchanfragen auf dem Smartphone.

In einer schriftlichen Erklärung räumte der 41-jährige Thüringer, der im Drogeneinfluss nach eigener Aussage „in rastloser Stimmung“ tagelang durch die Lande bis nach Unterfranken gefahren war, große Teile der Anklage ein. Was er abstritt: jemals Kinderpornobilder „bewusst“ gesehen zu haben. Die gefundenen Bilder erklärte er sich nur durch wildes Herumklicken auf legalen Pornografie-Webseiten, die er regelmäßig besucht.

Kinderporno-Suche auf dem Handy

„Kinderpornografie wird einem nicht auf dem Silbertablett serviert“, entgegnete der Vorsitzende Richter. Auch Handy-Suchanfragen wie „11 Jahre schamloses Stück“, kombiniert mit einem offenkundig missglückten Löschversuch der Suchhistorie am folgenden Tag, schürten Zweifel an der Version des Beschuldigten.

Ein Drogentest mit einer Haarprobe des Mannes ergab zwei Tage nach dem Tatzeitpunkt eine Mischung an Drogen im Körper des Beschuldigten, von Amphetamin bis THC. Zeugenaussagen über das Kennzeichen des Täters und eine Video-Aufnahme einer Tankstelle, an der er eine halbe Stunde zuvor getankt hatte, führten zwei Tage nach der Tat zum mutmaßlichen Täter in Thüringen.

Der hatte zunächst flüchten können, wurde dann aber in Untersuchungshaft versetzt.

Mädchen leidet bis heute

Bis heute hat das Mädchen laut Aussage der Mutter mit der Tat zu kämpfen: Die Schulleistungen der inzwischen Elfjährigen haben nachgelassen, sie hat Hemmungen, den Schulweg allein zu gehen oder ohne Begleitung im Freien zu spielen. Die körperlichen Blessuren, eine Platzwunde am Kopf und eine Schädelprellung, waren nach wenigen Wochen verheilt.

Drei Jahre und sechs Monate lautete die Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung plädierte auf zweieinhalb Jahre Haft. Das Schöffengericht reizte in seinem Urteil den maximalen Strafumfang aus: Der 41-Jährige muss für vier Jahre ins Gefängnis.

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