Mellrichstadt

Streit sauer über Tennet-Vorstoß

Höchstspannungs-Erdkabel       -  In Erdkabel-Korridoren, wie auf diesem Bild von einer Baustelle in NRW, soll Strom von Nord nach Süd transportiert werden. SuedLink könnte, wie am Dienstag bekannt wurde, entlang der A 71 von Thüringen über Mellrichstadt und weiter in den Landkreis Würzburg führen.
Foto: Roland Weihrauch/dpa | In Erdkabel-Korridoren, wie auf diesem Bild von einer Baustelle in NRW, soll Strom von Nord nach Süd transportiert werden.

Tief enttäuscht und mächtig sauer war Mellrichstadts Bürgermeister Eberhard Streit am Dienstagnachmittag. Da hatte ihn auf nicht-offiziellem Weg die Nachricht erreicht, dass von allen bisher angedachten Trassenführungen für die geplante SuedLink-Stromleitung nunmehr die östlichste Variante, mithin diejenige, die auch Mellrichstädter Gebiet durchqueren wird, von den Betreiberfirmen der Tennet und der TransnetBW als Vorschlagskorridor auserkoren wurde.

"Tolle Nachricht" - für die Hessen

In Hessen pfiffen das offenbar schon am Tag zuvor die Spatzen von den Dächern, wie eine Online-Mitteilung annehmen ließ, die schon am Dienstag im Netz war. Hessische Politiker von CDU und SPD und der Fuldaer Landrat Bernd Woide jubelten darin gleichermaßen über diese „tolle Nachricht“, dass Hessen von der Trasse verschont bleibt.

Bürgermeister Streit machte in einem Pressegespräch klar, dass er nicht grundsätzlich gegen die Trasse durch Thüringen und Mellrichstädter Gemarkung sei, wenn sich diese Lösung nach gründlicher Überprüfung als die von der Sache her beste Lösung herausstellen sollte. Diesen Standpunkt hatte er auch immer bei Informationsveranstaltungen den Bürgern gegenüber vertreten.

Als Bürgermeister außen vor

Ärgerlich und unverständlich sei für ihn aber das Verfahren gewesen, dass er als Bürgermeister erst am späten Dienstagnachmittag über diese favorisierte Trasse informiert worden sei. Thomas Wagner von Tennet hatte eine E-Mail geschickt, die Streit gar nicht selbst erreicht hatte, sondern von Landrat Thomas Habermann an ihn weitergeleitet wurde – und das auch erst, als Streit den Kreischef zuvor über die Nachricht aus Hessen informiert hatte.

Wagner teilt in seiner Mail mit, dass die Bekanntgabe des Vorschlagskorridors unbeabsichtigt schon am Dienstag in Hessen an die Öffentlichkeit gelangt war. Ursprünglich sei der 9. März als Tag der Veröffentlichung vorgesehen gewesen.

Der Mellrichstädter Stadtchef, der bislang immer propagiert hatte, dass es ein faires Verfahren um den Verlauf der Trasse geben wird, fühlt sich hintergangen. Und das im doppelten Sinn: Denn er muss sich fragen, welchen Sinn überhaupt noch das für den 31. März vorgesehene Gespräch mit Tennet-Vertretern über Mellrichstadts Bedenken gegen die Ostvariante haben soll – Wagner hatte sogar eine mögliche Ortsbegehung angedacht, so Streit erbost.

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Foto: Michelic&&Partner Software GmbH | SuedLink könnte, wie am Dienstag bekannt wurde, entlang der A 71 von Thüringen über Mellrichstadt und weiter in den Landkreis Würzburg führen.

Entscheidung noch nicht sicher

Seinem Ärger machte der Stadtchef am Mittwoch bei der Info-Veranstaltung der „Taskforce Netzausbau Bayern“ in Würzburg Luft. Dort wurde die Indiskretion aus Hessen bedauert, wie Streit berichtete, und betont, dass von einer sicheren Entscheidung keineswegs die Rede sein könne. Wichtige Teile der Überprüfung der möglichen Trassenverläufe würden noch fehlen. Unter anderem seien Natur- und Artenschutz in der Planung noch nicht berücksichtigt worden. In Hessen solle man nicht zu früh jubeln, hieß es in Würzburg.

Streit ist trotzdem pessimistisch, machte er auch bei der Sitzung des Bauausschusses am Donnerstagabend deutlich. Sicherlich sei die genaue Trassierung innerhalb des einen Kilometer breiten Korridors noch nicht erfolgt und werde erst in weiteren Schritten des Planfeststellungsverfahrens ermittelt. Dennoch vermutet er, dass es, bei aller augenblicklichen Vorläufigkeit des Planungsstadiums, bei der Ostvariante bleiben wird, also auch bei den Korridorabschnitten 110 und 112 im Bereich von Mellrichstadt.

Bedenken deutlich machen

Der Stadtchef ist nun fest entschlossen, den Gesprächstermin am 31. März mit Thomas Wagner zu nutzen, um dem Tennet-Vertreter alle Bedenken gegen die Ostvariante aus Mellrichstädter Sicht auch vor Ort begreiflich zu machen. Denn die Trasse würde auch genau durch das Wasserschutzgebiet im Elmbachtal in Eußenhausen führen. „Am Ende sind wir die Gelackmeierten, weil wir uns auf ein faires Verfahren verlassen und bislang einfach stillgehalten haben“, macht Streit seinem Ärger Luft.

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