Mellrichstadt

Photovoltaik: Macht der Standort bei Bahra Sinn?

Für die Einleitung eines Bauleitplanverfahrens zur Errichtung einer großflächigen Photovoltaikanlage in der Gemarkung Bahra  gab der Stadtrat Mellrichstadt seine Zustimmung (Symbolbild).
Foto: Oliver Berg, dpa | Für die Einleitung eines Bauleitplanverfahrens zur Errichtung einer großflächigen Photovoltaikanlage in der Gemarkung Bahra  gab der Stadtrat Mellrichstadt seine Zustimmung (Symbolbild).

"Es ist eine anspruchsvolle und nicht einfache Entscheidung, die es zu treffen gilt", begann Bürgermeister Michael Kraus die jüngste Stadtratssitzung in Mellrichstadt. Er bezog sich dabei auf die abschließende Beschlussfassung über den Antrag auf Einleitung eines Bauleitplanverfahrens zur Errichtung einer großflächigen Photovoltaikanlage in der Gemarkung Bahra. Zur Entscheidungsfindung war Roland Göpfert, Technischer Leiter der Überlandwerk Rhön GmbH, als Gast geladen.

In der Sitzung des Bauausschusses am 18. Juni 2020 war bereits über den Antrag der Südwerk Projektgesellschaft mbH aus Burgkunstadt zum Betrieb einer Freiflächenphotovoltaikanlage mit einer geplanten Gesamtfläche von 30,8 Hektar in der Gemarkung Bahra beraten worden. In einer Bürgerversammlung am 28. Juli wurde das Projekt in Bahra vorgestellt. Die Energiewende wurde dabei positiv gesehen, die geplante Örtlichkeit des Vorhabens entsprach jedoch nicht diesen Vorstellungen, weshalb man sich mit deutlicher Mehrheit gegen das Projekt ausgesprochen hatte.

Günstiger Verknüpfungspunkt im Netz gesucht

Roland Göpfert zeigte in einer Powerpoint-Präsentation das Netz, das durch das Überlandwerk Rhön abgedeckt wird. Die Fläche ist ungefähr so groß wie die Stadt Berlin. 92 000 Einwohner sind in den drei Bundesländern Bayern, Hessen und Thüringen und vier Landkreisen zu versorgen. Auf das Thema Photovoltaik eingehend, hieß es, dass nach Einreichung der vollständigen Unterlagen durch einen Anlagenbetreiber der Netzbetreiber acht Wochen Zeit habe, den „technisch und wirtschaftlich“ günstigsten Verknüpfungspunkt im Netz zu ermitteln. Laut Göpfert würde die geplante Anlage in Bahra aber nicht in die örtliche 20 kV-Ebene passen, sondern gehöre in die 110 kV-Ebene. Der Anlagenbetreiber müsste sich daher an das Bayernwerk wenden, das ein Umspannwerk eigens für diese Anlage planen müsste. Dennoch: Die geplante Anlage in Bahra würde nicht ins Netz des regionalen Stromanbieters passen, machte der Technische Leiter des ÜW Rhön deutlich. Im Klartext: Der Strom kann nicht ins örtliche Netz eingespeist werden.

Laut Roland Göpfert scheitern viele Planungen, da sie in abgelegene Netzausläufer erfolgen oder weil es im überplanten Bereich bereits viele Anlagen gibt, was lange Leitungswege und hohe Anschlusskosten nach sich zieht. Darüber müsse aber der Investor entscheiden.

Skepsis überwiegt in Bahra

Bürgermeister Kraus dankte für die fachlichen Ausführungen. Horst Ullmann verwies auf die zehn  Hektar große geplante Photovoltaikanlage auf Mittelstreuer Gebiet und fragte nach, wo diese angeschlossen wird. Es gebe für den Windpark eine Leitung, die noch Aufnahmekapazitäten habe, informierte Roland Göpfert. Auf die jährliche Steigerung des Energiebedarfes eingehend, sagte er, dass in den 1980er/1990er Jahren der Bedarf jährlich um sieben Prozent gestiegen war, mittlerweile aber rückläufig sei. Der Energieverbrauch steige zwar, aber was durchs Netz geht, werde weniger, weil viele Haushalte ihren Eigenverbrauch mit Anlagen auf den Häusern decken.

In Bahra stehe man dem Ganzen sehr skeptisch gegenüber, meinte Bürgermeister Kraus. Ortssprecher Holger Simonoff habe den Vorschlag gemacht, die Bürger einzeln zu befragen. Doch das Gremium habe nur über den Antrag zu entscheiden. Bauleitplanung hieße noch lange nicht, dass diese Anlage auch gebaut wird, so Kraus. Die Kosten für die Bauleitplanung trage der Antragsteller.

Von Bahraer Seite ist die Anlage so gut wie nicht einsehbar, warf Markus Groenen ein. Einen Verlust landwirtschaftlicher Flächen sieht er als Nachbar nicht. Über den Verlust der landwirtschaftlichen Flächen sei mit den Landwirten gesprochen worden, meinte dazu Jürgen Amthor. Alle wären bereit, Flächen herzugeben. Michael Mühlfeld merkte an, dass er nicht gegen regenerative Energie sei, aber seiner Meinung nach sollte der Antrag abgelehnt werden, „weil es an dieser Stelle nicht geht“. Doch die Mehrheit der Stadträte stimmte schließlich dem Antrag des Projektierers auf Einleitung eines Bauleitplanverfahrens zur Errichtung einer großflächigen Photovoltaikanlage in der Gemarkung Bahra zu. Der Projektträger trägt die Kosten.

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