Bad Neustadt

Trauer um Josef Schlagbauer

Josef Schlagbauer lagen Bad Neustadts Städtepartnerschaften sehr am Herzen. Mit seinem Eintritt in den Stadtrat wurde er Partnerschaftsreferent von Falaise. Zu dem langjährigen Präsidenten des Falaiser Partnerschaftskomitees, Bernard Leblanc (rechts), entwickelte sich eine enge Freundschaft. Das Bild entstand bei dessen Besuch im September 2015.
Foto: ArchivPetra Bieber | Josef Schlagbauer lagen Bad Neustadts Städtepartnerschaften sehr am Herzen. Mit seinem Eintritt in den Stadtrat wurde er Partnerschaftsreferent von Falaise.

Josef Schlagbauer, Altbürgermeister und Ehrenbürger der Stadt Bad Neustadt, ist am Mittwoch im Alter von 83 Jahren gestorben. Er war zwölf Jahre zweiter und weitere zwölf Jahre erster Bürgermeister von Bad Neustadt. Er hat das Stadtbild wesentlich geprägt und zahlreiche Spuren hinterlassen.

Josef Schlagbauer wurde 1972 zum Stellvertreter von Bürgermeister Paul Goebels gewählt. 1984 übernahm er dann die Hauptverantwortung. Zu seinen wesentlichen Leistungen gehört die Altstadtsanierung und der Ausbau der Infrastruktur. Mit Erfolg setzte er sich dafür ein, dass die Autobahn A 71 nicht im Westen, sondern im Osten an Bad Neustadt vorbeiführt.

Altstadtsanierung

Diese Punkte stellt auch sein Nachfolger im Amt des Bürgermeisters, Bruno Altrichter, auf Nachfrage dieser Zeitung heraus. „Die Altstadtsanierung war ein großer Verdienst von Josef Schlagbauer“, sagt er. Sie sei unter Paul Goebels begonnen und von Schlagbauer Stück für Stück fortgesetzt worden. Altrichter erwähnt insbesondere die Außensanierung des Hohntors und dessen neu gestaltetes Umfeld mit dem Pershore-Garten. „Das ist ein Highlight der Stadtsanierung.“ Ebenso wie der Kirchplatz von Mariä Himmelfahrt oder die Gedenkstätte für die Opfer von Krieg und Gewalt am Fuß des Kirchberges.

Josef Schlagbauer habe viele wichtige Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur ergriffen. In seine Amtszeit fiel die deutsche Einheit. Wiederholt brachte Schlagbauer im Nachhinein seine Hochachtung für die gesamte Stadtverwaltung zum Ausdruck, die bei der Grenzöffnung Unglaubliches geleistet habe, um den Ansturm der Begrüßung zu bewältigen.

Als Bürgermeister hat er darüber hinaus neue Baugebiete ausgewiesen und zusätzlichen Wohnraum geschaffen. Gegenüber Kunst und Kultur sei Schlagbauer sehr aufgeschlossen gewesen, führt Altrichter weiter aus.

Baugebiete

Nicht zuletzt aufgrund seines beruflichen Hintergrundes als Lehrer habe er für den Bereich Schule, Bildung, Volkshochschule und Stadtbibliothek wichtige Weichenstellungen vorgenommen, von denen die Stadt heute noch profitiere. Josef Schlagbauer habe auch unpopuläre Maßnahmen durchführen müssen, darunter die Schließung des Hallenbades in Brendlorenzen. Dadurch habe er jedoch für Kindergarten und Schule neue Kapazitäten geschaffen.

„Seine christliche Prägung hat sein Handeln stark mitbestimmt“, so Bruno Altrichter über Josef Schlagbauer. Er habe ihn als einen sehr angenehmen, besonnenen Menschen empfunden. Auch nach seiner Amtszeit habe er die Stadtpolitik positiv begleitet. Das sei ein sehr nobler Charakterzug gewesen. Er habe mit ihm viele interessante Gespräche geführt.

Rechtschaffen und liebenswert

„Josef Schlagbauer war ein sehr sympathischer, rechtschaffener und liebenswerter Mensch“, sagt Landrat Thomas Habermann. „Zahlreiche Bürger haben einen guten Bekannten und Freund verloren. Ich zähle mich auch dazu.“ Er selbst sei ihm zu Beginn seiner politischen Laufbahn begegnet und habe viel von ihm gelernt. Als Bürgermeister habe er mannigfaltige, wichtige Maßnahmen umgesetzt und der Stadt einen positiven Stempel aufgedrückt. „Bad Neustadt ist ihm zu großem Dank verpflichtet. Sein Tod ist ein großer Verlust für die Stadt.“ Auch im Kreistag habe er sich sehr eingebracht. Er sei ein integrativ denkender Mensch mit einem großen Gesamtverständnis gewesen, der sich über Bad Neustadt hinaus für den ganzen Landkreis eingesetzt habe.

Städtepartnerschaften

Sehr am Herzen lagen Schlagbauer die Städtepartnerschaften. Mit seinem Eintritt in den Stadtrat wurde er Partnerschaftsreferent von Falaise und in seiner Amtszeit entstanden die Partnerschaften mit Oberhof und Bilovec. „Er hat europäisch gedacht und die Versöhnung der Länder war ihm wichtig“, bekräftigt Habermann. Das sei sehr weitsichtig und ein besonderer Verdienst gewesen.

Josef Schlagbauer wurde am 14. Januar 1936 in Gerolzhofen geboren und wuchs dort mit fünf Geschwistern auf; sein Vater war Landwirtschaftsrat. Er besuchte die Gymnasien in Schweinfurt und Würzburg. Im Anschluss studierte er in Würzburg und Freiburg fürs Lehramt Latein, Griechisch und Geschichte. 1964 kam der junge Studienassessor an das Gymnasium nach Bad Neustadt, wo er bis zu seiner Wahl als Bürgermeister unterrichtete.

Kirchliches Engagement

Als Schülervertreter, später als Vorsitzender, war Schlagbauer im Kreisjugendring aktiv. 1972 wurde er in den Stadtrat und gleich zum zweiten Bürgermeister gewählt. Von 1984 bis 1996 folgten die Jahre als erster Bürgermeister. Etliche Jahre gehörte er dem Kreistag an.

Nicht nur in die Kommunalpolitik, sondern auch in die kirchliche Gemeinde brachte sich Josef Schlagbauer ein: als Pfarrgemeinderat in Mariä Himmelfahrt und als Pfarrgemeinderatsvorsitzender in St. Konrad. Entspannung fand er nicht zuletzt bei Wanderungen mit dem Rhönklub, dessen Vorstand er zeitweise angehörte. Ferner war er in der Kolpingfamilie und im Frankenbund aktiv.

Die Stadt wird Josef Schlagbauers mit einer Trauersitzung am Montag, 18. Februar, um 12.30 Uhr gedenken. Im Anschluss findet um 14 Uhr das Requiem in der Sankt-Konrad-Kirche statt.

Zwei große Kommunalpolitiker, die der Region fehlen. Nachdem Altlandrat Gottfried Miller (links) Ende Dezember starb, trauert Bad Neustadt nun um Josef Schlagbauer. Das Bild wurde an seinem 80. Geburtstag aufgenommen.
Foto: ArchivPetra Bieber | Zwei große Kommunalpolitiker, die der Region fehlen. Nachdem Altlandrat Gottfried Miller (links) Ende Dezember starb, trauert Bad Neustadt nun um Josef Schlagbauer. Das Bild wurde an seinem 80. Geburtstag aufgenommen.
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