Bad Königshofen

Nikolaus mit Mundschutz löst Shitstorm aus

Der Bad Königshöfer Konditor Herbert Häcker kreierte Schoko-Nikoläuse mit Mundschutz. Das löste in den sozialen Medien solch einen Wirbel aus, dass ihm Angst und Bange wurde.
Diese handwerklich gefertigten Schoko-Nikoläuse sind der Stein des Anstoßes, weil sie Masken tragen.
Foto: Regina Vossenkaul | Diese handwerklich gefertigten Schoko-Nikoläuse sind der Stein des Anstoßes, weil sie Masken tragen.

Was viele Kunden für eine lustige Idee halten, dafür erntete Herbert Häcker einen Shitstorm. "Was sind das für Leute, die uns wegen eines Weihnachtsgags den Untergang wünschen? Wo es dem Einzelhandel in Corona-Zeiten schon so schlecht geht?", fragt er sich. Inzwischen haben die negativen und positiven Kommentare so viel Werbung für ihn gemacht, dass Häcker, der in Bad Königshofen das Café Heintz betreibt, sich vor Aufträgen kaum retten kann.

Die Idee ist nicht neu. Schon zu Ostern stellte der Konditormeister, unterstützt von Tochter und Konditorin Carola Häcker, Osterhasen mit Mundschutz her, damals hat sich niemand darüber aufgeregt. Eine seiner Spezialitäten ist die Herstellung von Schokoladen-Hohlfiguren.

Alles Handarbeit

In den Figuren steckt einiges an Handarbeit, denn bevor die auf 32 Grad erhitzte Masse in die vorbereitete Form gegossen wird, müssen die Vorarbeiten erledigt werden, damit der Kontrast zu Stiefeln, Pelzbesatz und Stab sichtbar wird. Das bedeutet, diese Teile werden mit weißer oder Zartbitter-Schokolade vorgezeichnet. Die Maske wird auf den fertigen Körper aus Ruby-Schokolade (ohne Farbstoff) per Hand aufgetragen.

Die Tochter postete ein Foto auf Facebook und erntete schon am Samstagabend erste negative Kommentare. "Anscheinend sind wir irgendwie in eine Wutbürger-Gruppe geraten, anders können wir uns die Kommentare aus ganz Deutschland nicht erklären", sagt Herbert Häcker. "Die kennen uns gar nicht, drückten aber unsere Bewertung von fünf Sternen zeitweise auf 2,8."

Carola und Herbert Häcker bekamen bis Montagmittag 1400 Kommentare in den sozialen Medien.
Foto: Regina Vossenkaul | Carola und Herbert Häcker bekamen bis Montagmittag 1400 Kommentare in den sozialen Medien.

1400 Kommentare übers Wochenende

 1400 Kommentare haben sich bis Montagmittag angesammelt, viele von Corona-Leugnern und ganz frommen Leuten, die dadurch den Hl. Nikolaus verunglimpft sehen. "Wenn Nikolaus heute leben würde, würde er eine Maske tragen, der Papst trägt ja auch eine", sagt Herbert Häcker dazu. Es gibt inzwischen auch viele Kommentare von Menschen, die den Konditormeister unterstützen, darüber freut er sich.

Was sind das für Kommentare? "Wir hoffen, dass ihr bankrott macht", "so was würde ich nicht für einen Cent kaufen", "ihr seid krank, das Virus schlägt anscheinend aufs Hirn", "ich hoffe, der Laden wird boykottiert", "ihr habt den Nikolaus zum Zombie gemacht".

Kommentatoren halten dagegen

Andere Kommentatoren hielten dagegen: "Wenn sich braune Hohlfiguren über braune Hohlfiguren echauffieren...", "Klasse Aktion, ich möchte bestellen", "stabile Aktion, danke dafür", "eine sehr schöne Aktion, die die Liebe des Hl. Nikolaus in die heutige Zeit überträgt".

Ein Kollege meldete sich, der ähnliches erlebt hat, die Familie Häcker ermutigte und zum Durchhalten riet. "Anfangs habe ich noch geantwortet, es dann aber aufgegeben", sagt Tochter Carola Häcker.  

Deutschlandweite Wellen hat das Erwähnen in den sozialen Medien geschlagen, das Ergebnis ist eine enorme Werbung für die handwerklich gefertigten Corona- Nikoläuse und Weihnachtsmänner.  "Es kommen viele Aufträge aus ganz Deutschland", berichtet der Konditormeister. Die ganze Familie hilft beim Verpacken und Abschicken. Inzwischen ist so viel zu tun, dass das Café Heintz Konditoren in der Umgebung um Hilfe bitten musste, um die Flut an Bestellungen abzuarbeiten. 

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