Bad Königshofen

Naturschutz: 30 Kopfweiden säumen den Bachlauf

Fabian Wolf gab Hilfestellung, als die Kinder mit dem schweren Hammer, den Holzstecken in die Erde schlugen.
Foto: Hanns Friedrich | Fabian Wolf gab Hilfestellung, als die Kinder mit dem schweren Hammer, den Holzstecken in die Erde schlugen.

Zu einer Pflanzaktion hatte Sabine Rhein von der Energieinitiative Rhön-Grabfeld Kinder und Jugendliche eingeladen. Am Breitenbach, einem Zulauf der Fränkischen Saale, pflanzten die Kinder 30 Kopfweiden. Die neue Gruppe, die sich "Wilde junge Energie" nennt, trifft sich drei bis viermal im Jahr, um konkrete Maßnahmen im Bereich Natur- und Klimaschutz durchzuführen. Dazu gehörte nun auch das Pflanzen von Kopfweiden.

Sabine Rhein erinnerte daran, dass auch in Bad Königshofen einst Kopfweiden standen, zum Beispiel am Büttnersee. So sei die Idee gereift, diese Aktion durchzuführen. Deshalb hatte sie vor einigen Wochen Zweige von einer Kopfweide geschnitten und diese ins Wasser gestellt. Mittlerweile haben diese Zweige Wurzeln gezogen und konnten gepflanzt werden.

Regelmäßig schneiden

Die Kinder erfuhren, dass eine Weide viel Wasser benötigt und deshalb an Bächen und Flüssen zu finden ist. Von verschiedenen Weidearten berichtete Sabine Rhein, von den Trauerweiden beispielsweise, die hängende Zweige haben. Ganz anders ist es bei der Kopfweide, die geschnitten werden muss, um diese Form zu bekommen. Das geschieht im Turnus von zwei Jahren. Dann werden alle Zweige abgeschnitten, so dass nur noch der Baumstamm steht. Die Weide treibt danach erneut aus und wird nach zwei Jahren wieder geschnitten. "Dabei wird der Baumstamm immer dicker und bekommt einen Kopf mit dünnen Ästen".

In dem knorrigen Baumstamm leben sehr viele Insekten und auch Vögel nisten dort. "Das ist der Aspekt für die Natur, aber den Menschen diente der Baum zum Flechten von Weidenkörben oder auch Weidenzäunen, deshalb pflanzten sie diese Baumart."

Naturkundliches Kleinod

Darauf wird auch bei Führungen auf dem Weidenlehrpfad am Seebach in Streufdorf verweisen. Dort ist ein naturkundliches und pädagogisches Kleinod entstanden. Hier erfährt man, dass Landwirte den Überlebenswillen dieser Bäume oftmals unterschätzten, als sie ihre Viehweiden damit einzäunten. Selbst zum Zaunpfosten verstümmelt, trieb manches Holz wieder aus und wuchs zum Baum heran.

Gut eine Stunde waren die Kinder und Jugendlichen am Wochenende am Breitenbach, einem Zulauf der Fränkischen Saale aktiv, um Zweige der Kopfweide in die Erde zu bringen.
Foto: Hanns Friedrich | Gut eine Stunde waren die Kinder und Jugendlichen am Wochenende am Breitenbach, einem Zulauf der Fränkischen Saale aktiv, um Zweige der Kopfweide in die Erde zu bringen.

Spätestens seit dem Mittelalter wussten die Menschen um die Kultur der Kopfweide. Sie war Grundlage des Flechthandwerks, das Körbe, Möbel oder Fischreusen produzierte. Zudem wurden die Ruten auch als Baustoff in Lehmhäusern genutzt. Heute sind diese Weiden selten geworden, preiswerte Kunstfasern haben ihre Pflege und Ernte überflüssig gemacht. Daher steht die Handwerkskunst des Weidenflechtens aktuell auch kurz davor, ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen zu werden.

Hier fühlen sich Kleinlebewesen wohl

Mit den Kopfweiden ginge nicht nur eine alte Tradition verloren, sondern auch Lebensraum für Kleinlebewesen und seltene Tiere wie Siebenschläfer, Fledermaus und Steinkauz. Die Bäume wachsen und blühen selbst dann noch, wenn sie nahezu vollständig hohl sind. Damit sind sie wertvolle Nektar- und Pollenweide für erste Bienen und Schmetterlinge im Jahr.

Nach diesen Informationen ging Sabine Rhein mit den Kindern und Jugendlichen  an die Fränkische Saale. Es wurde nicht nur der Weidenstecken etwa 40 Zentimeter in die Erde gebracht, sondern auch ein Holzpfahl, an dem dieser befestigt wurde, um gerade zu wachsen. Hier gab Fabian Wolf die notwendige Hilfestellungen, denn vor allem die Jungs wollten mit dem großen Hammer die Holzpfähle einschlagen.

Etwa fünf Jahre dauert es, bis eine ansehnliche Kopfweide mit etwa 15 Zentimeter Stammumfang dann am Bachlauf steht. Dann muss sie mindestens alle sieben Jahre gestutzt werden. Damit kommt in den kommenden Jahren doch einiges an Pflege auf die "Wilde Junge Energie" zu.

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