Bischofsheim

Wort zum Wochenende: Aus der Seele gesprochen

Pfarrer Manfred Endres
Foto: Pfarrgemeinde St. Georg | Pfarrer Manfred Endres

Liebe Leserin, lieber Leser,

zufällig fiel mir ein Text in die Hände, den ich auf einer Fortbildung zum Gestaltseelsorger geschrieben habe. Zu vieles wird von mir aus Büchern und Predigtanregungen kopiert und als meine Worte "verkauft". Manchmal erlaube ich mir statt der Predigt die Anwesenden zu fünf Minuten Stille einzuladen. Sie sollen nachspüren, ob die vorgetragenen Worte aus der Bibel sie berührt haben. Stille tut der Seele gut! Ich erschrecke manchmal, wenn ich mich mit fremden Federn schmücke.

Nun aber zu meinem Text aus eigener Feder. Mein Weg auf die Kanzel: Da war doch was in jungen Jahren!? Ein leises Sich-Regen von zärtlichem Tasten nach Worten für Verstehen und Erfahren, für Fühlen und Empfinden. Horch! Da will etwas geboren werden … Wachsende Lust, Unaussprechliches auszusprechen. Frisch, frech, fröhlich fließen lassen, was da fließen will. Pure Freude schwappt über … Staunen über faszinierende Landschaften der Seele, in denen Traum und Wirklichkeit ineinander fließen. Spielende Bewegung, sich öffnend der Fülle: Ein Amen Gottes! Lust und Frust: "Ausgezeichnet! - Du hast mir aus der Seele gesprochen!" Und ich hatte gar nichts zu sagen.

Hoffen auf mehr als nur mich in mir, denn: Manchmal weiß ich zu gefallen. Getrieben von "Ich muss ja noch!" lauern am Wege die Räuber; sie stülpen den Sack mir über, lassen mich verschwinden. Und doch bin ich da, und doch tret' ich auf, höre mich reden. Vieles - oft viel zu vieles. Da fallen auch Worte, entstanden im Herzen, glückseelige Augenblicke … Und dann wieder Wort für Wort, wo klammheimlich die Angst mich befällt: "Ob wohl jemand die Leere meiner Worte hört?" Der "Applaus" verdrängt alsbald den ehrlichen Ruf nach "Stopp" und "Anders!", und schon wartet das nächste "sicheren Schrittes zum Ambo gehen ...".

Gerade spür' ich's: Mein Dürsten und Hungern nach Zeit für Anschluss in mir an Quellen lebendigen Wassers und saftigem Weideland. Was nun? - Es betet in mir: "Rede Herr, dein Diener hört! Berühre mich, heile mich, damit in mir deine Liebe zum Schwingen kommt und diese Schwingungen geheimnisvoll andere erreichen. Amen".

Der Autor: Pfarrer Manfred Endres ist Leitender Seelsorger der Pfarreiengemeinschaft "Am Kreuzberg, Bischofsheim"

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