Kreuzberg

Von der Stadtkämmerei zum Guardian des Klosters Kreuzberg

Pater Korbinian Klinger ist ab 1. Oktober der neue Guardian des Klosters Kreuzberg.
Foto: Marion Eckert | Pater Korbinian Klinger ist ab 1. Oktober der neue Guardian des Klosters Kreuzberg.

Am Sonntag, 4. Oktober, wird im Gottesdienst um 11 Uhr im Rahmen des Franziskusfestes Pater Korbinian Klinger als der neue Guardian des Klosters Kreuzberg offiziell in seinem Amt begrüßt und vorgestellt. Für eine Teilnahme am Gottesdienst ist eine vorherige telefonische Anmeldung unter (09772) 91240 nötig, da es nur 28 Plätze in der Kirche gibt.

Seit gut einer Woche ist der 62-Jährige auf dem Kreuzberg, sammelt erste Eindrücke von den Menschen und der Natur. Beeindruckt ist er, wie sich die Rhön in den vergangenen Tagen präsentierte. Herb und rau mit Regen und Nebel aber auch sonnig im bunten Herbstkleid. Er lebte bisher hauptsächlich in Städten wie München und in Rheda-Wiedenbrück in Norddeutschland. Die herbe Schönheit der Rhön wirkt auf ihn faszinierend und zugleich herausfordernd, spannend und urtümlich. "Ich bin noch nie so viel spazieren gegangen, wie in den vergangenen Tagen. Die Umgebung ist spannender als München oder Rheda-Wiedenbrück. Die Gegend lockt."

Keine Wallfahrten oder Prozessionen

Neu ist für ihn auch die Kombination eines Klosters mit einem Wirtschaftsbetrieb. Corona-bedingt mit den vielen Absperrungen um den Biergarten wirke dies auf den ersten Blick nicht sehr einladend. "Das ist nun mal der Corona-Zeit geschuldet und unumgänglich", zeigte er Verständnis, denn auch das kirchliche Leben auf dem Kreuzberg wurde ja deutlich zurück geschraubt. Es gibt keine Wallfahrten und keine Prozessionen. Dabei hatte sich Klinger, der aus Oberbayern stammt, schon auf typisch fränkische Wallfahrten mit Blaskapelle gefreut.

Dankbar habe er bereits registriert, dass es im Biergarten und den Wirtsstuben "nicht zu krachern" zu geht. "Wir sind immerhin auch ein Kloster." Er baut auf ein gutes Miteinander mit dem Geschäftsführer Christian Weghofer.

Diese besondere Corona-Zeit sieht Klinger auch als Chance, um die Menschen, die tagtäglich zum Kreuzberg kommen, kennen zu lernen. "Ich sehe viele Wanderer und Radfahrer, die hier einkehren." Wie unterschiedlich die Bedürfnisse der Menschen sind, das wurde ihm in den ersten Tagen schon deutlich. "Nicht umsonst heißt der Kreuzberg der Heilige Berg der Franken. Wir Franziskaner halten hier den Himmel ein bisschen offen. Ja, der Kreuzberg ist ein Ort, an dem der Himmel etwas offen ist."

Loslassen im richtigen Moment

In diesem Sinne möchte er als Guardian für die Menschen ein Franziskaner zum Anfassen und Ansprechen sein. Konkrete Pläne zu etwaigen Angeboten neben den Gottesdiensten hat er noch keine, kann sich aber durchaus vorstellen, im Bruder-Franz-Haus in der Adventszeit in Richtung Meditation und Kontemplation etwas anzubieten. Sein großes Hobby ist kontemplatives Bogenschießen, das er in Münsterschwarzach kennen lernte. Dabei gehe es um Konzentration auf die innere Mitte, um aufrecht stehen und loslassen im richtigen Moment.

Pater Korbinian Klinger wurde 1957 in Freising in Oberbayern geboren. Er wuchs als Jüngster in der elterlichen Landwirtschaft mit einem Bruder und einer Schwester auf, die aber mittlerweile schon verstorben ist. Nach dem Besuch der Realschule absolvierte er eine Ausbildung zum Verwaltungsbeamten in München und arbeitete später in der Stadtkämmerei von Freising. Als Feuerwehrmann beim Katastrophenschutz war er von der Bundeswehr freigestellt.

Er wollte nicht mehr in die Verwaltung

Als die Frage anstand, ob er auf Lebenszeit verbeamtet werden soll, stellte er sich selbst die Frage, was er in seinem Leben wirklich möchte. Auf diesem Weg der Suche lernte er die Franziskaner kennen und trat 1983 in Bad Tölz in das Noviziat ein. Er lernte den Beruf des Altenpflegers und arbeitete auf der Pflegestation des Ordens in München, wo er für die pflegebedürftigen Mitbrüder sorgte. "Ich wollte nicht mehr in die Verwaltung", erinnert er sich an die damalige Zeit. Die ewige Profess legte Klinger 1988 ab. Im Anschluss begann er sein Theologiestudium und wurde am 24. April 1994 zum Priester geweiht.

Am Haunerschen Kinderspital in München traf er auf Pater Michael Först. Der hatte als Klinikseelsorger die Initiative "Omnibus" gegründet. Sie ermöglicht es Eltern, die weit entfernt von München leben, deren Kinder aber im Spital behandelt werden müssen, in kliniknahen Wohnungen kostenfrei zu übernachten. Jahre später wurde ein ganzes Haus geplant und gebaut. Kurz vor dessen Fertigstellung im Jahr 1998 starb Först und Klinger übernahm die Leitung, die er bis 2010 inne hatte. In diesen Jahren war er für viele Menschen oft mit ganz praktischer Lebenshilfe einfach da. "Sie brauchten keinen frommen Spruch von einem Pater, sondern ein Bett."

Nach Rheda-Wiedenbrück gewechselt

Nach der Zusammenlegung der vier ehemals selbstständigen Franziskaner-Provinzen zu einer wechselte Klinger ins Franziskanerkloster nach Rheda-Wiedenbrück. Nach Aufgabe des Noviziats im Jahr 2016 war klar, dass das Kloster keine Zukunft mehr haben werde. Ende Juni übergab Klinger die Schlüssel an die gemeinnützige Genossenschaft "Kloster Wiedenbrück", die eine weltliche Begegnungsstätte aus dem ehemaligen Kloster machen möchte und machte sich auf den Weg in die Rhön. Der bisherige Guardian Pater Georg Andlinger wird dann Klingers Vikar, Pater Martin Domogalla, bisheriger Hausvikar, verzichtet dann auf sein bisheriges Amt.

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