Weimarschmieden

Zur Weimarschmiede: "Aufgeben ist für uns keine Option"

Serie "Gastronomen in der Krise": Alexander Omert und sein Team kämpfen darum, dass die urige Wirtschaft "Zur Weimarschmiede" das nördlichste Gasthaus Bayerns bleibt.
Alexander Omert kämpft um die Existenz des Gasthauses 'Zur Weimarschmiede' in Weimarschmieden. Ihm zur Seite stehen Jana Wedlich (rechts) und  Birgit Bayer (links).
Foto: Marion Eckert | Alexander Omert kämpft um die Existenz des Gasthauses "Zur Weimarschmiede" in Weimarschmieden. Ihm zur Seite stehen Jana Wedlich (rechts) und Birgit Bayer (links).

Wird es das Wirtshaus "Zur Weimarschmiede" in Weimarschmieden auch in Zukunft noch geben? Diese bange Frage stellt sich Alexander Omert jeden Abend und jeden Morgen aufs Neue. Staatliche Überbrückungsgelder oder Soforthilfe bekommt der Gastronom nicht. Sein uriges Gasthaus darf er aber trotzdem nicht öffnen. Seit 1. November stehen die Uhren still in der Weimarschmiede. Sie werden erst wieder aufgezogen, wenn er Gäste bewirten darf.

Zum 1. August 2019 hat das Sondheimer Ehepaar Jana und Andreas Wedlich die urige Dorfkneipe in Weimarschmieden übernommen. Im Gasthaus "Zur Weimarschmiede" hatte sich Jana zuvor schon einige Jahre um den Service gekümmert. Als ein neuer Pächter gesucht wurde, haben sie und ihr Mann zugegriffen. Neffe Alexander Omert war zu damaligen Zeit auch schon im Gasthaus tätig und es war klar, dass er ab 2020 die Verantwortung übernehmen wird. Was nach dieser Weitergabe passieren würde, konnten sie zum damaligen Zeitpunkt nicht ahnen. 

Alexander Omert fühlt sich von der Regierung im Stich gelassen

Sämtliche Anträge auf Soforthilfe und Überbrückungsgelder wurden abgelehnt. Omert fühlt sich von der Regierung im Stich gelassen. Da habe er den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und nun werde er abgestraft, nur weil er in 2020 den Betrieb übernommen habe. Denn als Begründung für die abgelehnte staatliche Hilfe habe er zu hören bekommen, dass es bei Neugründungen zum Betriebsrisiko dazu gehöre. "Ich bin also selbst schuld, weil ich aufgemacht habe. Ich hätte wissen sollen, dass es einen zweiten und dritten Lockdown gibt."

Hinzu kommt, dass die Mitarbeiterin Birgit Bayer zum 1. Januar 2020 ihre Arbeitsstelle gekündigt hatte, um sich voll und ganz in der Weimarschmiede einbringen zu können. Kurzarbeitergeld wurde für sie zunächst abgelehnt. Welch bürokratischer Aufwand notwendig wurde, um über den Steuerberater überhaupt rechtsgültig Widerspruch einlegen zu können, darüber können Alexander Omert und Jana Wedlich ein Lied singen. Anfang November wurde das Kurzarbeitergeld beantragt. Im Februar haben sie die Genehmigung doch noch bekommen. Gelder seien bis heute aber nicht geflossen. "Es muss alles vorfinanziert werden", beschreibt Omert die Situation.

Dass er vom Jobcenter zu hören bekommen habe "Ein Missverständnis im System" beruhige die angespannte wirtschaftliche Lage nicht wirklich. Hinzu kommen weitere Forderungen der Krankenkasse, Berufsgenossenschaft usw., die Omert zu schaffen machen. "Einen Kredit will ich nicht aufnehmen. Das muss ja auch wieder zurückgezahlt werden. Ich hatte bisher gar keine Chance. Rücklagen im Gasthaus anzulegen." So finanziert Alexander Omert aus seinen privaten Rücklagen, um das Gasthaus irgendwie halten zu können.

"Wir leben von der Hand in den Mund"

Mit dem Außer-Haus-Verkauf kann er zumindest die laufenden Kosten einigermaßen abdecken. "Hätten wir nicht so viele Stammgäste und Freunde und Familie, würde es noch enger werden." Ein großes Dankeschön richtet er an die Vermieterin, die ihm sehr großzügig und verständnisvoll begegne. Da Alexander Omert und auch Jana Wedlich aus dem Gasthaus keine Einnahmen für ihre eigenen Löhne erwirtschaften, sind sie im privaten Bereich auf familiäre Hilfe angewiesen. "Mein Mann und meine Mutter stehen hinter uns und unterstützen uns." Eigenes Einkommen? Fehlanzeige. "Wir leben von der Hand in den Mund."

Urig und gemütlich ist es im Gasthaus "Zur Weimarschmiede". Die Uhren werden erst wieder aufgezogen, wenn auch Gäste wieder bewirtet und beherbergt werden können.
Foto: Marion Eckert | Urig und gemütlich ist es im Gasthaus "Zur Weimarschmiede". Die Uhren werden erst wieder aufgezogen, wenn auch Gäste wieder bewirtet und beherbergt werden können.

Warum halten sie dennoch durch? "Die Weimarschmiede liegt uns am Herzen. Es ist das nördlichste Gasthaus in Bayern und das soll es auch bleiben. Wir haben so viele Gäste, die entlang des Grünen Bandes laufen und bei uns übernachten." Fotos von und mit Gästen, Briefe und Postkarten aus aller Welt, nette Einträge im Gästebuch geben immer wieder Kraft, weiter durchzuhalten. Es müsse doch endlich einmal Frühling werden. Die Inzidenzzahlen müssen sinken. Die Gastronomie wird doch wieder, wenn es wärmer wird, öffnen dürfen.

"Wir müssen durchhalten, wir wollen durchhalten"

Tränen hat Jana Wedlich in den Augen. Sie klammern sich an die Hoffnung, dass es bald bergauf gehen wird. "Wir müssen durchhalten, wir wollen durchhalten. Aufgeben ist für uns keine Option. Es kann doch nicht sein, dass das nördlichste Gasthaus Bayern schließen muss. Unsere Existenz ist aber sehr gefährdet." Das Wirtshaus in dem wunderschönen Fachwerkgebäude mit der liebevollen, individuellen und rustikalen Einrichtung ist schon etwas ganz Besonderes. Auch wenn sie im Moment keine Planungssicherheit haben, sind sie für jede Bestellung dankbar. "Da wir alles frisch und regional einkaufen und zubereiten, muss vorher bestellt werden. Wir können es uns nicht leisten, etwas wegzuwerfen."

Telefonische Bestellung ist mindestens einen Tag vorher notwendig.  Die Speisekarte wechselt alle zwei Wochen. Auf Nachfrage gibt es auch vegetarisch und vegan. Telefon: 09778/ 1605 oder per Handy 0160 /990 266 61.

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Rhön-Grabfeld und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren
Marion Eckert
Arbeitsstellen
Berufsgenossenschaften
Birgit Bayer
Gastronominnen und Gastronomen
Gaststätten und Restaurants
Jobcenter
Kurzarbeitergeld
Löhne und Einkommen
Mitarbeiter und Personal
Regierungen und Regierungseinrichtungen
Staatliche Unterstützung und Förderung
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (3)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!