Mellrichstadt

Mellrichstädter Wald ist mit einem blauen Auge davongekommen

Für ein Defizit sorgte die  Waldbewirtschaftung im vergangenen Jahr (Symbolbild).
Foto: Norbert Vollmann | Für ein Defizit sorgte die  Waldbewirtschaftung im vergangenen Jahr (Symbolbild).

Mit Geschäftsführer Andree Link und den beiden Revierförstern Michael Merkel und Otfried Pankratius von der Forstbetriebsgemeinschaft Obere Rhön konnte Bürgermeister Michael Kraus die "geballte Forstkompetenz" zur Sitzung des Land- und Forstwirtschaftsausschusses der Stadt Mellrichstadt begrüßen.

Andree Link kündigte einen Vortrag in Wellenform mit Hochs und Tiefs an. "Geht gnädig mit uns um", bat er die Ausschussmitglieder, er wolle versuchen, Negatives zu erklären. Positiv stellte er die gute Zusammenarbeit im Team und mit dem Bürgermeister heraus, sie hätten immer einen regen Austausch mit ihm. Michael Merkel begann mit dem Rückblick auf das Forstwirtschaftsjahr 2020. Der geplante Holzeinschlag lag bei 4780 Festmetern, geschlagen wurden 4129 Festmeter. Holzgeldeinnahmen von 139 603 Euro standen 125 447 Euro an Ausgaben für die Holzgewinnung gegenüber. Der durchschnittliche Erlös lag bei ca. 42 Euro, die durchschnittlichen Aufarbeitungskosten bei ca. 30 Euro je Festmeter. Das seien noch vertretbare Kosten, hieß es in der Sitzung.

Neue Förderrichtlinien für die Jungbestandspflege

Für die Jungbestandspflege sind ab Herbst 2020 neue Förderrichtlinien in Kraft getreten. Die Pflege war nur in geringem Umfang möglich, die Ausgaben dafür lagen bei 7614 Euro. Für den gepflanzten Speierling mussten andere Baumarten weggenommen werden. Im Rahmen einer Nachbesserung wurden im oberen Wald ca. 23 000 Pflanzen mit einem Aufwand von 41 716 Euro gepflanzt. Otmar Pankratius hatte eine gute Nachricht für Mellrichstadt: der Wald steht noch. Das Ergebnis zeige, dass die Arbeit sich noch lohne. Michael Merkel fügte an, dass sie mit 76 Prozent Planerfüllung im Vergleich mit Forstbetrieben in Unterfranken und auch Kommunen nicht schlecht dastünden, sie seien gebeutelt, leben noch, müssten aber weiterkämpfen.

Für Verkehrssicherungsmaßnahmen in Eußenhausen (Buchen und Kiefern), Sondheim/Grabfeld (Kiefern und Eschen) und Bahra (Fichten und Kiefern) schlugen Ausgaben von 9612 Euro zu Buche. In diesem Zusammenhang dankte der Förster den Mitarbeitern und Leitern des Bauhofs Mellrichstadt, des Kreisbauhofs Nordheim und der Straßenmeisterei Rödelmaier, die sie immer sehr gut unterstützt hätten. Im Bereich Mühlfeld erfolgte das Freischneiden des Lichtraumprofils, verbunden mit Ausgaben von 6132 Euro.

Ein deutliches Minus von rund 66 000 Euro

Zur Vermarktung des Stadtwaldes hatte Andree Link einiges zu sagen. Im Mittelpunkt stand die Fichte. Der Richtpreis entwickelte sich stetig abwärts von 93 Euro Pro Festmeter im Jahr 2018 bis zu 46 Euro von Mai bis September 2020. Die spärliche zeitverzögerte Abfuhr bedeutete einen weiteren Wertverlust. Der Verkauf von 3454 Festmetern zu einem Preis von 148 101 Euro ergab einen Durchschnittspreis von 42,87 Euro pro Festmeter. Unverkauft blieben 2020 895 fm. Insgesamt führten Ausgaben von 319 826 Euro bei Einnahmen von 253 766 Euro zu einem negativen Ergebnis von 66 060 Euro. Aus seiner Sicht viel Geld, meinte Förster Merkel. Aber wenn Vergleiche gezogen würden, sei dies noch ein gutes Ergebnis, wenn die Rahmenbedingungen angeschaut würden.

Nach Meinung von Bürgermeister Michael sei die Stadt mit einem blauen Auge davongekommen. Das ganze Jahr über hätte er immer wieder Anrufe und Hinweise erhalten, wie es aussehe und dass es in die roten Zahlen ginge. Borkenkäfer und massiver Preisverfall konnten kein gutes Ergebnis erwarten lassen. Otfried Pankratius zeigte das Beziehungsgeflecht des Ökosystems Wald auf, in dem Holzproduktion und stoffliche und energetische Holznutzung ein kleiner Teil seien. Der Wald sei es wert, dass er als Schutzgut erhalten wird. Unterstützung für private und kommunale Waldeigentümer gibt es mit der Bundeswaldprämie.

Forstbetriebsplan für 2021 genehmigt

Michael Merkel stellte dann die Jahresbetriebsplanung 2021 vor. Der geplante Holzeinschlag von 5288 Festmetern soll Einnahmen von 218 000 Euro generieren. An Ausgaben für die Holzernte sind 129 500 Euro vorgesehen. Geplant ist, 25 000 Pflanzen für 50 000 Euro zuzukaufen, die in den Bereichen Sondheim/Grabfeld, Bahra, Frickenhausen, Oberer Wald und Mühlfeld gepflanzt werden sollen. Neben Buchen und Eichen sind als neue Pflanzen Speierling und Elsbeere Bäume, die noch relativ gut gegen den Klimawandel gerüstet sind. Ca. 32 Hektar Jungbestandspflege in der Hart zwischen Ponyhof und Willmars sind mit 32 000 Euro angesetzt. Bei Einnahmen von 436 100 Euro und Ausgaben von 363 380 Euro erwartet das Forstteam ein positives Ergebnis von 72 720 Euro. Muss nur noch die Natur mitspielen. Einstimmig beschloss das Gremium den Forstbetriebsplan für 2021.

Gehofft hatten sie von der FBG auch, wieder den traditionellen Holzverstrich durchführen zu können, der aber abgesagt werden musste. Sie würden fertige Hölzer im Oberen Wald, in Eußenhausen und Mühlfeld im Lohnverfahren machen. Ortschaftsweise einzeln und per Telefon kann sich angemeldet werden.  Viele Bäume wurden und werden gepflanzt, 23 000 im Jahr 2020 und 25 000 sollen es in 2021 werden, stellte er fest. Förster Merkel habe im Oberen Wald in der Nähe der Jagdhütte eine geeignete Fläche gefunden, in der in einer Pflanzaktion mit den Eltern Bäume für Neugeborene der Stadt Mellrichstadt gepflanzt werden sollen.

Bäume bleiben für Selbstwerber liegen

Kraus sprach den Waldbestand unterhalb des Tennisplatzes an, dessen wirtschaftliche Nutzung schwierig sei. Bäume wurden gefällt. Das Bergen und Vermarkten hätte den Kosten/Nutzen-Bereich gesprengt. Deshalb würden sie Bäume für Selbstwerber liegen lassen. Die Bogenschützen seien hier aktiv, es soll ein Jagdbogen-Parcours entstehen. Die Verkehrssicherungspflicht liege bei der Stadt als Waldeigentümer. Unterhalb des Hundeplatzes soll auf einer kommunalen Fläche ein Fahrrad-Trail entstehen. Durch eine Forstbeschau soll das Haftungsrisiko abgeklärt werde.

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